„Rhesi schafft Lebensraum“

Vorarlberg / 26.01.2017 • 20:19 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

Rauch sieht sich beim Jahrhundertprojekt mit Landeshauptmann im Gleichschritt.

Bregenz. Mit dem grenzüberschreitenden Hochwasserschutzprojekt Rhein, Erholung, Sicherheit (Rhesi) war der Umweltlandesrat am Donnerstag bei einer Podiumsdiskussion in Widnau konfrontiert. Vorab äußerte er sich im VN-Interview zum Thema. Nicht festlegen wollte sich Rauch auf die Frage, ob es nun zu den umstrittenen Dammabrückungen kommen wird. Grundsätzlich sieht er das Projekt gut auf Schiene und übt Kritik an Schweizer Umweltgruppen, die Einspruch gegen Testbohrungen zur Standortsuche für Trinkwasserbrunnen eingelegt hatten. Rauch hofft, dass noch heuer ein einreichfähiges Projekt vorliegt.

Der große Rhesi-Plan, sprich das Generelle Projekt, wird bald stehen. Worauf steuern wir zu?

Rauch: 125 Jahre nach Beginn der Rheinregulierung wird das ein Jahrhundertprojekt, das man in seinen positiven Auswirkungen auf das Rheintal nicht hoch genug einschätzen kann. Rhesi macht aus dem trennenden, toten Kanal einen grenzüberschreitenden Lebens- und Erholungsraum.

Rhesi ist primär ein Hochwasserschutzprojekt. Um wie viel sicherer wird es das Rheintal machen?

Rauch: Sehr viel sicherer, weil das Fassungsvermögen des Flussbettes massiv ausgeweitet wird. Der Fluss bekommt den Platz, den er im Hochwasserfall braucht; die Gefahr, dass er sich diesen unkontrolliert einfach nimmt, sinkt deutlich. Davon profitieren vor allem Menschen, Gemeinden und Betriebe, die nah am Rhein liegen.

Umwelt- und Naturschutzgruppen sehen Rhesi als Jahrhundertchance für eine nachhaltige Ökologisierung des Rheins und seiner Umgebung. Wie sehr favorisieren Sie eine großzügige Lösung mit Dammabrückungen bei Koblach und Fußach?

Rauch: Die Richtung, in die das geht, stimmt. Es müssen die unterschiedlichsten Interessen unter einen Hut gebracht werden. Das ist nicht einfach. Die Landwirtschaft hat sicher Schmerzen, weil die Rheinvorländer als Bewirtschaftungsflächen wegfallen. Andererseits ist eine – maßvolle – Aufweitung vor allem an der Frutzmündung zentraler Bestandteil des Projekts, damit die ökologischen Anforderungen erfüllt werden. Für den dadurch gewonnenen Lebens- und Erholungsraum werden uns kommende Generationen dankbar sein.

Wie stark sind Sie in den laufenden Prozess eingebunden?

Rauch: Der Landeshauptmann und ich sind in der politischen Steuerungsgruppe vertreten. Wir sprechen da mit einer Stimme und sind uns über die Richtung einig. Ich bin sehr froh, dass Wallner klar zum Projekt steht.

Was hat Ihnen an der bisherigen Konzeptentwicklung im Rahmen von Rhesi gefallen, was nicht?

Rauch: Was zählt, ist das Ergebnis am Ende. Klar geht es bei einem so großen Projekt mit so vielen zum Teil gegensätzlichen Interessen manchmal vor und dann wieder einen Schritt zurück. Die Projektentwickler machen das aber in meinen Augen sehr gut und mit der notwendigen Sorgfalt.

Wie läuft die Kommunikation mit den Schweizer Verantwortlichen auf allen Ebenen?

Rauch: Man ist an einem postiven Ergebnis interessiert, und zwar auf beiden Seiten. Die Arbeit ist konstruktiv und vom gemeinsamen Willen getragen, das Projekt in die Realisierung zu bekommen.

Können Sie dem von vielen Seiten kritisierten Einspruch von Schweizer Umweltgruppen gegen die Testbohrungen zur Standortsuche für Trinkwasserbrunnen etwas abgewinnen?

Rauch: Ich halte das ehrlich gesagt für überzogen. Man muss schon das Ganze im Auge behalten. Die Lösung, die sich abzeichnet, halte ich für einen umsetzbaren Kompromiss. Wenn der Fluss die gesamte Breite zwischen den Außendämmen bekommt und mindestens eine, besser zwei Aufweitungen kommen, dann muss man aus Sicht der Umwelt diese Chance ergreifen und Ja sagen.

Der Konflikt zwischen Landwirtschaft und Öko-Gruppen scheint unlösbar. Wie können Sie als Umweltlandesrat hier ausgleichend einwirken?

Rauch: Jeder Konflikt ist zu lösen, aber nicht alle Seiten sind gleichermaßen zufriedenzustellen. Am Ende wird es eine politische Entscheidung darüber brauchen, mit welchem konkreten Projekt an den Start, sprich: in die Verfahren gegangen wird. Ich für meinen Teil sehe Chancen, überwiegende Zustimmung von allen Seiten zu bekommen.

Ist man sich innerhalb der Landesregierung über die Rhesi-Planung einig? Konkret: Sie und Kollege Erich Schwärzler?

Rauch: Davon kann man ausgehen, wenn der sich abzeichnende Kompromiss zustande kommt.

Was auch immer kommt: Gehen Sie von einer konkreten Inangriffnahme des Projekts noch heuer aus?

Rauch: Ich hoffe sehr, dass noch heuer ein einreichfähiges Projekt vorliegt. Aus meiner Sicht sind alle möglichen Varianten so genau geprüft, dass die notwendigen Entscheidungen fallen können. Darauf hat man viel Zeit und Sorgfalt verwendet – jetzt sollte gehandelt werden.

Ich hoffe, dass noch heuer ein einreichfähiges Projekt vorliegt.

Johannes Rauch