Furiose Amokfahrt im Rausch von K.-o.-Tropfen

26.01.2017 • 21:34 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
VN-Bericht vom 30. November 2015.
VN-Bericht vom 30. November 2015.

23-jähriger Angeklagter war bei wilder Flucht vor Polizei buchstäblich von Sinnen.

Feldkirch. Der junge Mann machte im November 2015 Schlagzeilen. Nach einem Verkehrsunfall in Sulz-Röthis und anschließender Flucht war er ins Visier einer Polizeistreife geraten. Doch weder Kelle noch Blaulicht beeindruckten den damals 21-jährigen Oberländer. Vielmehr drückte er aufs Gaspedal und floh mit seiner Freundin auf dem Beifahrersitz von dannen. Anhaltversuche der Beamten scheiterten gleich mehrmals. Schlussendlich jagten sechs Patrouillenfahrzeuge der Polizei den Burschen quer durch Rankweil bis nach Feldkirch.

Während der Flucht prallte sein Pkw gegen einen Landbus. Noch immer die Einsatzstreifen im Nacken, versuchte der Mann in einer wilden Raserei nach Gisingen zu entkommen. Die Polizei feuerte mehrmals mit Pistolen auf die Hinterreifen des Fluchtfahrzeugs, doch umsonst. Erst als sich die Polizei mit einem Dienstfahrzeug querstellte und ihm damit den weiteren Fluchtweg abschnitt, wurde die Situation für den Mann förmlich ausweglos. Ungeachtet dessen steuerte der Bursche ungebremst auf den Einsatzwagen zu und prallte frontal gegen dessen linke Seite. Die Polizeibeamten erlitten bei dem Aufprall ein Schleudertrauma. Der anschließend festgenommene Fluchtlenker stand unter Schock und wurde bewusstlos. Erst im Krankenhaus konnte er wiederbelebt werden.

14 Monate danach steht der heute 23-Jährige als Angeklagter vor Richter Martin Mitteregger. Der junge Mann erscheint in Arbeitskleidung und macht den Eindruck, als ob er kein Wässerchen trüben könnte. Verteidiger Clemens Achammer weist auf das ansonsten arglose Wesen und die Unbescholtenheit seines Mandanten hin: „Er ist vorher niemals aufgefallen und auch danach nicht.“ Und gleich eingangs betont der Anwalt: „Mein Mandant wird bei seiner Verantwortung bleiben.“

Die „fehlende Stunde“

Doch welche Verantwortung? Sie zu ergründen erweist sich selbst für das Gericht als recht diffizil. Denn der Beschuldigte spricht von einer klaffenden Erinnerungslücke und fragt sich dann schlussendlich doch: „Ich weiß nicht, ob ich mich schuldig bekennen soll.“ Da war damals das Lokal. Und ein Cola-Weizen-Getränk. Nur eines. „Jemand muss mir da K.-o.-Tropfen hineingeschüttet haben. Anders kann ich mir das nicht erklären. Denn danach fehlt mir einfach eine Stunde.“

Ein Alkoholtest ergab später den Wert von 1,24 Promille. Was sich der Angeklagte ebenfalls nicht zu erklären vermag. Jetzt spricht der Richter dem 23-Jährigen mit deutlichen Worten ins Gewissen: „Ich weiß nicht, was Sie damals geritten hat. Es war wirklich ein Wahnsinn, wie Sie da durchgebrettert sind! Da waren gleich mehrere Schutzengel mit unterwegs.“

Bedingte Haftstrafe

Der 23-Jährige ist schuldig der Vergehen des Widerstandes gegen die Staatsgewalt, der schweren Körperverletzung, der schweren Sachbeschädigung und Gefährdung der körperlichen Sicherheit. Nach der Verkündung des Urteils – sieben Monate Haft bedingt und 4500 Euro Geldstrafe – erbittet der junge Mann Bedenkzeit.

Lässt er sich in den nächsten drei Jahren nichts zuschulden kommen, bleibt ihm das Gefängnis erspart. Das wäre gut so. Denn er heiratet in zwei Monaten. Und zwar eben jene Freundin, die damals auf dem Beifahrersitz zitterte und schluchzte. 

Da waren gleich mehrere Schutzengel mit unterwegs.

Richter Martin Mitteregger