Vorauseilende Gedanken zur Pfarrgemeinderatswahl

Vorarlberg / 27.01.2017 • 17:05 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
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Am 19. März 2017 finden wieder Pfarrgemeinderatswahlen – österreichweit – statt. Ich weiß, dass das viele „gar nicht mehr juckt“, zumal sie mit Begriffen wie „Pfarrgemeinde“ oder „Pfarrgemeinderat“ nichts anzufangen wissen. Das ist bitte kein Vorwurf, sondern einfache Realität. Deshalb will ich versuchen, hier ein wenig „Licht ins Dunkel“ zu bringen:

Was ist denn überhaupt eine Pfarrgemeinde?

Eine Pfarrgemeinde wird durch die getauften und gefirmten Christen am Ort gebildet. Es gibt also eine sogenannte „Ortskirche“. Diese Ortskirche besteht zuallererst also aus Menschen wie du und ich. Hier, in dieser Ortskirche werden auch die ersten positiven Glaubenserfahrungen gemacht (hoffe ich zumindest), die dem jeweiligen Menschen helfen sollen, sein Leben zu wagen, weil dieses Leben auch von Gott begleitet wird. Jeder getaufte und gefirmte Christ prägt also das Bild der (Orts)Kirche mit. Dazu kommt noch: Niemand in einer Pfarrgemeinde ist ein „Heiliger“; jeder von uns hat seine Ecken und Kanten, Fehler und Schwächen. Jeder von uns lebt sein unvollkommenes Mensch-Sein, mit allen Höhen und Tiefen. Darunter haben auch zugegeben manche immer wieder zu leiden. Stimmt! Manchesmal fehlt uns einfach die nötige Weite, die nötige Gelassenheit und Barmherzigkeit im Umgang mit anderen; andere leiden durch uns, weil Egoismus und Eitelkeiten dem Mitmenschen auch noch seine Würde nehmen können. Aber: Alle sollen Platz in der Mitte der Pfarrgemeinde haben, niemand wird ausgeschlossen.

Was ist die Mitte der Pfarrgemeinde?

Die Mitte jeder christlichen Pfarrgemeinde ist Jesus Christus und seine Botschaft. Deshalb kommen die getauften und gefirmten Christen Sonntag für Sonntag zusammen, um gemeinsam diese Mitte zu feiern: Sie erinnern sich dabei an Jesus Christus, sein Leben, seine Auferstehung. Und weil dieser Jesus Christus seinen „Anhängern“ Leben über den Tod – aus dem Glauben an ihn heraus – zugesagt hat, sind Christen – im positiven Sinn – „Lebemenschen“. Das heißt: Überall dort, wo Christen einander beim Leben helfen, wo sie dafür sorgen, dass tödliche Strukturen, die das Leben behindern oder unmöglich machen, durchbrochen werden, leben sie die Botschaft Jesu in Wort und Tat.

Was sind die Aufgaben der Pfarrgemeinde?

Zuallererst steht (siehe „Mitte der Pfarrgemeinde“) das Zusammenkommen im Geiste Jesu an vorderster Front. Es ist nicht so sehr „wichtig“, wer sonntags „am Altare“ steht, sondern dass die getauften und gefirmten Christen bewusst zusammenkommen, um Gott zu loben, zu danken, zu bitten; einander aus dem (Glaubens-) und Lebensweg zu stärken. Also einfach gesagt: ihren Glauben an Gott zu leben! Sich nicht zu „verstecken“. Damit übernehmen Christen nicht nur Verantwortung für ihre Glaubensgemeinschaft, sondern auch Verantwortung für Menschen, die ihnen nahestehen, und Verantwortung für Menschen in ihrer Sorge „um das tägliche Brot“, in Gesundheit und Krankheit.

Was ist ein Pfarrgemeinderat?

Aus diesen obgenannten Gedanken ergibt sich also Folgendes: „Träger“ einer Pfarrgemeinde ist nicht der „Pfarrer“, sondern alle jene, die sich der Botschaft Jesu verpflichtet fühlen. Daraus ergibt sich nun die Tatsache, dass viele Menschen innerhalb eines Ortes ihre Fähigkeiten und Begabungen ihrer Glaubensgemeinschaft zur Verfügung stellen, weil sie wollen, dass „die Sache Jesu“ (am Ort) weitergeht und nicht durch Bequemlichkeit, unsolidarisches Handeln oder einfache „Unlust“ verdunkelt wird.

Deshalb bin ich persönlich allen Menschen in unseren Pfarrgemeinden sehr dankbar, dass sie aus ihrer christlichen Lebenssicht heraus Zeit für ihre Glaubensgemeinschaft aufwenden, sich einbringen, mitgestaltend wirken und uns (alt gewordene) Priester nicht „alleine strampeln“ lassen!

Ein vorletzter Gedanke,

der nun „scheinbar“ mit Pfarrgemeinde etwas zu tun hat: Ich möchte allen von ganzem Herzen danken, die unser pfarrliches Arbeiten durch ihren Kirchenbeitrag unterstützen und dadurch auch zu erkennen geben, dass das, was in den einzelnen Pfarrgemeinden geschieht, sinnvoll ist!

Ein letzter Gedanke:

Ich lade euch ein, diesen Termin (19. März) im Terminkalender dick anzustreichen, und danke allen, die sich auch an dieser Wahl beteiligen! Kirche am Ort ist
kein „Dienstleistungsunternehmen“, das halt notwendigerweise für verschiedene Dinge im Leben „gebraucht“ wird, sondern vielmehr eine Gemeinschaft, die miteinander versucht, aus dem Glauben an Jesus Christus das Leben zu leben.

Roland Trentinaglia, Pfarrer im Pfarrverband Hohenweiler, Hörbranz, Möggers