„Nachhaltige Agrarpolitik ist wichtig“

Vorarlberg / 11.09.2016 • 18:38 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Herbert Bösch: „Ich bin ein Anhänger des Milizheeres in Österreich.“  VN
Herbert Bösch: „Ich bin ein Anhänger des Milizheeres in Österreich.“ VN

Nach der Politik wieder Rückkehr in die Bregenzer Stadtverwaltung, Hobby Fußball.

Bregenz. (ee) „Was einen Vergleich der Lebensqualität zwischen Bregenz und der Europa-Hauptstadt Brüssel anbelangt, so fällt dieser eindeutig zugunsten von Bregenz aus. Es hat mich auch sehr gefreut, wie freundlich ich hier und an meiner Dienststelle wieder aufgenommen wurde.“

Das erläutert im Gespräch mit den VN Mag. Herbert Bösch (62), der von 1980 bis 1995 Bediensteter der Landeshauptstadt Bregenz war und nach seinem Ausscheiden als Mitglied des Europäischen Parlaments 2009 mit einer 75-Prozent-Dienstverpflichtung in die Bregenzer Stadtverwaltung zurückgekehrt ist. Dort ist er für die Kontrolle, internationale Kontakte der Stadt, etwa den Internationalen Städtebund Bodensee, und EU-Angelegenheiten zuständig und referiert zu EU-Themen auch gelegentlich an Schulen.

Antibetrugsamt OLAF

Zudem war er bis zum heurigen Sommer Mitglied des Überwachungsausschusses des Europäischen Antibetrugsamtes OLAF. Die Mitglieder dieses Gremiums werden gemeinsam vom Rat, der EU-Kommission und dem Europäischen Parlament ernannt, um die Unabhängigkeit sicherzustellen. Bösch ist zudem mit Komm.-Rat Helfried Fussenegger einer der Vizepräsidenten der Gesellschaft für Landesverteidigung und Sicherheitspolitik in Vorarlberg. Dabei vertritt er die Meinung, dass in einer Demokratie ein Milizheer eine sehr gute Form der Landesverteidigung ist.

Außerdem bekennt er: „Ich bin nach wie vor ein begeisterter Fußballer, sowohl aktiv als auch passiv, bin sehr gerne mit Gartenarbeit beschäftigt und reise auch viel in die Steiermark, wo eine Enkelin von mir lebt.“ Bösch fordert in Österreich eine Agenda, in der genau festgelegt ist, wie sich das Land in Europa entwickeln soll. Denn wenn Österreich in der EU auch nur ein kleiner Mitgliedstaat ist, so habe es doch einige Trümpfe in der Hand, etwa die duale Ausbildung.

Europäische Steuer

Nach wie vor tritt er, wie auch schon während seiner Zeit als EU-Abgeordneter, für die Einführung einer direkten europäischen Steuer ein, die aber nicht mit einer Erhöhung der Steuerleistung des Einzelnen verbunden ist, und sieht eine nachhaltige Agrarpolitik als zentral sowohl für Vorarlberg, Österreich und Europa an.

Zahlreiche Funktionen

Bösch besuchte das Gymnasium Mehrerau, wo er 1973 maturierte. Nach der Ableistung des Präsenzdienstes studierte er Soziologie und Politologie an der Universität Konstanz. Er schloss sein Studium 1978 mit dem Magisterium ab und arbeitete von 1978 bis 1979 als Landesstellenleiter des Karl-Renner-Instituts in Vorarlberg.

Bösch engagierte sich politisch zunächst von 1978 bis 1988 als Landesvorsitzender der Jungen Generation der SPÖ-Vorarlberg. Zwischen dem 24. Oktober 1989 und dem 18. Oktober 1994 war er Mitglied des Bundesrates, danach wechselte er in den Nationalrat, dem er vom 7. November 1994 bis zum 22. Juni 1995 angehörte. Von 1995 bis 2009 war er Mitglied im Europäischen Parlament. Dort hatte er von 2007 bis 2009 das Amt des Vorsitzenden des 40-köpfigen Haushaltskontrollauschusses inne.

Kritik am Kanzler

Im Zuge der Europawahl 2009 schied er aus dem Parlament aus, nachdem ihn die Parteiführung der SPÖ auf einen aussichtslosen Listenplatz gereiht hatte. Die schlechte Platzierung wurde weithin als Abstrafung für Böschs Kritik am EU-skeptischen Kurs von Parteiobmann und Bundeskanzler Werner Faymann gewertet.

Bösch war im Europäischen Parlament Ständiger Berichterstatter für Betrugsbekämpfung. „Im Jahre 1999 habe ich als parlamentarischer Haushaltskontrolleur den Rücktritt der damaligen EU-Kommission unter dem Vorsitz des Luxemburgers Jacques Santer erreicht“, erinnert sich Bösch.

Bösch wurde für sein umfangreiches Wirken mit dem Großen Goldenen Ehrenzeichen der Republik Österreich ausgezeichnet.

Zur Person

Mag. Herbert Bösch

Geboren: 11. September 1954 in Feldkirch

Ausbildung: Matura am Gymnasium Mehrerau, Studium Soziologie und Politologie in Konstanz, Magisterium 1978

Werdegang: Karl-Renner-Institut, Bediensteter der Landeshauptstadt Bregenz 1980 bis 1995 und wieder ab 2009.

Politische Funktionen: Landesvorsitzender der Jungen Generation der SPÖ, Bundesrat, Nationalrat, EU-Abgeordneter.

Familie: verheiratet, drei Kinder, eine Enkelin

Hobbys: Fußball, Gartenarbeit