Arme Schweine, schwarze Schafe

Vorarlberg / 15.12.2016 • 21:41 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die lückenlose Kennzeichungspflicht für Fleisch beschäftigte die Volksvertreter im Landtag. Foto: APA
Die lückenlose Kennzeichungspflicht für Fleisch beschäftigte die Volksvertreter im Landtag. Foto: APA

Lückenlose Kennzeichnung von Schweinefleisch: Das fordern die Abgeordneten.

Bregenz. (VN-tw) Ins Rollen gebracht hatte das Ganze der streitbare Verein gegen Tierfabriken (VGT) mit einem von ihm aufgedeckten Schweinetransport aus Deutschland. In Deutschland in einem Mastbetrieb gehaltene Schweine waren von einem Vorarlberger Transporteur ins Land gebracht und geschlachtet worden. Einerseits hat der Transporteur gegen das Tiertransportgesetz verstoßen, und andererseits soll das Fleisch dann von Metzgern als Vorarlberger Schweinefleisch an Konsumenten verkauft worden sein.

Nacht-und-Nebel-Aktionen

Grund genug für die Neos mit Sabine Scheffknecht (38) und Martina Pointner (45), die diesmal das Thema für die Aktuelle Stunde vorgeben konnten, den Schweineskandal im Landtag in den Mittelpunkt zu stellen. Schweine seien offenbar im großen Stil in Nacht-und-Nebel-Aktionen aus Deutschland importiert, hierzulande geschlachtet und als heimisches Schweinefleisch verkauft worden, erklärte Pointner und fuhr mit schwerem Geschütz gegen Landwirtschaftskammerpräsident Josef Moosbrugger (50, VP) und Landesrat Erich Schwärzler (63, VP) auf: „Es ist Scheinheiligkeit, mit der die Spitzen der Landwirtschaftspolitik auf den Skandal reagieren.“

Schweinefleisch „umwandeln“

Darüber hinaus übte Pointner Kritik an den derzeitigen Gegebenheiten, unter denen es sehr einfach sei, deutsches in Vorarlberger Schweinefleisch zu „verwandeln“. Es komme derzeit nur auf den Ort der Schlachtung an. So gesehen, sei der Konsumententäuschung Tor und Tür geöffnet. „Wenn ein Schwein lebend ins Land eingeführt und wenige Stunden später von einem Metzger geschlachtet wird, wird aus dem deutschen Schwein im Handumdrehen Vorarlberger Schweinefleisch“, sagte Pointer und verwies auf die politische Verantwortung von Agrarlandesrat Schwärzler und fehlende Kontrollen.

Zu geringe Erlöse für Mäster?

Der Abgeordnete und Landwirt Bernhard Feuerstein (33, VP) verwies auf die „3G-Qualitätsstrategie“ (Gehalten, Gemästet und Geschlachtet) des Landes hin. Um diese Gütekriterien erfüllen zu können, müsse ein Tier mindestens sein halbes Tierleben lang im Land gehalten worden sein. Und warum stammt nur ein geringer Prozentsatz von gerade fünf Prozent des benötigten Schweinefleischs aus Vorarlberg? Feuerstein: „Bei artgerechter Tierhaltung sind die Erlöse für die Schweinemäster zu gering.“ Landesrat Schwärzler ging in seiner Reaktion auf die Vorwürfe im Hinblick auf fehlende Kontrollen ein.

Kastration ohne Betäubung

Die Anzeige im aktuellen Fall sei „leider extrem spät erfolgt“, gab Schwärzler zu. „Das ist nicht zu akzeptieren.“ Darüber hinaus richtete er einen Appell an die Eigenverantwortung, wenn es um die Einhaltung von Gesetzen gehe: „Wir können nicht hinter alles und jeden einen Polizisten stellen.“ Der Transporteur habe jedenfalls im Hinblick auf das Tiertransportgesetz mit strafrechtlichen Folgen zu rechnen, sagte der Landesrat und betonte, dass es sich bei jenen Metzgern, die mutmaßlich deutsches als Vorarlberger Schweinefleisch an ihre Kunden verkauften, um schwarze Schafe handle. Gabriele Sprickler-Falschlunger (60, SP) kritisierte, dass in Vorarlberg nach wie Kastrationen von Schweinen und Enthornungen von Kälbern ohne Betäubung vorgenommen werden. Diesbezüglich sei man einen Schritt weitergekommen. Derzeit erfolge die Betäubung in mehr als 90 Prozent der Fälle, sagte Schwärzler. „Ziel sind allerdings hundert Prozent.“

Einhelliger Tenor im Landtag

Unterm Strich herrschte bei der Sitzung parteiübergreifend Einigkeit, einem von Volkspartei und Grünen eingebrachten Antrag zuzustimmen, dass sich das Land beim Bund für eine lückenlose Kennzeichnungspflicht bei Schweinefleisch einsetzen soll. Der einhellige Tenor unter den 36 Volksvertretern war bei der Landtagsitzung jedenfalls nicht zu überhören: Sowohl die Konsumenten als auch die Tiere müssen geschützt werden.

Derzeit ist es sehr einfach, Schweinefleisch umzuwandeln.

Martina Pointner, Neos

Landtagssplitter

Wenn etwas nicht verboten ist, so heißt das noch lange nicht, dass es sich dann um artgerechte Tierhaltung handelt.

Nina Tomaselli, Grüne

Das Einbürgern ausländischer Schweine ist in Vorarlberg sehr einfach.

Martina Pointner, Neos

Ihre Anfragen legen eine Abteilung eine bis drei Wochen lahm.

LH Markus Wallner, VP

Ich verurteile den Etikettenschwindel. Es ist kein Problem, wenn das Fleisch aus dem Bodenseeraum stammt, aber man muss es den Menschen sagen.

Nicole Hosp, FP

Ich beobachte seit Langem, mit welchen subtilen Untergriffen Sie mit diesen Frauen umgehen,

Herr Landeshauptmann.

Gabi Sprickler-Falschlunger, SP