Im Gleichklang durch das Leben

Vorarlberg / 01.11.2016 • 19:17 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die eineiigen Zwillinge Günter und Gerhard Hasenburger arbeiten beide als Privatkundenbetreuer – bei derselben Bank im selben Büro. VN/RP
Die eineiigen Zwillinge Günter und Gerhard Hasenburger arbeiten beide als Privatkundenbetreuer – bei derselben Bank im selben Büro. VN/RP

Eineiige Zwillinge üben denselben Beruf aus, bei derselben Firma
im selben Büro.

Dornbirn. (VN-kum) Manchmal reagiert das familiäre Umfeld mit Eifersucht, so nahe stehen sich die eineiigen Zwillinge Günter und Gerhard Hasenburger (57). „Wir unterstützen und vertrauen uns total“, zeigt Gerhard auf, dass er eine besondere Beziehung zu seinem Zwillingsbruder hat. Günter kann dies nur bestätigen: „Ich kann mich hundertprozentig auf Gerhard verlassen.“

Gemeinsame Sache

Schon als Kinder verspürten sie den Drang, alles gemeinsam zu machen. Sie hätten auch gerne die Schulbank geteilt. „Aber die Lehrer haben das nicht zugelassen. Sie befürchteten, dass sie uns dann überhaupt nicht mehr auseinanderhalten können.“

Nicht nur ihr Aussehen war gleich, sondern auch ihre Kleidung. „Es hätte zwischen uns wahrscheinlich Streit und Neid gegeben, wenn der andere etwas anderes getragen hätte“, weiß Günter, warum die Mutter gezwungen war, sie immer gleich einzukleiden.

Wenn es einen Menschen gibt, der genauso aussieht wie man selbst, könnte man das ausnutzen und Menschen täuschen. Das taten die Hasenburger-Zwillinge aber nur ganz selten. „Es kam schon vor, dass der eine für den anderen einmal was geschrieben hat in der Schule. Man hat einander halt geholfen“, erzählt Gerhard schmunzelnd.

Sogar den eigenen Eltern konnten sie etwas vormachen. Günter erinnert sich an eine Episode aus der Kindheit. „Unser Vater brachte uns Süßigkeiten mit. Er gab mir welche, aber ich wollte mehr. Doch Papa sagte, dass Gerhard auch noch welche haben möchte. Ich ging zur Tür hinaus. Nur um dann wieder hereinzukommen und mich als Gerhard auszugeben. Der Schwindel flog zum Glück nicht auf.“

Kurze Zeit der Trennung

Es war für die Zwillingsbrüder das Selbstverständlichste der Welt, dass sie dieselben Schulen besuchten. „Wir sind auch immer in dieselbe Klasse gegangen“, erinnern sie sich. Nach der Handelsschule aber trennte sich ihr Weg für einige Zeit, aber beide begannen in derselben Branche zu arbeiten. Günter begann eine Ausbildung bei der Dornbirner Sparkasse, Gerhard bei der Dornbirner Volksbank. Nach fünf Jahren wechselte Gerhard zur Erste Bank, welche im Jahre 2003 in die Dornbirner Sparkasse fusioniert wurde.

Unterschiede

Seit 2004 arbeiten die Zwillingsbrüder in derselben Abteilung und auch im selben Büro. Beide sind Privatkundenbetreuer und lieben den Kontakt zu Menschen. In puncto Kundenbeziehung herrscht aber strikte Trennung „Erstens haben wir keine gemeinsamen Kunden. Zweitens dürfen wir uns nicht gegenseitig vertreten. Drittens dürfen wir auch keine Dokumente gemeinsam unterzeichnen“, verrät Gerhard, welche Grundsätze für die Zwillingsbrüder bei der Arbeit gelten.

Trotzdem kommt es beim Kundenempfang und bei Begegnungen im Haus immer wieder zu Verwechslungen. „Das ist normal, aber auch schnell aufgeklärt“, sieht Günter darin kein Problem. Er hat die Erfahrung gemacht, dass es die Kunden mit Humor nehmen. „Sie sind verblüfft, wie sehr wir uns ähneln. Immer wieder sagt man uns auch, dass wir eine ähnliche Stimme und Gestik hätten.“ Günter trägt heute einen hellen Anzug, sein Bruder einen dunklen. Gerhard trägt sein Haar etwas länger als Günter, „aber nur deshalb, weil ich schon länger nicht mehr beim Friseur war.“

Dass beide sich beim Optiker für eine ganz ähnliche Brille entschieden haben, nennen sie einen Zufall. Aber auch ihr Musikgeschmack ist ähnlich. „Uns gefällt zum Beispiel Abba und Carlos Santana.“ Beide sind auch Genießer und essen gerne gut. Außerdem haben sie die gleichen Hobbys: Skifahren, Wandern, Radfahren, Basteln, Wellness.

Nicht selten verbringen sie die Freizeit miteinander. „Günter und ich machen zum Beispiel mit unseren Frauen gerne Wellnessurlaube.“ Apropos Ehefrauen: Auch sie konnten die Zwillinge am Anfang nicht voneinander unterscheiden. Die Banker verabschieden sich. Kunden erwarten sie. Die sind froh, dass sie seit Jahren denselben Betreuer haben. Günter arbeitet seit 40 Jahren in der Firma, Gerhard seit 35 Jahren. Ihre Treue zum Unternehmen begründen die Zwillingsbrüder damit, „dass Mitarbeiter bei der Dornbirner Sparkasse einen hohen Stellenwert haben und wir wie eine große Familie sind“.