Winterzeit, eine Botschaft an uns

20.01.2017 • 15:59 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Jetzt ist er wieder da, dieser herrliche Schnee, der unsere Landschaft verwandelt, ihre Konturen neu erscheinen lässt, sie wie ein Brautschleier überzieht oder ein Kissen für eine neue Geburt bereitet. Vielleicht verbinden wir darum Weihnachten immer auch mit Schnee, mit unschuldigem Weiß der Geburt. Er bringt aber nicht nur den Zauber des Neuen, er bringt auch Kälte mit sich, er verlangsamt die Wege und lässt uns ein warmes Zuhause neu schätzen. Da wird der bekannte Winterpsalm von Lothar Zenetti immer wieder wahr:

Es ist jetzt nicht die Zeit,

um zu ernten.

Es ist auch nicht die Zeit,

um zu säen.

An uns ist es,

in winterlicher Zeit

uns eng um das Feuer zu scharen

und den gefrorenen Acker

in Treue geduldig zu hüten.

Andere haben vor uns gesät.

Andere nach uns werden ernten.

An uns ist es,

in Kälte und Dunkelheit

beieinander zu bleiben und,

während es schneit, unentwegt

wachzuhalten die Hoffnung.

Das ist es.

Das ist uns aufgegeben.

In winterlicher Zeit.

Jetzt ist es Zeit, ein wärmendes Feuer zu suchen. Nicht umsonst begegnet Gott den Menschen in der Bibel auch in diesem Zeichen des Feuers. Aus dem Feuer spricht er die Worte: Ich bin der, der da ist. Mit einer Feuersäule begleitet er die Frauen und Männer, die aus der Sklaverei fliehen und einen Weg der Befreiung durch die Wüste suchen. Mit dem Feuer zeigt er dem depressiven Elias, dass er treu ist und ihm Feuer schenkt, wenn es nötig ist.

Zuhause schenken

Wir Menschen brauchen das wärmende Feuer, wenn es kalt wird in unserm Leben, kalt wird um unsere Seele, wenn Momente da sind, da wir in unserm Innern frieren, in denen es kalt wird um unser Herz. Da ist es schön, dass wir einander Wärme schenken können, in Worten des Trostes und der Annahme, in Worten, die uns die Augen auftun, dass wir auch wieder Hoffnung in unserm Leben sehen. Da ist es schön, wenn wir durch unser Menschsein ein Zuhause schenken.

Ein Licht brennen lassen

Ein solches Feuer brauchen wir, wenn es dunkel wird in unserm Leben, wenn uns die Trauer, die Einsamkeit und der Verlust umfängt und wir uns nach Nähe sehnen und einem Licht, das wie ein Stern dem Dunkel der Nacht einen Sinn schenkt.

Eine Quelle finden

Wir brauchen ein solches Feuer, wenn sich Augenblicke der Langeweile und Sinnlosigkeit aneinanderreihen, wenn wir warten, aber niemand kommt, wenn wir hoffen, aber nichts Neues passiert, wenn uns das Leben anödet und wir keine Quelle mehr finden, die uns erfrischt und leben lässt.

Es ist Winter geworden, es kann kalt und eisig werden, er kann uns frieren lassen in der Einsamkeit und Erfolglosigkeit, aber es gibt das Feuer, das wir finden können, das uns geschenkt ist, an dem wir uns wärmen können.

Und mehr noch: Wir können selber füreinander ein solches Feuer sein. Diese Erfahrung und Hoffnung wünsche ich Ihnen allen.

Rudolf Bischof,
Generalvikar,
Feldkirch