Johannes Huber

Kommentar

Johannes Huber

Akademiker, arbeitslos

27.01.2017 • 18:24 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Die alte Gesetzmäßigkeit, dass höhere Bildung einen ordentlichen Job garantiere, gilt nicht mehr. Während die Arbeitslosigkeit insgesamt zurückgeht, gibt es ganz besonders bei einer Gruppe eine gegenläufige Entwicklung. Und zwar ausgerechnet bei den Hochschulabsolventen. Das zeigt die aktuelle AMS-Statistik. Im Osten der Republik sind die Zuwachsraten zweistellig, in Wien betrugen sie zuletzt elf Prozent.

 

Und auch wenn die Gesamtzahl von 18.840 im Dezember noch immer verhältnismäßig klein sein mag, handelt es sich um ein Alarmsignal.

Das sollte man zumindest annehmen können. In der Politik angekommen ist es jedoch noch nicht. Kanzler Christian Kern (SPÖ) hat sich gerade den Älteren zugewendet; wer über 50 ist, soll demnach eine Beschäftigungsgarantie erhalten. Das Problem der Jugendarbeitslosigkeit glaubt die Regierung bereits gelöst zu haben; und zwar durch eine Ausbildungsgarantie. Das jedoch ist ein Irrtum, wie sich nun zeigt: Wenn selbst Akademiker keine Stelle mehr finden, dann ist Bildung allein zu wenig.

 

Die Gründe liegen auf der Hand. Da ist zunächst einmal der Aufnahmestopp im öffentlichen Dienst. Wenn man bedenkt, dass Bund, Länder und Gemeinden eine Viertelmillion Mitarbeiter beschäftigen und ein überdurchschnittlich hoher Teil davon Doktor, Magister bzw. Bachelor oder Master ist, dann erahnt man, wie wichtig dieser Arbeitsmarkt für die Uni-Absolventen wäre. Dass in der Verwaltung gespart werden muss, liegt jedoch auf der Hand. Also können die nötigen Arbeitsplätze auch nicht dort angeboten werden.

 

Umso bedeutender wäre die Privatwirtschaft; die anhaltende Flaute sorgt aber auch dort für einen allzu bescheidenen Stellenmarkt.

 

Die Konsequenzen daraus wären vielfältig: Würde sich die Politik mit einem ähnlichen Eifer um die Ankurbelung der Konjunktur bemühen, wie sie ihn bei Fragen der Sicherheit zumindest nach außen hin demonstriert, wäre schon viel erreicht.

Außerdem könnte sie bürokratische, steuerliche und sozialversicherungsrechtliche Hürden beseitigen, die einer Selbstständigkeit im Weg stehen; das würde die Start-up-Kultur beleben. Und schließlich ist natürlich auch jeder Student selbst gefordert, sich erstens gut zu überlegen, welches Fach er wählt, und zweitens flexibel zu sein; Beamter oder Vertragsbediensteter im öffentlichen Dienst zu werden, ist jedenfalls kein erfolgversprechendes Berufsziel mehr.

Im Osten der Republik sind die Zuwachsraten zweistellig, in Wien betrugen sie zuletzt elf Prozent.

johannes.huber@vn.at
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