„Herr Lehrer“ ist eine begehrte Mangelware

Vorarlberg / 14.09.2016 • 19:14 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Männliche Lehrer sind sehr gefragt. Foto: VN
Männliche Lehrer sind sehr gefragt. Foto: VN

Der Trend hält an: Lehrkörper an den heimischen Schulen wird immer weiblicher.

Bregenz. Tag vier im noch so jungen Schuljahr und die erste Erkenntnis: Der Schulbetrieb ist überall mehr oder weniger problemlos angelaufen. Das zumindest wird von den Schulverantwortlichen so berichtet. In den meisten heimischen Schulen gelten fixe Stundenpläne schon vom ersten Tag an. Vorbei sind die Zeiten, als in der ersten Schulwoche noch kaum ein geregelter Unterricht stattfand, und die Einstimmung auf das neue Schuljahr hauptsächlich aus Lehrerkonferenzen und Ausflügen bestand.

Weibliche Volksschule

Der Schulbetrieb an nahezu allen Schulen ist mehr denn je von Teilzeitbeschäftigten und Frauen abhängig. So befinden sich allein im Bereich Allgemeine Pflichtschule 1410 der insgesamt 3964 Lehrpersonen nicht in einem hundertprozentigen Anstellungsverhältnis. An den Pflichtschulen unterrichten insgesamt 3092 Frauen und nur 872 Männer. Besonders in den Volksschulen ist die weibliche „Übermacht“ erdrückend. 1589 Frauen (davon 687 teilbeschäftigt) standen dort im abgelaufenen Schuljahr 176 Männern (23 teilbeschäftigt) gegenüber. Das ist auch im heurigen Schuljahr nicht anders.

Viele in Teilzeit

„Der Trend zu mehr Teilzeitbeschäftigungen hält an, auch jener, dass im Pflichtschulbereich mehr Frauen als Männer unterrichten. Ganz besonders natürlich in den Volksschulen“, konstatiert Landespflichtschulinspektorin Karin Engstler (59). Sie verhehlt nicht, dass sie gerne mehr Männer als Pflichtschulpädagogen in den Vorarlberger Schulen sähe. Das hat nichts mit der Qualifikation der weiblichen Lehrpersonen zu tun. Viel mehr damit, dass Schulkindern eine ausgewogene Durchmischung der Geschlechter bei den Lehrpersonen gut tut.

Immer wieder weisen auch Kinderpsychologen darauf hin, dass es Kindern oft an männlichen Bezugspersonen fehlt. Besonders dann, wenn sie von alleinerziehenden Müttern großgezogen werden und vom Kindergarten bis in die Sekundarstufe kaum mit Männern zu tun haben.

Auch die vielen teilzeitbeschäftigten Lehrerinnen und Lehrer machen den Schulbetrieb nicht unbedingt einfacher. „Aktivitäten außerhalb der Stundentafel und notwendige Herausforderungen, die sich auch plötzlich ergeben können, lassen sich klarerweise von vollbeschäftigten Lehrpersonen oft unkomplizierter erledigen“, sagt Engstler. Ihren teilzeitbeschäftigten Pädagogen will sie damit jedoch keineswegs zu nahe treten. „Es gibt in vielen Schulen hervorragende Teams, die umfangreiche Aufgaben gemeinsam bestens erledigen“, will die Schulinspektorin betont wissen.

PH wirbt um Männer

Beim Lehrpersonal an höheren Schulen sind ungleiche Geschlechterverhältnisse weniger ein Problem. So sind heuer 1861 Lehrpersonen an Bundesschulen (AHS und BHS) in Vorarlberg tätig. Davon sind 53 Prozent Frauen. Rund 80 Prozent aller Lehrer haben eine hundertprozentige Beschäftigung. An der Pädagogischen Hochschule Vorarlberg will man mehr Männer für den Lehrberuf begeistern. „Wir legen unsere Werbung gezielt vor allem auf Männer an. Besonders im Pflichtschulbereich, und dort bei den Volksschulen, wären mehr männliche Lehrpersonen erwünscht“, weiß PH-Rektor Gernot Brauchle (51).

Wir werben gezielt um Männer für die Lehrerausbildung.

Gernot Brauchle