Die Wolken als Retter der heimischen Apfelernte

Vorarlberg / 15.09.2016 • 17:45 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Manfred Nägele ist stolz auf seine Äpfel.  Foto: VN/Steurer
Manfred Nägele ist stolz auf seine Äpfel. Foto: VN/Steurer

Ein schwieriges Anbaujahr endete mit einem blauen Auge und süßen Früchten.

Gaißau. (VN-hk) Auf dem Gartentisch des Apfelproduzenten Manfred Nägele in Gaißau steht ein Korb mit frisch geernteten roten Äpfeln. Schmackhafte Früchte als Resultat härtester Arbeit. Die Obstbauern haben geladen. Für sie ein besonderer Tag. Nicht nur deshalb, weil der Tag einer Erntepräsentation immer etwas Besonderes ist, sondern weil sie heuer überdurchschnittliche Anstrengungen unternehmen mussten, um einen passablen Ertrag mit hoher Qualität zu erzielen.

Durchwachsenes Jahr

„Es war ein durchwachsenes Jahr“, findet Ulrich Höfert, Referent für Obstbau bei der Landwirtschaftskammer Vorarlberg, noch moderate Worte für das, womit die Kollegen heuer auf ihren Feldern zu kämpfen hatten. Frost, Regen, Hagel – drei Teufel hatten es auf die diesjährige Ernte abgesehen. Doch sie schafften es nicht, die köstlichen Früchte zu vernichten, auch wenn es im Vergleich zu einem durchschnittlichen Jahr weniger von diesen gab.

Und doch: Es gab in diesen nicht einfachen Zeiten auch Hilfe von oben. „In der schwersten Frostnacht Ende April halfen uns aufziehende Wolken. Sie hielten die Temperaturen gerade noch in erträglichem Rahmen“, berichtet Jens Blum, Vorarlbergs größter Apfelbauer, der seine Anbaufläche im Rheindelta nahe des Rohrspitz’ hat. Geholfen haben aber auch noch die letzten zwei sonnigen und warmen Wochen. „Sie haben die notwendige Zuckerbildung ermöglicht“, ergänzt Blum.

Überschwemmt

Nicht ermöglicht haben die sintflutartigen Regenfälle von Mitte Mai bis Ende Juni eine entsprechende Behandlung aller Obstsorten in den Feldern. „Da war zu viel Wasser. Wir konnten nicht zu den Pflanzen gelangen“, erinnert sich Blum und zeigt Fotos von den überschwemmten Anbauflächen.

Die Schäden fielen bei den verschiedenen Obstsorten unterschiedlich aus. Bei den Birnen etwa überlebte die Sorte Williams das heurige Jahr nicht, die Sorte Subira hingegen überstand die Wetterkapriolen ganz gut.

Katastrophal verlief die Erdbeersaison. Die anhaltenden Regenfälle in der Erntezeit führten in vielen Feldern zu einem Totalausfall. Strauchbeeren wie Himbeeren, Brombeeren, Stachelbeeren, Johannisbeeren oder Heidelbeeren brachten mittlere Erträge. Stark in Mitleidenschaft gezogen wurde auch die diesjährige Kirschenernte, während es bei den Zwetschken besser aussah.

Qualität über alles

Keine Abstriche machen wollen die Vorarlberger Obstbauern künftig bei der Qualität. „Diese geht vor der Menge“, stellt Manuel Gohm, Geschäftsführer von Ländle Marketing klar.

Um die Qualität zu gewährleisten, wurde nicht nur das Ländle-Gütesiegel erneuert, auch die Richtlinien zur Überprüfung der Qualität sind strenger denn je und werden laut Auskunft von Gohm von externen, unabhängigen Kontrollstellen durchgeführt. Zwölf Obstbauern haben sich diesen Richtlinien verpflichtet.

Obsternte 2016

413 Tonnen Tafeläpfel

390 Tonnen sind mit Ländle Herkunfts- und Gütesiegel zertifiziert

 

180 Tonnen Birnen

15 Prozent des Gesamtbedarfs an Obst nur können die Vorarlberger Obstbauern abdecken.

 

12 Obstbauern von Schlins bis Gaißau bauen ihre Äpfel gemäß den Richtlinien des Ländle-Gütesiegels an.