Vor der Haustüre sollte genug Platz für alle sein

27.01.2017 • 17:39 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Alten Menschen genügend Freiraum zu verschaffen, das ist Edith Zitz ein vorrangiges Anliegen bei ihrer Arbeit. Foto: dpa
Alten Menschen genügend Freiraum zu verschaffen, das ist Edith Zitz ein vorrangiges Anliegen bei ihrer Arbeit. Foto: dpa

Diversitätsfachfrau Edith Zitz sucht im öffentlichen Raum Vielfalt für Jung und Alt.

bregenz. (VN-mm) Ihr Handwerkszeug sind Block, Kamera und Bleistift. „Der funktioniert bei jedem Wetter“, merkt Edith Zitz (51) erklärend an. Das braucht es, hält sie sich doch vorwiegend draußen auf, und das sowohl bei Tag wie bei Nacht. Denn der Arbeitsplatz der Steirerin ist der öffentliche Raum. Ihr Anliegen als Diversitätsfachfrau: Diesen Raum so vielfältig wie möglich zu gestalten, damit sich Jung und Alt dort gleichberechtigt und sorglos bewegen können. Dabei hat Zitz vor allem die Bedürfnisse der Senioren im Auge. „Im Alter uneingeschränkt unterwegs sein zu können, bedeutet für diese Menschen eine hohe Lebensqualität“, weiß sie aus ihrer Beschäftigung. Dieser Tage weilte Edith Zitz auf Einladung der Grünen zu einem Vortrag zu diesem Thema in Vorarlberg. Sie selbst vertrat ebenfalls die Grünen lange Zeit im steiermärkischen Landtag.

Auf Möblierung schauen

Diversität heißt Vielfalt. Edith Zitz hat sich der Suche nach dieser Vielfalt verschrieben. Für Gemeinden, Städte und andere Auftraggeber ist sie unterwegs, um der Ausgestaltung des öffentlichen Raums auf die Sprünge zu helfen. Und da gibt es viel, was nicht passt, speziell in der Möblierung. „Holzpaletten als Sitzgelegenheit schauen zwar gut aus, ab einem gewissen Alter oder bei körperlichen Einschränkungen werden sie jedoch unbrauchbar“, nennt Zitz ein Beispiel. Die logische Schlussfolgerung: Es müssen unterschiedliche Sitzgelegenheiten angeboten werden. „Auf die Durchmischung kommt es an“, bemerkt sie.

Eine ebenfalls wichtige, häufig jedoch vernachlässigte Sache sind Sanitäranlagen. „Der öffentliche Raum benötigt saubere und gepflegte Toiletten, damit niemand gezwungen ist, in ein Kaffeehaus zu gehen, wo man möglicherweise dafür noch konsumieren muss“, erläutert Edith Zitz. Aber auch Licht und Schatten spielen für das Wohlgefühl eine Rolle. Die Expertin plädiert deshalb für Verweilzonen, die beides beinhalten. Klassiker sind Nutzungskonflikte in Parks und halböffentlichen Räumen, wie sie etwa Bahnhofsvorplätze darstellen. Das hängt laut Edith Zitz unter anderem mit zu kleinen Wohnungen zusammen. „Also halten sich die Leute auf solchen Plätzen auf und überschreiten dort sehr häufig auch Grenzen“, berichtet sie.

Niemandsland-Atmosphäre

Dem Bahnhof in der hiesigen Landeshauptstadt Bregenz attestierte Zitz übrigens eine „Niemandsland-Atmosphäre“. Dass es trotz dieses Zustandes relativ wenige Zwischenfälle gibt, erstaunte sie.

Psychisches Wohlbefinden

Der Einsatz von Edith Zitz hat nicht zuletzt mit Gesundheit zu tun: „Wir wissen, dass es alten Menschen auch psychisch besser geht, wenn sie sich frei und sicher im öffentlichen Raum bewegen können.“ Wobei der Aktionsradius von Männern noch deutlich größer ist als jener von Frauen. Das zu ändern, zählt ebenfalls zu den Anliegen der Diversitätsfachfrau.

Alten Menschen geht es auch psychisch besser, wenn sie sich frei und sicher bewegen können.

Edith Zitz