Zuhause auf den Straßen Europas

Vorarlberg / 18.10.2016 • 17:52 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Brummifahrer Alois Tement ist seit 37 Jahren auf den Straßen Europas unterwegs.
Brummifahrer Alois Tement ist seit 37 Jahren auf den Straßen Europas unterwegs.

Als Fernfahrer hat Alois Tement seit 1980 rund sechs Millionen Kilo­meter zurückgelegt.

Dornbirn. (VN-kum) Als Bub stand Alois Tement an der Straße und sah sehnsüchtig den Lastwagen nach, die vorbeifuhren. „Ich dachte mir: ,Das muss toll sein, von einem Punkt zum andern zu fahren‘.“ Als Jugendlicher absolvierte er eine Kfz-Lehre, weil man damit die beste Chance hatte, Lkw-Fahrer zu werden.

Früher ein Kraftakt

Eine Mischung aus Fernweh, Neugierde und Lust auf Neues trieb den jungen Mann an. „Ich wollte andere Länder und Kulturen kennenlernen.“ Seine erste Fahrt mit einem 40-Tonner-Lkw vergisst er nie mehr. „Ich kam mir vor, als ob ich einen Jumbojet fliegen würde.“ Die erste Tour führte ihn mit einer Ladung Schokolade nach Wien. „Damals musste man mit dem Lkw noch richtig kämpfen. Schalten, bremsen, kuppeln – alles war ein Kraftakt“, erinnert er sich. Die heutige Technik hingegen mache es einfach, einen Lastwagen zu steuern. „Du drückst einen Knopf und er fährt von alleine.“ Heute sei überhaupt alles anders. „Früher haben wir Fernfahrer die Pausen zusammen verbracht. Und wenn einer eine Panne hatte, blieb man stehen und half.“

Diese Zeit sei längst vorbei. „Heute ist jeder ein Einzelkämpfer.“ Auch auf den Straßen habe sich einiges verändert im Lauf der Jahre. „Es geht viel hektischer zu als früher. Der Verkehr hat enorm zugenommen.“ Von der in Roadmovies beschworenen Romantik des Fernfahrerlebens ist laut Tement in der Realität heute nichts mehr zu spüren. „Keine Dusche, kein Klo, kein warmes Essen – das ist der Alltag der Fernfahrer.“ Denn die Rastplätze seien heute so überfüllt mit Lkw, dass man oft in die Umgebung ausweichen müsse.

Trucker müssen nicht nur auf Komfort verzichten, sondern auch auf soziale Kontakte. „Du bist die ganze Woche auf Achse und kannst dich nicht mit Freunden oder Kollegen treffen.“ Nach 37 Jahren Berufserfahrung weiß der Dornbirner nur allzu gut, wie entbehrungsreich das Leben eines Fernfahrers ist. Obwohl der zweifache Vater seine Familie jahrzehntelang nur an den Wochenenden sah, ist seine Ehe noch intakt. Er führt das darauf zurück, „dass meine Frau sehr viel Verständnis für meinen Beruf hat“. Der hat auch schöne Seiten. „Ich habe mehr gesehen als viele andere. In Europa war ich bis auf Finnland in jedem Land.“

Fernweh gestillt

Besonders beeindruckte Tement, der seit 1980 für die Firma Gebrüder Weiss fährt, die landschaftliche Idylle Südirlands. Die freundlichsten und ruhigsten Menschen traf er in Skandinavien. „Die Italiener hingegen sind hektisch.“ Sein Fernweh ist inzwischen gestillt. Aber das Fahren macht dem 55-Jährigen nach wie vor Spaß. Sechs Millionen Kilometer hat er mittlerweile zurückgelegt, und das unfallfrei. Seine Devise ist: Vorausschauend fahren. Tement weiß um die Verantwortung, die er als Fahrer hat. Ihm ist klar, dass er mit seinem Schwerfahrzeug einen Pkw wie eine Konservendose plattdrücken könnte. Auf der Straße ist er mit seinem Hänger der Starke. Dennoch ist auch er Gefahren ausgesetzt. „Man wollte schon mehrmals in meinen Laster einbrechen. Aber ich bin zum Glück jedes Mal aufgewacht. Da hauten sie ab.“ Ihm wurden auch schon Waren von der Ladefläche gestohlen. „Am gefährlichsten ist es in der Nähe großer Ballungszentren wie Paris oder Manchester. Dort gibt es viele Arbeitslose.“