Österreichische Eurofighter bald über den Schweizer Alpen

20.01.2017 • 21:39 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Für Eurofighter soll es europaweit keine Grenzen mehr geben.
Für Eurofighter soll es europaweit keine Grenzen mehr geben.

Schweiz und Österreich sehen grenzüberschreitende militärische „Luftraumpolizei“ vor.

Schwarzach. Nach einer Bombendrohung an Bord begleiteten im Juli 2016 österreichische Kampfjets ein israelisches Passagierflugzeug über das Hoheitsgebiet der Alpenrepublik (die VN berichteten). Die zivile Maschine überflog zunächst die Schweiz, wo sie von der dortigen Luftwaffe begleitet wurde. Erst in Tirol konnten österreichische Eurofighter die Eskorte übernehmen, da die Schweizer F/A-18-Bomber kurz vor der Vorarlberger Grenze abdrehen mussten, was ein kurzes, aber eben doch unkontrolliertes Zeitfenster nach sich zog.

„air policing“

Eine solche Situation wird schon in naher Zukunft für immer Vergangenheit sein, versicherte am Freitag Brigadier Karl Gruber, Kommandant der österreichischen Luftstreitkräfte, anlässlich seines Besuchs in der VN-Redaktion.

So soll noch in diesem Jahr im Rahmen eines Staatsvertrags ein bilaterales Abkommen zwischen Österreich und der Schweiz unterzeichnet werden, das ein grenzüberschreitendes, sogenanntes „air policing“ ermöglicht.

Im Klartext: Eurofighter des Österreichischen Bundesheeres können in den eidgenössischen Luftraum eindringen, falls von einem Flugobjekt der Verdacht von Terrorgefahr ausgeht. Umgekehrt wird es auch schweizerischen F/A-18-Kampfjets möglich sein, verdächtige Flugzeuge im österreichischen Hoheitsgebiet zu begleiten und zu überwachen. „Der Sinn liegt darin, Zeit zu gewinnen und das betreffende Flugobjekt keinen Moment aus den Augen zu verlieren. Das bedeutet keine gemeinsame Lufthoheit, sondern eine gemeinsame militärische Luftpolizei – eben air policing“, erklärt Gruber.

Aggression und Notfall

Die gegenseitige grenzüberschreitende Luftraumunterstützung soll allerdings nicht nur bei aggressiver Bedrohung zur Geltung kommen, sondern auch im Falle etwaiger Notsituationen, in die zivile Luftfahrzeuge etwa durch technische Probleme geraten.

Bald schon werden also Eurofighter über Vorarlberg in Richtung Schweiz donnern, wenn auch nur zu Übungszwecken. „Denn solche Szenarien müssen natürlich erprobt werden“, so Gruber, „im Idealfall einmal pro Woche.“

Ein solches Abkommen hat die Schweiz übrigens schon mit Italien, Frankreich und Deutschland unterzeichnet. Laut dem Brigadier ist Österreichs Verteidigungsminister Hans-Peter Doskozil bestrebt, mit sämtlichen europäischen Staaten eine „air policing“-Vereinbarung zu treffen. 

Brigadier Karl Gruber, Kommandant der österreichischen Luftstreitkräfte, im VN-Gespräch: „Staatsvertrag in Vorbereitung“.  Foto: VN/Steurer
Brigadier Karl Gruber, Kommandant der österreichischen Luftstreitkräfte, im VN-Gespräch: „Staatsvertrag in Vorbereitung“.  Foto: VN/Steurer