Landesbäuerin appelliert für „mehr Fairness im politischen Umgang“

Vorarlberg / 26.12.2016 • 19:38 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Schweineskandal und Sündenbock: Andrea Schwarzmann zu „Pauschalverurteilungen“.

Bregenz. (VN-tw) Konkret geht es Landesbäuerin Andrea Schwarzmann (51) um Kritik von Volksvertretern an Landwirtschaftskammerpräsident (LWK) Josef Moosbrugger (50). „Im Frühjahr 2016 habe ich die Funktion der Vizepräsidentin übernommen. Seither konnte ich hautnah miterleben, was die Kammer leistet und mit welchem Einsatz Präsident Moosbrugger arbeitet. Daher kann ich nicht mehr länger zuschauen, wie ihn gewisse politische Kräfte mit unhaltbaren Angriffen niedermachen“, sagt Schwarzmann.

Toleranzgrenze überschritten?

„Wer politisch tätig ist, weiß, dass die Wortwahl in diesem Umfeld mitunter schon etwas deftiger ausfallen kann“, räumt die Landesbäuerin ein. Wie aber in jüngster Zeit die Volksvertreter Reinhold Einwallner (43, SP) und Martina Pointner (43, Neos) mit Moosbrugger ins Gericht gingen, hat aus ihrer Sicht „die Grenze des Tolerierbaren deutlich überschritten“. Den Präsidenten „für alles, was im landwirtschaftlichen Umfeld passiert, mit Pauschalangriffen und Unterstellungen zum Sündenbock zu stempeln, ist unter jeder Menschenwürde“.

„Bogen wurde überspannt“

Am auffälligsten sei dies beispielsweise bei der jüngsten Falschdeklaration von Schweinefleisch in Metzgereien zum Ausdruck gekommen. Obwohl kein Bauer und auch nicht die Kammer damit etwas zu tun hatten, so Schwarzmann, sei der Kammerpräsident von Pointner „in die Pflicht genommen“ geworden. „Und als Draufgabe folgte die Verurteilung von Einwallner, der Josef Moosbrugger Überforderung vorwarf.“ Auch ein Kammerpräsident habe Anspruch darauf, „dass für seine Person die Würde des Menschen gewahrt bleibt“. Die Vertretung der Bauern sei „offen für jede sachliche Auseinandersetzung über alles, was es in der heimischen Landwirtschaft zu kritisieren gibt, aber dieser Stil der Pauschalverurteilung überspannt den Bogen der politischen Fairness“.

„Unmenschlicher Umgang?“

Wenn politische Mandatare auf diese Art und Weise miteinander umgehen, müssten sie sich nicht wundern, wenn die Bevölkerung Gleiches tue, bedauert Schwarzmann. „Es macht auch dort Schule, für alles, was in der Gesellschaft nicht rund läuft, der Politik die Schuld in die Schuhe zu schieben, ohne sich mit der Sache auseinanderzusetzen.“ Mit diesem „unmenschlichen Umgang“ verliere die Politik ganz einfach ihre eigene Glaubwürdigkeit und erweise sich selbst einen schlechten Dienst.

„Ich ersuche auch zu bedenken, was die Kammer für das Land leistet“, spart Schwarzmann nicht mit Lob und richtet vor diesem Hintergrund „einen Appell an alle politischen Akteure, in ihrer Alltagsarbeit dieses große Ganze nicht aus den Augen zu verlieren“. Anlass für ihren Appell hätten „Anfeindungen“ gegen Präsident Moosbrugger geliefert, meint die Landesbäuerin: „Ich möchte aber auch meine große Sorge zum Ausdruck bringen: Wer nimmt Politik in Zukunft noch ernst, wenn dieser Stil überhandnimmt?“

Wer nimmt Politik in Zukunft überhaupt noch ernst, wenn dieser Stil überhandnimmt?

Andrea Schwarzmann