Lernort aus Schule verlagert

27.01.2017 • 17:40 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Direktorin Gabriele Dünser (l.) und Mittelschullehrer Walter Gohli (r.) mit den Schülern Sude Erarslan und Paul Luschnig. Fotos: vn/Paulitsch
Direktorin Gabriele Dünser (l.) und Mittelschullehrer Walter Gohli (r.) mit den Schülern Sude Erarslan und Paul Luschnig. Fotos: vn/Paulitsch

Lernen außerhalb der Klassenzimmer: Viel beachtete Schulprojekte in Lauterach.

Lauterach. „Wir haben viel über unsere Gemeinde gelernt“, sagen Paul Luschnig (12) und Sude Erarslan (13). Die beiden Mittelschüler haben den Wandel Lauterachs dokumentiert. Wo einst ein Bahnwärterhäuschen stand, sind jetzt weitläufig Gleisanlagen zu sehen. Es ist nur ein Beispiel von vielen. Die ganze Klasse hat im Projektfach „Medien und Kommunikation“ (MUK) das alte mit dem neuen Lauterach verglichen und aufgearbeitet. In einer Broschüre sind die Arbeiten festgehalten.

Seit zwölf Jahren wird in Lauterach der Lernort regelmäßig aus der Schule verlagert. Die Schulprojekte sind viel beachtet. Initiator ist Walter Gohli (56). Der Lehrer, selbst Historiker und Fremdenführer, hat 2005 den Anstoß gegeben. Straßennamen in Bregenz standen im Mittelpunkt. Schüler hatten ihre Bedeutung und Entstehung bei Rundgängen erklärt. Eine andere Arbeit hat sich mit der Entwicklung der Landeshauptstadt beschäftigt. Ihr Wandel wurde von Schülern aufgearbeitet. Bilder zeigen etwa, wie einst eine Holzbrücke als Verbindung zwischen Lauterach und Bregenz diente. Daneben: die aktuellen Ansichten. „Metamorphose einer Stadt“ ist eines von zahlreichen Beispielen, wie Unterricht auch sein kann. Zuletzt haben sich die Mittelschüler mit alten Gebrauchsgegenständen wie Klöpflar und Kluppa auseinandergesetzt. „Man erhält Einblicke, wie die Leute früher gelebt haben“, so Sude Erarslan. Die Projektarbeiten würden viel Abwechslung in den Schulalltag bringen, ergänzt Paul Luschnig.

Lohnender Ressourceneinsatz

Möglich ist diese Abwechslung dank Schulautonomie. Als Pilotschule stand in Lauterach der fächerübergreifende Unterricht im Fokus. Mit dem Unterrichtsfach „Medien und Kommunikation“ wurde die Voraussetzung für solche Projektarbeiten geschaffen. Zwei Stunden am Stück, zwei Lehrer pro Klasse. „Das ist natürlich ein großer personeller Aufwand. Aber es sind gut investierte Ressourcen“, sagt Gabriele Dünser, Direktorin der Schule. Dünser ist stolz auf das Team. Es hänge viel an den Ideen der Lehrer, etwas zu machen, das nicht an das Klassenzimmer gebunden sei, und so wird eben der Lernort nach draußen verlegt.

Möglich ist das nur durch viel Engagement. Da wird auch Freizeit geopfert. „Aber wir profitieren ja auch von solchen Projekten“, schränkt Walter Gohli ein. So lerne man selbst auch mit jeder Arbeit wieder etwas dazu.

Vom Ministerium gefördert

Am Anfang steht die Idee. „Und die Ideen gehen uns so schnell nicht aus“, sagt Gohli. Dann werden die Projekte zur Finanzierung eingereicht. Im Bildungsministerium wird über die Verteilung der Mittel entschieden. Bisher seien alle Konzepte auf Zustimmung gestoßen. Auch das nächste Projekt ist bereits in trockenen Tüchern. So werden sich die Schüler mit altem Handwerk beschäftigen.

Gut drei Monate, so der Pädagoge, werde jetzt intensiv am Thema gearbeitet. „So ein Projekt verlangt den Schülern mehrere Fähigkeiten ab. Sie müssen recherchieren, Texte erstellen und dann die Arbeiten vor Publikum präsentieren.“ Wichtig ist Gohli auch die fachliche Qualität. Es müsse schon stimmen, was die Schüler erarbeiten. Deshalb werden bei der Umsetzung auch externe Experten mit einbezogen. Historiker wie Meinrad Pichler, Stadtarchivar Thomas Klagian oder Sagenspezialist Franz Elsensohn haben den Schülern bereits unter die Arme gegriffen. Auch das macht diese Projekte außergewöhnlich.

Die Projektarbeiten fordern den Schülern mehrere Fähigkeiten ab.

Walter Gohli, Lehrer
Die alte hölzerne Brücke wurde erstmals 1517 errichtet. Im Haus davor wurde der Brückenzoll eingehoben, der für Waren, die für den Markt in Bregenz bestimmt waren, viel niedriger war als für Transitwaren. Die Holzbrücke wurde 1915/16 durch eine Betonbrücke ersetzt, die am Ende des Zweiten Weltkrieges gesprengt wurde.

Die alte hölzerne Brücke wurde erstmals 1517 errichtet. Im Haus davor wurde der Brückenzoll eingehoben, der für Waren, die für den Markt in Bregenz bestimmt waren, viel niedriger war als für Transitwaren. Die Holzbrücke wurde 1915/16 durch eine Betonbrücke ersetzt, die am Ende des Zweiten Weltkrieges gesprengt wurde.

Die Schulprojekte dokumentieren eindrucksvoll den Wandel von Bregenz und Lauterach. Die VN werden eine Auswahl der Arbeiten in den nächsten Wochen auf den Lokalseiten abdrucken.