24 Stunden bei „Bauer sucht Frau“

Vorarlberg / 06.10.2016 • 21:20 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
24 Stunden bei „Bauer sucht Frau“

Fesche Kutscherin hat Wahlbludenzer angespornt, bei der Kuppelshow als Kandidat mitzumachen.

BLUDENZ. VN/hrj) „Karin hat mir auf Anhieb gefallen.“ Vor allem ihr Lachen habe ihn beeindruckt, sagt Christian Junger. Außerdem habe Karin in ihrer Videopräsentation gefordert, ihr Kandidat müsse gerne und viel essen können. Und diese Bedingung erfüllt Christian als gelernter Koch nur zu gerne. So entschloss sich der 28-jährige ursprünglich aus Wien stammende Wahlbludenzer, seine Bewerbung als Kandidat bei „Bauer sucht Frau“ für die fesche Kutscherin Karin an den Fernsehsender ATV zu senden. Die 29-Jährige besitzt im oberösterreichischen Ried einen Hof mit 20 Pferden.

In dieser Kuppelshow – derzeit läuft die 13. Staffel – suchen nicht nur Bauern Frauen, sondern auch Bäuerinnen Männer. Im Laufe der Sendung wird auch viel Persönliches  der Kandidaten an die Öffentlichkeit getragen. Warum beschließt ein sich selbst als schüchtern bezeichnender Mensch, wie Christian Junger, sich der gnadenlosen Öffentlichkeit eines solchen Fernsehformats auszusetzen? „Das hat mir nichts ausgemacht“, gibt er zur Antwort. Im Gegenteil: „Ich stehe trotz meiner Schüchternheit gerne im Rampenlicht.“

Hasspostings

Im Übrigen stehe er auch öffentlich dazu, bisexuell zu sein – was eine Welle von Hasspostings in den sozialen Netzwerken ausgelöst hatte. Christian habe versucht, das irgendwie wegzustecken. „Denn mir ist wichtig, mit meiner Kandidatur ein Zeichen der Toleranz zu setzen. Ich wollte zeigen, dass auch Bi- und Homosexuelle eine Chance bekommen, bei solchen TV-Sendungen teilzunehmen“, betont er.

Anfang Juli kam ein Anruf von ATV. Christian wurde informiert, dass er zu den drei von Karin ausgewählten Kandidaten zählte und so rasch wie möglich zu ihr nach Ried reisen sollte. Und ja, seine Hündin Lara dürfe er mitbringen. „Ohne Lara hätte ich nämlich nicht teilgenommen“, stellt Christian klar. Die fünfjährige Dackelmischlingsdame ist seine treue Gefährtin, sein Ein und Alles.

Drei Tage später saß Christian mit Lara im Zug. Die Dreharbeiten begannen bereits bei seiner Ankunft in Ried, als ihn Karin mit der Kutsche vom Bahnhof abholte. Von nun an trug Christian ein Mikrofon-Set am Körper, und (fast) alles, was er tat und sagte, wurde von der Kamera aufgenommen.

Stallarbeit in der Früh

Er kam als Letzter der drei Kandidaten an. Seine Konkurrenten Cornel und Michel hatten sich bereits mit dem Hofleben vertraut gemacht.

Der erste Tag der sogenannten Hofwoche sei sehr spät und mit viel Schnaps beendet worden. Trotzdem verlangte die Hausherrin von den drei Männern, am nächsten Morgen um halb sieben Uhr zur Stallarbeit anzutreten. Dies, um herauszufinden, ob ihre Kandidaten überhaupt fähig sein würden, auf dem Hof mitzuarbeiten. „Ausmisten habe ich gar nicht gern gemacht, vor allem wegen des Gestanks“, bekennt Christian. Dabei habe er sich wirklich wohl gefühlt auf dem Hof. „Pferde, Hunde, Katzen, die Natur – aber die Stallarbeit war nicht meines.“

Fetter Minuspunkt

Später ließ Karin jeden ihrer Kandidaten ein Pferd anschirren. „Dabei habe ich mich nicht gerade geschickt angestellt, denn mit so etwas kenne ich mich überhaupt nicht aus“, sagt Christian.

Am Nachmittag stand noch Kutschenfahren auf dem Programm. Danach setzte Karin die Kandidaten in Kenntnis, dass Christian derjenige sei, der als Erster und innerhalb von 24 Stunden den Hof verlassen müsse. Der Grund: Der fidelen Kutscherin war es nicht gelungen, diesen Kandidaten aus der Reserve zu locken, „worauf ich ihr gestand, dass ich noch nicht bereit wäre, mich für eine neue Beziehung zu öffnen“, erklärt Christian. Er leide nämlich noch immer an den Folgen der Zerrüttung seiner letzten Beziehung, die er mit einem Mann hatte. „Und das war ein fetter Minuspunkt.“

Die spontan angesetzte Abschiedsfeier hat laut Christian bis zwei Uhr früh gedauert. „Wir haben viel getrunken. Deshalb durfte ich noch auf dem Hof schlafen und reiste erst am Morgen darauf ab.“

Die „Bauer sucht Frau“-Moderatorin Arabella Kiesbauer sei ihm übrigens nie begegnet. „Wir sehen sie erst beim Abschluss-Event in Salzburg im November, bei dem alle Kandidaten noch einmal zusammenkommen.“

Trennungsschmerz

Wieder daheim in seiner Wohnung in Bludenz, ist Christian auch in seine momentan gestörte Gefühlswelt zurückgekehrt. „Mein Ex-Partner fehlt mir sehr“, sagt er, überwältigt vom Trennungsschmerz, mit zitternder Stimme. „Mein sehnlichster Wunsch wäre, dass er mir meine Fehler der Vergangenheit verzeiht und wir wieder Freunde werden.“

Ich stehe trotz meiner Schüchternheit gerne im Rampenlicht.

Christian Junger

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