Johannes Huber

Kommentar

Johannes Huber

Kopf hoch!

Vorarlberg / 09.12.2016 • 19:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Die Wahlsieger vom vergangenen Sonntag heißen Alexander Van der Bellen und Heinz-Christian Strache. Der eine ist klar zum Bundespräsidenten gekürt worden, der andere hat mit seiner Partei im Alleingang 46 Prozent für Norbert Hofer geholt. Das sollten all jene bedenken, die glauben, die Freiheitlichen hätten eine krachende Niederlage eingefahren. Und doch spricht sehr viel dafür, dass mit diesem Urnengang eine Wende eingeläutet worden ist.

Was in den vergangenen Wochen und Monaten auch von politischen Beobachtern viel zu wenig wahrgenommen worden ist, ist dies: Die Stimmung der Österreicher hellt sich auf. Das Linzer Marktforschungsinstitut Spectra erkundet beispielsweise regelmäßig, wie sie in die Zukunft blicken: optimistisch oder pessimistisch? Anfang des Jahres überwogen jene, die sich Sorgen machten, (mit 48 Prozent zu 43 Prozent) klar. Mittlerweile sind es (mit 50 zu 40 Prozent) jedoch wieder die, die zuversichtlich sind.

Das hat viele Gründe. Unter anderem geht es wirtschaftlich wieder etwas stärker bergauf; die Arbeitslosigkeit ist zuletzt zum ersten Mal nach langer Zeit bundesweit gesunken. Außerdem sind die Herausforderungen, die mit dem Zustrom von Flüchtlingen einhergehen, zwar bei Weitem nicht bewältigt; aber daran haben sich entweder viele gewöhnt oder sie verdrängen es im Sinne des eigenen Wohlbefindens.

Wie auch immer: Dieser Stimmungswandel ändert die Rahmenbedingungen für Parteien und Politiker. Wer genau hingehört hat, hat auch das bereits feststellen können. Im Wahlkampf hat selbst Norbert Hofer zuletzt kaum noch von „Islamisierung“ und dergleichen gesprochen. Was nachvollziehbar ist, wenn man bedenkt, dass immer mehr Leute dieses Thema nach einem Jahr der Dauerbeschallung ganz einfach nicht mehr hören können.

2017 werden sehr wahrscheinlich andere Themen mit in den Vordergrund rücken. SPÖ und ÖVP bzw. Kanzler Christian Kern und Vize Reinhold Mitterlehner haben sich vorgenommen, ein neues Arbeitsprogramm vorzulegen. Ob sie damit durchkommen werden, wird man sehen. Zweifel sind angebracht. Entscheidend ist aber, dass sie reagieren.

Darum wird auch Heinz-Christian Strache nicht umhinkommen: Die Flüchtlingskrise hat ihn und die FPÖ in allen Umfragen weit nach vorne katapultiert. Im Falle von Neuwahlen wäre er dem Kanzleramt zurzeit sehr nahe. Will er das bleiben, muss er aber auch lernen, die Optimisten in dieser Republik anzusprechen. Und zwar mit Angeboten, die ihm bisher gänzlich unbekannt waren; mit Vorschlägen für eine Bildungsreform etwa. Mit den Pessimisten allein wird es jedenfalls immer schwieriger, eine Mehrheit zu finden.

Was zuletzt viel zu wenig wahrgenommen worden ist, ist dies: Die Stimmung in der Bevölkerung hellt sich auf.

johannes.huber@vn.at
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