Mit Sack und Pack in ein neues Leben

Vorarlberg / 04.01.2017 • 19:35 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Seit zwei Jahren schon beweist Gernot Schabreiter, dass es sich auch mit Handicap eigenständig leben lässt. Foto: caritas
Seit zwei Jahren schon beweist Gernot Schabreiter, dass es sich auch mit Handicap eigenständig leben lässt. Foto: caritas

Dank Caritas kann Gernot Schabreiter auch mit Handicap selbstständig leben.

bürs. (VN-mm) Was für die meisten selbstverständlich ist, bedeutet für Gernot Schabreiter (44) einen großen Schritt: Er hat jetzt seine erste eigene Wohnung bezogen. Das macht ihn nicht nur stolz, sondern auch unabhängig. „Jetzt kann ich endlich machen, was ich will“, freut er sich unbändig. Doch ganz ohne Hilfe geht es nicht. Deshalb wird Gernot Schabreiter in seinem neuen Dasein von der Caritas-Stelle „Leben in Selbstständigkeit“ (LiS) begleitet, die sich um Menschen mit Beeinträchtigung kümmert. „Wenn Klienten den Schritt in die Eigenständigkeit wagen, sind sie gerade anfangs sehr gefordert“, berichtet Caritas-Mitarbeiterin Tanja Dablander. Doch nach und nach spielt sich alles ein. So war es auch bei Gernot Schabreiter.

Schwierige Suche

Jetzt ist er rundherum glücklich. Das war nicht immer so. Das Schicksal hat es nämlich nicht nur gut gemeint mit dem gelernten Lageristen. Nach dem Tod der Mutter vermisste er vor allem seinen Zwillingsbruder, der sich im Ausland eine neue Existenz aufgebaut hat. Auch aus diesem Grund wird Schabreiter seit einigen Jahren von der Caritas Vorarlberg betreut. Die Anfänge sind dem Bludenzer nicht nur in guter Erinnerung. „Zuerst habe ich in einer Wohngemeinschaft mit fünf anderen Leuten zusammengelebt, aber das war nichts für mich“, erzählt er. So machte sich seine Betreuerin Tanja Dablander auf die Suche nach einer anderen für ihn geeigneten Wohnung. „Es ist nicht leicht, eine Wohnung für Menschen mit Beeinträchtigung zu finden, die leistbar ist. Gernot und ich haben uns viele Wohnungen angesehen, bevor wir die richtige gefunden haben“, schildert Dablander die schwierige Suche. Die Dachgeschoßwohnung, die sich in Bürs anbot, begeisterte schließlich auch Gernot, der kurz darauf mit Sack und Pack in die eigenen vier Wände und damit in ein unabhängigeres Leben übersiedelte.

Von der Mama gelernt

Gernot Schabreiter schmeißt den Haushalt weitgehend allein. „Ich kann kochen, die Wäsche waschen und aufräumen.“ Alles kein Problem für ihn. Er hat es von der Mama gelernt. Einmal pro Woche erhält er dennoch Unterstützung von der Caritas. Hilfe wird ihm beim Einkauf, bei Arztbesuchen, beim Knüpfen neuer Kontakte oder anderen alltäglichen Dingen zuteil. „Anfangs war ich sehr kritisch, doch heute weiß ich, was Tanja und die anderen von der Caritas alles leisten“, ist Gernot dankbar dafür. Derzeit arbeitet er in der Caritas-Werkstätte in Ludesch, wo er unter anderem mit Hausmeisterarbeiten beschäftigt ist. In seiner Freizeit spielt er im Sportverein
„I ka des“ begeistert Tischtennis. Trotzdem wünscht sich Gernot Schabreiter mehr Abwechslung und einen neuen Job, der frischen Wind in seinen Alltag bringt. Doch vorderhand genießt er noch die Weihnachtsferien bei seinem Bruder.

Vom Fachbereich LiS werden derzeit in Bludenz und Dornbirn insgesamt 30 Klientinnen und Klienten ab 18 Jahren betreut und begleitet. „Unser Ziel ist es, mehr Menschen mit Beeinträchtigung ein eigenständiges Leben zu ermöglichen, weil nur so Normalität und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben gelingen können“, sagt LiS-Stellenleiterin Julia Brändle.

Infos zu Leben in Selbstständigkeit: Julia Brändle, Tel. 05522/200-2050 oder 0676/884202 050 , E-Mail: julia.braendle@caritas.at