Hilfeschrei für die Landesbibliothek

Vorarlberg / 12.10.2016 • 19:16 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Wassereintritt in der Landesbibliothek: Am 19. September schrillten die Alarmglocken. Foto: VN/Steurer
Wassereintritt in der Landesbibliothek: Am 19. September schrillten die Alarmglocken. Foto: VN/Steurer

Historiker Wolfgang Scheffknecht sieht kulturelles Erbe Vorarlbergs gefährdet.

Bregenz. Die Landesbibliothek Vorarlberg ist im Gespräch. Aber leider nicht so, wie sie das gerne wäre. In die Schlagzeilen geriet die Kulturstätte Ende September, weil aufgrund eines Starkregenereignisses Wasser in einen Depotraum drang und wertvolle historische Bücher beinahe zerstört hätte. Erst in letzter Sekunde konnten die wertvollen Kulturgüter gerettet werden.

Angst vor dem Wasser

Während für das Problem Hochwasser eine kurzfristige Lösung mit Maßnahmen zur Verbesserung der Raumsicherheit angekündigt wurde, schlagen Verantwortliche und Nutzer der Landesbibliothek nun generell Alarm. Tenor: Die einst angesehene Landesbibliothek verkomme immer mehr, dringend notwendige Investitionen würden unterlassen.

Einer, der für die Kulturstätte besonders laut die Stimme erhebt, ist der Historiker Wolfgang Scheffknecht (57). Er hat in den frühen Jahren der Landesbibliothek mit deren Gründer Eberhard Tiefenthaler zusammengearbeitet und die Einrichtung als eine der besten ihrer Art in der Region kennengelernt. „Die Landesbibliothek genoss einst einen ausgezeichneten Ruf und war für Forscher eine gute Adresse. Ihr Bestand ist auch heute noch wunderbar“, findet Scheffknecht.

Lange Wartezeiten

Doch die wissenschaftliche Zugänglichkeit der Landesbibliothek sei einer Einrichtung dieser Bedeutung nicht mehr würdig. „Für den historischen Bereich kann ich das  behaupten.“ Scheffknecht, der auch Gemeindearchivar von Lustenau ist und derzeit an einem wissenschaftlichen Projekt arbeitet, nennt Beispiele. „Es stehen viele historische Bücher und Zeitschriften nur noch ab einem bestimmten Jahr im Haupthaus zur Verfügung. Brauche ich älteres Material, muss ich warten, bis man es von Außendepots herbeischafft. Derzeit werden nur am Dienstag und Donnerstag Bücher in die Landesbibliothek gebracht. Brauche ich etwas schnell, bin ich aufgeschmissen.“

Wenige Mitarbeiter

Das habe jedoch nichts mit dem Personal zu tun. „Die Mitarbeiter sind engagiert. Aber es sind zu wenige.“ Scheffknecht ist sogar schon bis nach Konstanz oder Innsbruck gefahren, um rasch an ein schnell benötigtes Werk zu gelangen. „Bei uns wird das kulturelle Erbe aufs Spiel gesetzt.“

Dringende Verbesserungen der räumlichen Situation am Standort fordert erneut  Bibliotheksleiter Harald Weigel (63). Wissenschaftslandesrätin Bernadette Mennel verspricht, die Kritik Scheffknechts zu prüfen.