Mordversuch nach dem missglückten Überfall

27.01.2017 • 21:35 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Dringend tatverdächtig: Mitglieder der „Osmanen Germania“. vol.at
Dringend tatverdächtig: Mitglieder der „Osmanen Germania“. vol.at

Erfolgreiche Polizeiaktion gegen organisierte Kriminalität der „Osmanen Germania“.

Bregenz, Feldkirch. Die Vorarlberger Polizei hat bereits am Donnerstag vergangener Woche fünf Männer und eine Frau festgenommen, die entweder Mitglieder der rockerähnlichen Gruppierung „Osmanen Germania“ sind oder dieser nahestehen. Drei der Festgenommenen gestanden einen versuchten Überfall auf einen Mann in Feldkirch im Oktober 2016 (die VN berichteten).

Die drei türkischstämmigen Männer im Alter von 33 bis 38 Jahren hatten den Tipp, in das Haus des Mannes in Feldkirch einzubrechen, von einer 23-jährigen Österreicherin erhalten. „Sie kannte den Besitzer des Hauses und hatte die Information, dass im Haus etwas zu holen ist“, führte Norbert Schwendinger vom Landeskriminalamt am Freitag in Bregenz aus. Die Männer kundschafteten das Haus aus und fuhren in der Nacht auf den 21. Oktober nach Feldkirch mit der Absicht, „den Mann zu überfallen und auch durch Drohung mit Waffengewalt zur Herausgabe von Bargeld und Wertgegenständen zu nötigen“. Entsprechend maskiert versuchten sie mit einer Brechstange die Terrassentür des Gebäudes aufzubrechen. Dabei bemerkten sie, dass der Hausbewohner zu Hause war, weil dieser das Licht im gesamten Haus einschaltete und laut um Hilfe rief.

Einer der Männer versuchte noch den Mann einzuschüchtern, indem er mit einer Neun-Millimeter-Pistole gegen die Glasscheibe klopfte. Als dies keinen Erfolg zeigte, flüchtete das Trio auf einer Nebenstraße.

Couragierter 40-Jähriger

Dort wurde ein damals 40-jähriger Feldkircher, der gegen 1 Uhr mit seinem Auto nach Hause kam, auf einen der Männer aufmerksam, der sich hinter einem Gebüsch versteckte. Er stieg aus und sprach den Mann an, der daraufhin auf eine nahegelegene Wiese flüchtete. Der mittlerweile 41-Jährige entdeckte dort – wie er glaubte – denselben Verdächtigen. Als er ihn noch einmal ansprechen wollte, schoss dieser auf ihn, verfehlte den Mann allerdings. Danach feuerte der Täter noch zwei weitere Schüsse in die Richtung des Mannes ab, der kurz darauf die Polizei verständigte. „Das Opfer hatte großes Glück, dass es nicht getroffen wurde“, stellte Schwendinger fest. Die Schüsse hatte ein 36 Jahre altes Mitglied der „Osmanen Germania“ abgegeben. Das sei einwandfrei geklärt, der Mann sei mittlerweile geständig, sagte der Kriminalbeamte. Die Waffe stammt von einem der Mittäter. Dieser hatte sie von einem Besuch in der Türkei mitgebracht. Auf den Zusammenhang zwischen den beiden Taten und mit den „Osmanen Germania“ war die Polizei im Zuge umfangreicher Ermittlungen gestoßen.

Rauschgiftdeals

Festgenommen wurden in einer koordinierten Großaktion am 19. Jänner schließlich fünf Männer und eine Frau. Neben Mord- und Raubversuch werden allen sechs Verdächtigen auch Verbrechen nach dem Suchtmittelgesetz vorgeworfen. Konkret sollen die sechs im Rahmen der „Osmanen Germania“ vor allem Kokain nach Vorarlberg geschmuggelt, hier verkauft und auch besessen haben, konkretisierte Peter Gruber, Ermittlungsbereichsleiter Suchtmittelkriminalität am LKA.

Fünf der sechs Festgenommenen, die in Vorarlberg in der Gegend „von Lustenau über Feldkirch bis nach Frastanz lebten“, wurden in die Justizanstalt Feldkirch eingeliefert. Über sie wurde Untersuchungshaft verhängt. Ein weiterer Beschuldigter, der nicht unmittelbar an dem Raubversuch beteiligt war, wurde auf freiem Fuß angezeigt.

Das Opfer hatte Glück, dass es nicht getroffen wurde.

Norbert Schwendinger
Dringend tatverdächtig: Mitglieder der „Osmanen Germania“. vol.at
Dringend tatverdächtig: Mitglieder der „Osmanen Germania“. vol.at
VN-Bericht vom 22. Oktober 2016.
VN-Bericht vom 22. Oktober 2016.

Stichwort. Osmanen Germania

Die „Osmanen Germania“ sind eine rockerähnliche Gemeinschaft, die vor allem Personen mit Migrationshintergrund aus der Türkei anspricht. Einen eigenen Chapter gibt es in Vorarlberg nicht, im Sommer 2016 gab es eine Vollversammlung in Lindau – und davor ein Führungstreffen in Frastanz. Sie gelten als gewaltbereit. Zudem steht die Vorarlberger Gruppierung, die laut Philipp Stadler vom LKA „aus einer Handvoll“ meist türkischstämmiger Männer besteht, in engem Austausch mit ihren süddeutschen Kollegen. „Wir versuchen diese im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten unter Kontrolle zu halten“, erklärte Stadler. Alle Rocker- und rockerähnlichen Gruppierungen in Vorarlberg stünden unter verstärkter Beobachtung.