„Eine Katastrophe für den Siegfried“

27.01.2017 • 17:14 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Siegfried Pleschiutschnig leidet an einer schweren Krankheit, darum suchen er und seine Frau Dolores eine andere Wohnung.  FOTO: HRJ
Siegfried Pleschiutschnig leidet an einer schweren Krankheit, darum suchen er und seine Frau Dolores eine andere Wohnung. FOTO: HRJ

Schwerkranker braucht Wohnung. Ehepaar fühlt sich von Gemeinde im Stich gelassen.

Heidi Rinke-Jarosch

hörbranz. „Ich bin am Ende. Ich stehe kurz vor einem Burn-out.“ Dolores Pleschiutschnigs Stimme zittert. Die 56-jährige Friseurmeisterin fühlt sich seitens der Gemeinde Hörbranz „nicht gut behandelt“ und obendrein „im Stich gelassen“. Zudem habe sich der Zustand ihres Mannes verschlechtert.

Ihr Mann, der 64-jährige Frühpensionist Siegfried Pleschiutschnig, sitzt mit gesenktem Kopf neben Dolores am Küchentisch und atmet schwer. Er leidet an COPD, Stadium 4. COPD ist die Abkürzung für „chronic obstructive pulmonary disease“ und heißt auf Deutsch „chronisch obstruktive Lungenerkrankung“ – auch „Raucherlunge“ genannt. Eingefangen hat er sich dieses Leiden vor etwa 15 Jahren während seiner insgesamt fast 30-jährigen Tätigkeit als Rauchfangkehrer. Mittlerweile wurde er frühpensioniert – mit 80 Prozent Behinderung – und die Erkrankung hat das Endstadium erreicht. Die Lungenfunktion liegt nun bei unter 30 Prozent. Das bedeutet Lebensgefahr.

Es gibt keinen Lift

Es ist die schwierige Wohnsituation, die ihn und Dolores verzweifeln lässt. Seit etwa 30 Jahren wohnt das Ehepaar im zweiten Stock eines Mietshauses der Gemeinde. Eine schöne Wohnung, groß genug und für die beiden gerade noch erschwinglich. Aber es gibt keinen Lift. Für Siegfried ist das eine Katastrophe. Stiegen steigen ist für ihn so mühsam geworden, dass er die Wohnung nur noch selten verlässt.

Im Oktober 2014 suchten die Pleschiutschnigs bei der Gemeinde Hörbranz um einen Wohnungswechsel an. Das neue Domizil muss Siegfrieds Bedürfnissen entsprechen. Das steht auch in der Bestätigung des Facharztes Dr. Gerhard Köberl: „Aus lungenfachärztlicher Sicht ist aufgrund der bestehenden Lungenerkrankung eine Wohnung im Erdgeschoß zu befürworten. Das Bewältigen von zwei oder drei Stockwerken ist mit Atemnot verbunden und verschlechtert die Symptomatik.“ Aufgrund seines Gesundheitszustands wurden Siegfried und seine Frau „ganz oben“ auf die Liste der Hörbranzer Wohnungssuchenden gesetzt, die barrierefreien bzw. betreubaren Wohnraum benötigen.

Von Anfang an haben die Pleschiutschnigs konkrete Wünsche geäußert: Zuerst begehrten sie eine Wohnung im neuen betreubaren Wohnprojekt Heribrandstraße. Dann erfuhren sie von der Errichtung einer barrierefreien Wohnanlage in der Hochstegstraße und forderten eine definitive Zusage, dort einziehen zu können. Nachdem sich beide Objekte noch im Bau befinden und die Wohnungen noch gar nicht existieren, konnte dem Ehepaar noch keine definitive Zusage erteilt werden. Dafür haben Dolores und Siegfried jedoch kein Verständnis. Dazu kommt, dass eine in der Nachbarschaft frei gewordene ebenerdige Wohnung nicht ihnen, sondern anderen Mietern zugeteilt wurde. All das nennt Dolores den VN gegenüber „Schikane der Gemeinde. Wir werden dort als Bittsteller behandelt.“ Ihr gehe es vor allem darum, für ihren Mann eine lebenswerte Zukunft zu sichern.

Vorwürfe nicht gerechtfertigt

Mit ihren Vorwürfen gegen die Gemeinde wandte sich Dolores per E-Mail an mehrere Stellen im Land. Ihr wurde mitgeteilt, dass die Wohnungsvergabe Angelegenheit der Gemeinden sei. Daraufhin steckte der Hörbranzer Gemeindechef Karl Hehle harsche Kritik seitens der Pleschiutschnigs ein. Hehle weist die Vorwürfe als „nicht gerechtfertigt“ zurück. Er stellt klar: „Eine definitive Zusage für eine bestimmte Wohnung kann erst dann gegeben werden, wenn sie fertiggebaut ist.“ Das Wohnprojekt Heribrandstraße wird laut Homepage-Information des Bauherrn – der Vogewosi – voraussichtlich im Herbst 2017 fertig, die Anlage in der Hochstegstraße könnte bereits im Sommer bezugsbereit sein.

Angebote abgelehnt

Im Übrigen habe die Gemeinde dem Ehepaar Pleschiutschnig zwischenzeitlich zwei Parterrewohnungen – eine davon ist eine Notwohnung – angeboten, sagt Hehle zu den VN. „Aber beide wurden abgelehnt.“ Bei der einen gebe es weder eine Tiefgarage noch Behindertenparkplätze, rechtfertigt Dolores die Absage. Überdies seien vom Parkplatz bis zur Wohnung über 300 Meter zu Fuß zurückzulegen. „Das kann Siegfried nicht“, sagt Dolores. „Und im Hausgang stinkt es fürchterlich nach Heizöl“, fügt sie hinzu. Die Wohnung selbst habe sie noch nicht besichtigen können, weil sie belegt sei.

Die Entscheidung, die Notwohnung der Gemeinde auch nicht vorübergehend in Anspruch zu nehmen, argumentiert Dolores mit finanziellen Problemen: „Zwei Umzüge – also jetzt in die Notwohnung und dann in das neue Objekt – können wir uns nicht leisten.“ Jetzt befürchtet sie, nach den Absagen nicht mehr auf der Liste zu stehen. „Ich bin aber nicht mehr fähig, selbst bei der Gemeinde nachzufragen.“ Das haben die VN übernommen.

Bürgermeister Hehle antwortete: „In Berücksichtigung von Herrn Pleschiutschnigs schwerer Erkrankung stehen er und seine Frau weiterhin ganz oben auf der Liste.“ Und er versichert: „Das Problem wird noch in diesem Jahr gelöst.“

Eine definitive Zusage für eine Wohnung kann erst dann gegeben werden, wenn sie fertiggebaut ist.

Karl Hehle