Raserei um die Wette endete vor Richterpult

Vorarlberg / 14.12.2016 • 22:04 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
VN-Bericht vom 11. Juli 2016.
VN-Bericht vom 11. Juli 2016.

Illegales Straßenrennen in Wolfurt sorgte nicht nur für ramponiertes Blech.

Bregenz. Ein Burn-out bezeichnet nicht nur die Folge geistiger Überbelastung, sondern auch eine sinnfreie Überstrapazierung von Autoreifen. Und zwar das Durchdrehen der Räder, bis es nur so raucht und dampft und das Gummiprofil des Reifens bis zur Karkasse (tragendes Gerüst) durchgebrannt ist, „also der Reifen glatzenglatt ist“, wie Bezirksanwalt Hermann Peter am Bezirksgericht Bregenz den Zustand der Pneus am Pkw des 22-jährigen Beschuldigten beschreibt.

Verletzter als Zeuge

Der junge Mann hatte sich nämlich am 9. Juli dieses Jahres mit einer weiteren „Sportskanone“ am Steuer auf der L 190 im Bereich der Hohen Brücke in Wolfurt ein illegales Straßenrennen geliefert. Sehr zum Leid eines entgegenkommenden 19-jährigen Autofahrers mit drei weiteren Personen im Fahrzeug. Denn es kam, wie es kommen musste: Um eine Totalkollision zu verhindern, mussten beide Lenker ausweichen. Der 22-Jährige überschlug sich mit seiner Karosse und zog sich schwere Verletzungen zu. Der 19-Jährige wurde auf einen Radweg geschleudert. Ein 18-jähriger Mitfahrer in seinem Wagen erlitt dabei ebenfalls Blessuren und wurde am Mittwoch als Zeuge vor Gericht geladen. „Herr Richter, mir war total schlecht und ich musste fast kotzen!“, schildert er bei der Verhandlung seinen Gemütszustand zum Unfallzeitpunkt. „Die beiden Autos kamen Seite an Seite direkt auf uns zu. Das war hundertprozentig ein Wettrennen!“, versichert er.

Gleich schnell seien sie unterwegs gewesen. Ein verkehrstechnisches Gutachten ergab später eine Geschwindigkeit von 110 bis 120 km/h. „Ich erlitt eine Gehirnerschütterung, hatte drei Tage lang Schmerzen und die Beule am Kopf war drei Tage spürbar und sichtbar“, so der 18-Jährige weiter.

„Zwei Mädchen ausgewichen“

Der beschuldigte Unfalllenker zieht es hingegen vor, sich seiner persönlichen Verantwortung vor Gericht zu entziehen. Er glänzt bei der Verhandlung durch Abwesenheit. Immerhin hatte er sich ja damals vor der Polizei dahingehend verantwortet, „dass er zwei Mädchen auf der Straße ausweichen“ habe müssen. Doch nicht nur der Zeuge, sondern auch die Unfallerhebungen vor Ort sprechen hier eine deutlich andere Sprache. Immerhin so deutlich, dass Richter Christian Röthlin ein Urteil in Abwesenheit des Beschuldigten fällt. Der 22-Jährige wird wegen fahrlässiger Körperverletzung und Gefährdung der körperlichen Sicherheit in drei Fällen zu einer unbedingten Geldstrafe von insgesamt 2400 Euro in 120 Tagessätzen verurteilt.

Herr Richter, mir war total schlecht, und ich musste fast kotzen!

Unfallopfer