Luchs vertrat Meister Isegrim als Beutejäger

25.01.2017 • 18:45 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Luchs ist in freier Wildbahn in Vorarlberg angekommen. Im Gegensatz zum Wolf gefährdet er Nutztiere nicht. Foto: APA
Der Luchs ist in freier Wildbahn in Vorarlberg angekommen. Im Gegensatz zum Wolf gefährdet er Nutztiere nicht. Foto: APA

Kein Riss, keine Spuren, keine Beobachtungen: 2016 mieden die Wölfe Vorarlberg.

Bregenz. 2014 und 2015 sorgten Wölfe in Vorarlberg für viel Gesprächsstoff: Sie rissen Schafe, sie hinterließen Spuren, sie wurden beobachtet und sogar fotografiert. „Es werden mehr Wölfe nach Vorarlberg kommen“, meinte noch im Dezember 2015 der Schweizer Wolf-Experte David Gerke (32), der sich speziell mit der Entwicklung des in der Region einzigen Wolfsrudels im Graubündner Calanda-Tal beschäftigt. Gerkes Meinung teilt auch Hubert Schatz (51), Wildbiologe des Landes Vorarlberg. „Wir werden regelmäßig Besuch von Wölfen auch in Vorarlberg bekommen“, war Schatz überzeugt.

Er ist das immer noch. „Obwohl mir im vergangenen Kalenderjahr keinerlei Hinweise auf die Anwesenheit von Wölfen in Vorarlberg zugetragen wurden. Das hat mich doch überrascht. Und doch bin ich überzeugt

davon, dass wir in unserem Land bald wieder mit Wölfen Be­kanntschaft

machen werden“, betont Schatz.Ganz schön auf Trab hatten die Raubtiere zuvor einige Bauern in höher gelegenen Regionen gehalten. So gab es durch Wölfe gerissene Schafe im Klostertal und im Bregenzerwald. Es wurde eine Arbeitsgruppe Wolf im Land eingerichtet, versicherungsrechtliche Fragen wurden diskutiert und eine Reihe von Maßnahmen für den Umgang mit Wölfen im Land ins Auge gefasst.

Luchs ist im Wald

Während der Wolf Vorarlberg im abgelaufenen Jahr mit Abwesenheit bedachte, übernahm ein anderer Räuber dessen Vertretung: der Luchs. „Es gibt mittlerweile drei Luchse in freier Wildbahn. Sie leben in den Wäldern des Rätikons, vom Saminatal bei Feldkirch bis ins Montafon“, berichtet Schatz. Auch ihre räuberischen Spuren haben die Luchse bereits hinterlassen. „Sie haben schon circa zehn Stück Wild gerissen – Rehe und Gemsen“, belegt der Wildbiologe die Aktivitäten der Raubkatzen. Der große Unterschied zu den Wölfen: „Luchse interessieren sich nicht für Nutztiere, sie leben im Wald und holen sich dort ihre Nahrung.“

Langstreckenwanderer

Im Calanda-Tal bei Chur gehen den Graubündnern hingegen die Wölfe nicht aus. Das dortige Rudel pflanzt sich fleißig fort. „Wir hatten im Vorjahr wieder sechs Junge“, berichtet Dr. Georg Brosi, Leiter des Amtes für Jagd und Fischerei in Graubünden. Im ganzen Kanton halten sich derzeit laut Brosi bis zu 20 Wölfe auf. „Diese Situation ist nicht unproblematisch und wir behalten uns Abschussmaßnahmen vor, sollten wir große Probleme bekommen.“ Die Maßnahmen zum Schutz der Nutztiere sind in Graubünden sehr aufwendig. Unter anderem werden bei den Bauern im Calanda-Gebiet und Umgebung große Herdenhunde eingesetzt. „An die trauen sich die Wölfe nicht heran“, weiß Brosi. Der Nachteil: „Die riesigen Herdenhunde verschrecken auch Touristen. Daher haben wir beim Tourismus nun ein Problem“, erzählt der Amtsleiter.

Dass die nicht unbeträchtliche Wolfspopulation am Calanda durch wegziehende Jungwölfe bald auch in anderen Regionen ihre Spuren hinterlassen wird, ist sehr wahrscheinlich. Wölfe sind Langstreckenwanderer. Das beweist eines der vierbeinigen Raubtiere, das bereits in Vorarlberg sein Unwesen trieb. „Jener Wolf, der im Juli 2015 im Klostertal Schafe riss, kam aus dem Schweizer Kanton Uri und wurde im August in Bayern gesichtet. Im September befand er sich bereits im Dachsteingebiet. Danach verliert sich seine Spur“, erzählt Hubert Schatz.

Von den Wölfen fehlte 2016 jede Spur. Das bleibt nicht so.

Hubert Schatz