Blick ins Reagenzglas ist wie ein Blick in die Seele

Vorarlberg / 27.01.2017 • 21:53 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Manuela Kuntner mit Reagenzgläsern voller Abwasserproben.  Fotos: VN/Hartinger
Manuela Kuntner mit Reagenzgläsern voller Abwasserproben. Fotos: VN/Hartinger

Was die Abwässer über die Lebensgewohnheiten der Vorarlberger aussagen.

Bregenz.  Im Wasser liegt die Wahrheit. Oder besser im Abwasser. Das wissen die Experten des Umweltinstituts Vorarlberg nur allzu gut. Und verstecken lässt sich vor den Spezialisten nichts. Denn: Die ins Kanalsystem gelangenden Abwässer können mit modernen analytischen Methoden selbst ein Billionstel Gramm von Spurenstoffen in einem Liter Wasser zum Vorschein bringen. Die Stoffe erzählen Geschichten über die Vorarlberger. Wie sie leben, welche Leiden sie haben, welche Süchte.

„Wenn man heutzutage oft erfährt, von welchen Stoffen wir Rückstände im Abwasser finden, dann ist das eigentlich nichts wirklich Neues. Neu ist nur, dass wir mit den modernen Untersuchungstechniken halt alles nachweisen können“, erklärt Dietmar Buhmann (59), Leiter des Umweltinstituts in der Bregenzer Montfortstraße.

Für die Bürger

Die 80 Mitarbeiter des Vorarlberger Umweltinstituts arbeiten im Rahmen eines gesetzlichen Auftrages. Konkret auf Basis des Umweltgesetzes, des Lebensmittelgesetzes, der Gewässeraufsicht und der Luftgüteüberwachung. Auf einer anderen Ebene sind es spezielle Projekte, in die das Institut mit anderen Einrichtungen eingebunden wird. Das können zum Beispiel Tätigkeiten im Rahmen eines vorsorgenden Umweltschutzes sein.

Dazu kommen Amtssachverständigengutachten und Bürgerservice. „Bürger kommen vorbei und wollen gewisse Stoffe untersucht haben. Oft müssen wir auch bei Nachbarschaftsstreitigkeiten analysieren. Wenn zum Beispiel ein Nachbar dem anderen unterstellt, er habe im Schadstoffe in seinen Grund getan“, erklärt Christoph Scheffknecht (52), Leiter der Umweltanalytik“, mit einem Schmunzeln

Suche nach Drogen

Über die Lebensgewohnheiten und Befindlichkeiten der Vorarlberger sagen die untersuchten Abwässer am meisten aus. „Wir stellen Spuren von Medikamenten fest. Wir wissen wie viele cholesterinsenkenden Medikamente, wie viele Schmerzmittel, Psychopharmaka, Antibiotika oder Antidepressiva die Vorarlberger verwenden. Die Ergebnisse liefern Stoffmuster. In den Abwässern spiegelt sich die Gesellschaft wider“, erzählt Buhmann.

Im Zuge eines speziellen Projektes untersuchten die Wissenschaftler auch schon den Kokainkonsum im Ländle. „Auffälligkeiten gab’s dabei nicht, aber natürlich konnten wir die Substanz in den Abwässern nachweisen“, sagt Dietmar Buhmann.

Auf Kokain und andere Drogen spezialisiert hat sich im Rahmen eines europäischen Schwerpunktprojekts die Stadt Innsbruck. Dort wissen die Verantwortlichen genau, was wann und in welchem Ausmaß an illegalen Substanzen in der Olympiastadt konsumiert wird. Und die Polizei weiß es auch.

Chemiker Christoph Scheffknecht kann bei der Abwasseranalyse auf modernste Technologie zurückgreifen.
Chemiker Christoph Scheffknecht kann bei der Abwasseranalyse auf modernste Technologie zurückgreifen.
Den Spezialisten im Umweltinstitut entgeht nichts.
Den Spezialisten im Umweltinstitut entgeht nichts.

Fakten Umweltinstitut

» 3500 Inspektionen und Vor-Ort-Kontrollen jährlich

» 1300 Gutachten in Behördenverfahren jährlich

» 6000 Umwelt- und Lebensmittelproben jährlich

» 2 Millionen Kubikmeter Luft-Online-Messungen jährlich

» Vorarlberger Kläranlagen reinigen täglich 150 Millionen Liter Abwasser