„Taha gehört zu unserer Familie“

25.01.2017 • 17:46 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Robert, Tochter Kathleen und Jenny (v. l.) mit Taha. Foto: VN/Hofmeister
Robert, Tochter Kathleen und Jenny (v. l.) mit Taha. Foto: VN/Hofmeister

Familie Bernecker aus Altach hat einen unbegleiteten Flüchtling bei sich zu Hause aufgenommen.

Altach. (VN-jun) Tee und Kekse stehen auf dem Küchentisch von Familie Bernecker. Mutter Jenny (50), Vater Robert (51) und Tochter Kathleen (23) sitzen beisammen. Teil der familiären Runde ist auch Taha Amiri (18), Flüchtling und Patenkind der Berneckers. Er lacht, scheint glücklich zu sein. Das war nicht immer so. Mit zwölf Jahren flüchtete Taha aus dem Iran – alleine, ohne seine Familie. In der Türkei arbeitete Taha in illegalen Kinderfabriken. In Mazedonien und Serbien sei er von Polizisten geschlagen und erpresst worden. Trotz all der Strapazen hat es Taha geschafft, Anfang 2015 in Traiskirchen anzukommen. Dort stellte er einen Asylantrag.

Wunsch nach Familie

Mit anderen unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen kam der damals 16-Jährige nach Feldkirch in das Haus David, eine betreute Wohngemeinschaft. Allerdings war Tahas Wunsch, Teil einer Familie zu sein und zu jemandem zu gehören, groß. Eine Patenfamilie zu finden, ist aber schwer. „Es melden sich einfach zu wenig Leute, die diesen Schritt wagen möchten“, sagt Isabella Böckle vom Pflegekinderdienst. Dieser sucht im Auftrag der Kompetenz Kinder- und Jugendhilfe Feldkirch engagierte Menschen, die bereit sind, einen Flüchtling zwischen zwölf und 17 Jahren bei sich aufzunehmen. Taha, der sich im Haus David als Ruhepol bewies, hatte Glück. Er fand bei Familie Bernecker aus Altach ein neues Zuhause. Sie ist eine von drei Patenfamilien in Vorarlberg. „Wir haben schon drei eigene Kinder großgezogen. Zwei davon sind bereits aus dem Haus, also hatten wir ein Zimmer frei. So kam es dazu, dass wir Taha bei uns aufgenommen haben“, erzählt Jenny.

Im Februar 2016 zog der Flüchtling zu Familie Bernecker. „Ich war zu Beginn etwas ängstlich und wollte nichts falsch machen“, erzählt Taha über die ersten Monate im neuen Zuhause. Auch Jenny und Robert erinnern sich an einen sehr schüchternen Jungen: „Er hat sich fast unsichtbar gemacht.“ Während Jenny die Mutterrolle einnahm, lernte Robert mit Taha für die Schule. Damals besuchte er gerade die Übergangsklasse in der HAK Feldkirch.

Gemeinsam viel erlebt

Nun wohnt Taha fast ein Jahr bei Familie Bernecker. „Es ist ein gutes Gefühl, eine Familie in Vorarlberg gefunden zu haben“, sagt er. Gemeinsam haben sie viel erlebt: Robert brachte Taha das Schwimmen bei, die Familie machte Ausflüge, feierte zusammen Weihnachten und Tahas 18. Geburtstag. „Er hat noch nie zuvor seinen Geburtstag gefeiert. Bei uns durfte er Freunde einladen und es gab Geschenke“, erzählt Jenny. Das größte Highlight für die Familie war aber, als Taha am 9. November 2016 einen Fremdenpass bekam. „Es ist ein tolles Gefühl, einen eigenen Pass zu haben. Damit bin ich das erste Mal legal auf dieser Welt“, sagt Taha.

Nun stehen für Taha die nächsten wichtigen Schritte an – der Pflichtschulabschluss und die Suche nach einer Lehrstelle. „Ich möchte gerne Elektriker werden“, lässt Taha wissen. Familie Bernecker unterstützt ihn, wo sie nur kann. „Die Entscheidung, einen Flüchtling bei uns zu Hause aufzunehmen, war eine Bereicherung für unser Leben.“

Patenfamilien gesucht! www.kinderdorf.cc/pflegekinderdienst oder 05522/82253-0