„Man muss nach vorne sehen“

Vorarlberg / 27.01.2017 • 18:28 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Dennis mit seiner Familie und dem dreifach gebrochenen Unfallhelm, der ihm das Leben rettete. Foto: VN/rp
Dennis mit seiner Familie und dem dreifach gebrochenen Unfallhelm, der ihm das Leben rettete. Foto: VN/rp

Dennis Hämmerle – ein junger Mann aus Lustenau – möchte mit seinem Schicksal anderen Mut machen.

Lustenau. (VN-kum) Seit dem 28. Juli 2016 brennt bei den Hämmerles im Wohnzimmer Tag und Nacht eine Kerze. „Sie brennt nicht nur für unsere Familie, sondern für alle, die ein schweres Schicksal erlitten haben“, erklärt Jasmin Hämmerle (44). Der 28. Juli war ein Schicksalstag für ihre Familie. An diesem Hochsommertag verunglückte Sohn Dennis auf der Langener Straße in Bregenz.

Auf Spitz und Knopf

Er krachte mit seinem Motorrad in die Leitschiene und erlitt dabei lebensgefährliche Verletzungen. Jasmin wäre an dieser Tragödie fast zerbrochen. „Ich glaube nicht, dass ich es verkraftet hätte, wenn ich mein Kind verloren hätte.“ Jeden Morgen wacht die Mutter mit Dankbarkeit im Herzen auf. „Ich danke der höheren Macht, dass sie mir das Kostbarste auf dieser Welt nicht genommen hat.“

Es stand auf Spitz und Knopf um den damals 20-Jährigen. „Die Notärztin war sich nicht einmal sicher, ob er den Flug mit dem Rettungshubschrauber ins Landeskrankenhaus überlebt“, erinnert sich Dennis’ Schwester Melissa (22). Sie befand sich damals am Unfallort, „weil meine Eltern gerade in Kuba im Urlaub waren“. Bis ihre Eltern wieder da waren, wurde Melissa vom Kriseninterventionsteam unterstützt. „Dafür bin ich heute noch dankbar.“

Dennis, der bei dem Unfall unter anderem schwerste Kopfverletzungen davontrug, kann sich an den schicksalsschweren Tag nicht mehr erinnern. „Es ist alles wie ausgelöscht.“ Er kam erst sieben Wochen später zu Bewusstsein. „Weder wir noch die Ärzte wussten, ob er je wieder aufwacht“, erzählt die Mutter, die deswegen viele Tränen vergoss.

Alles wurde wieder gut

Jede Regung, die Dennis im Koma machte, war ein Highlight für die Familie. Melissa weiß noch, „wie jedes Blinzeln uns hoffen ließ, dass er bald wach wird“. Vater Andreas war besonders optimistisch. Zu seiner Frau meinte er: „Du wirst sehen, zu Weihnachten rennt Dennis wieder daheim herum.“ Auch Jasmin spürte tief in sich, „dass mit unserer Liebe alles gut werden wird“. Und es wurde gut. Nachdem Dennis zu sich gekommen war, war auch schnell klar, dass er nicht – wie zunächst befürchtet – schwerbehindert bleiben wird. Sein Geist wurde allmählich wieder klar.

Mit der Zeit lernte Dennis, der im Koma von 83 auf 50 Kilo abgemagert war, auch wieder sprechen. Und die Beine trugen ihn ebenfalls bald wieder. Ohne zu jammern kämpfte sich der junge Mann zurück ins Leben. „Man darf nicht aufgeben und sollte den Mut und die Hoffnung nie verlieren, auch wenn es düster ausschaut. Man muss nach vorne schauen und kämpfen“, möchte Dennis all jenen sagen, die einen ähnlichen Schicksalsschlag erleiden bzw. erlitten haben.

Viele Pläne für die Zukunft

Der 21-Jährige ist dankbar, dass er noch lebt und wieder eine Zukunft hat. Er ist jung und hat noch viel vor. Irgendwann möchte er eine Familie gründen. „Mir schweben zwei Kinder vor.“ Sein größtes Ziel derzeit: „Ich möchte wieder als Tischler arbeiten.“ Noch ist seine rechte Körperhälfte leicht beeinträchtigt. Im Rücken und im Oberarm plagen ihn Schmerzen. Aber Dennis lässt sich deswegen nicht unterkriegen. Längst trainiert er wieder regelmäßig im Fitnessstudio, so wie vor dem Unfall, als er noch erfolgreich an Motocross-Rennen teilnahm.

Der Traum von Rennen

Zahlreiche im Wohnzimmer aufgestellte Pokale zeugen von seinem fahrerischen Können. Im Geiste sieht sich Dennis, der schon seit seinem sechsten Lebensjahr Rennen fährt, bereits wieder auf der Piste. Aber auch wenn das ein Traum bleiben sollte, der junge Mann könnte es verschmerzen. Schließlich hat das Leben noch viel mehr zu bieten. Heute macht ihn schon ein Spaziergang im Ried glücklich.

Man darf nicht aufgeben und den Mut und die Hoffnung nie verlieren, auch wenn es düster ausschaut.

Dennis Hämmerle