Gemeinsam forschen gegen den Feuerbrand

Vorarlberg / 02.09.2016 • 19:22 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Auf diesem Versuchsfeld wurden verschiedene Wirkstoffe gegen den Feuerbrand getestet – und gefunden. Foto: privat
Auf diesem Versuchsfeld wurden verschiedene Wirkstoffe gegen den Feuerbrand getestet – und gefunden. Foto: privat

EU förderte das Interreg-Projekt gegen Feuerbrand mit über einer Million Euro.

Bregenz. (VN-jun) Die Bakterienkrankheit Feuerbrand bedroht seit Beginn der 90er-Jahre den Erwerbs- und Streuobstbau rund um den Bodensee. In Vorarlberg richtete sie zuletzt 2007 großen Schaden an: Damals wurden in 94 der 96 Städte und Gemeinden knapp 20.000 befallene Pflanzen gemeldet. Laut Experten lag die Dunkelziffer bei 50.000 Pflanzen. Die Obstbauern konnten diese Schäden nicht bewältigen, bis dahin gab es keine zielführenden Methoden, um den Feuerbrand zu bekämpfen. Das veranlasste das Land Vorarlberg zu der Projektinitiative „Gemeinsam gegen Feuerbrand“.

Da die Feuerbrand-Situation über die Landesgrenzen hinaus vergleichbar war, sollten gemeinsam Alternativen erarbeitet und wirkungsvolle Mittel im Bodenseeraum erforscht werden. So sollte der Obstanbau rund um den See gesichert werden. Auf Initiative von Agrar-Landesrat Erich Schwärzler (ÖVP) trafen sich noch im Jahr 2007 13 Experten aus Österreich, Deutschland, der Schweiz und Liechtenstein in Bregenz. Gemeinsam wollten die Partner aus Wissenschaft und Praxis in einem länderübergreifenden Projekt die Bakterienkrankheit bekämpfen. „In dieser Expertenrunde war das Know-how zum Thema Feuerbrand gebündelt. Wenn man also die Pflanzenkrankheit bekämpfen kann, dann durch diese Zusammenarbeit“, erinnert sich Projektleiterin Anna-Maria Schneider-Moosbrugger an die Anfänge der länderübergreifenden Kooperation.

EU-Geld sehr wichtig

Mit dem regionalen Förderprogramm „Interreg“ der Europäischen Union konnte das Projekt „Gemeinsam gegen Feuerbrand“ schließlich umgesetzt werden. Knapp 1,1 Millionen Euro steuerte die EU dem Projekt bei. Hinzu kamen zirka 270.000 Euro der an der Interreg beteiligten Staaten. Das Land Vorarlberg beteiligte sich mit 141.000 Euro und koordinierte das Projekt. Dieses war mit einem Gesamtvolumen von 2,3 Millionen Euro eines der finanziell aufwendigsten Projekte des Programms. „Es mussten nicht alle Partner gleich viel Geld mitbringen. Wichtig war es, möglichst viele Experten und somit viel Kompetenz beisammen zu haben“, erklärt Schneider-Moosbrugger.

Mit einem Anteil von 60 Prozent am Projektvolumen waren die EU und Interreg ein wichtiger Partner, so die Projektleiterin: „Forschung ist ein sehr teures Thema. Vorarlberg hätte sich mit eigenem Geld ohne diese EU-Förderung nie das Know-how holen können. Zudem profitiert Vorarlberg noch heute von den Ergebnissen und von dem Netzwerk, das während des Projekts entstanden ist.“

Erfreuliches Ergebnis

Von Juni 2007 bis Oktober 2011 forschten die Experten an drei Schwerpunkten: Kulturmaßnahmen, Sorten und Wirkstoffe. Hierzu wurden zahlreiche Versuche im Labor und im Freiland angestellt. Die Ergebnisse wurden als Empfehlungen in einer Broschüre zusammengefasst. So können Landwirte in Zukunft je nach Anlage, Obstsorte und Betrieb auf Feuerbrand reagieren: Mittels Kulturmaßnahmen, also durch Zurückschneiden oder Roden von Obstbäumen, durch die Umstellung auf robuste Apfel- und Birnensorten sowie durch Anwendung zugelassener Pflanzenschutz-, Pflanzenstärkungs- und Düngemittel. „Es hat sich gezeigt, dass die Kombination der drei Schwerpunkte bei der Bekämpfung von Feuerbrand wertvoll ist“, sagt Schneider-Moosbrugger. „Wir konnten zwar durch das Projekt die Pflanzenkrankheit nicht eliminieren, aber wir kennen nun wirkungsvollere Methoden zur Bekämpfung von Feuerbrand.“

Projekt Feuerbrand

Projektlaufzeit

29. Juni 2007 bis 31. Oktober 2011

 

Gesamtvolumen
2.306.996 €

» 1.090.601 € Fördermittel der EU

» 269.597 € Inerreg-Fördermittel CH

 

Projektpartner

TU Wien, Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES), Julius Kühn-Institut, Kompetenzzentrum Obstbau Bodensee, Bayerische Landesanstalt für Wein- und Gartenbau, Forschungsanstalt für Gartenbau Weihenstephan, Uni Konstanz, Uni Hohenheim, Forschungsanstalt Agroscope Changins-Wädenswil, Kanton St. Gallen, Thurgau, Zürich, Landwirtschaftsamt Vaduz