Die Kassen zahlen auch für Globuli

29.01.2017 • 19:05 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Für die einen sind es nur harmlose und deshalb unnütze Zuckerpräparate, viele andere jedoch schwören auf homöopathische Mittel zur Gesundung.
Für die einen sind es nur harmlose und deshalb unnütze Zuckerpräparate, viele andere jedoch schwören auf homöopathische Mittel zur Gesundung.

Vorarlberger Gebietskrankenkasse gab 2015 knapp 44.000 Euro für Homöopathika aus.

Dornbirn. (VN-mm) Knapp 44.000 Euro hat die Vorarlberger Gebietskrankenkasse (VGKK) 2015 für homöopathische Arzneimittel bezahlt. Das geht aus einer aktuellen Anfragebeantwortung des Gesundheitsministeriums an Neos-Gesundheitssprecher Gerald Loacker hervor. Dieser hatte, wie die VN berichteten, die Übernahme der Kosten für Mittel, deren Nutzen nicht bewiesen sei, scharf kritisiert. Die höchsten Ausgaben für Globuli und Co. leistet sich allerdings die Oberösterreichische Gebietskrankenkasse. Sie gab mehr als 57.000 Euro aus, im Jahr 2011 lag der Betrag sogar bei fast 70.000 Euro. Bei der VGKK betrug die Höchstsumme rund 52.000 Euro. Mittlerweile gehen die Aufwendungen zurück. Süffisante Quintessenz von Loacker, der immer wieder einmal die unterschiedlichen Leistungen der österreichischen Kassen anprangert: „Das geht so weit, dass sogar nachweislich unwirksame Mittel nicht überall gleich behandelt werden.“

Sonderregelungen

Die Beträge, räumt er ein, seien im Verhältnis zu den sonstigen Ausgaben im Gesundheitssystem zwar eher klein. Die Beispiele von Vorarlberg und Oberösterreich würden jedoch zeigen, dass da, wo es etwas für die Versicherten quasi umsonst gebe, dies eingefordert und genutzt werde. Die beiden Bundesländer haben nämlich Sonderregelungen mit den jeweiligen Ärztekammern zur Erstattung von Homöopathika vereinbart. Dies, um den administrativen Aufwand bei der Abrechnung gering zu halten. Der Betrag, bis zu dem die Kostenübernahme für homöopathische Präparate keiner chefärztlichen Bewilligung bedarf, liegt in Vorarlberg bei 9,95 Euro netto. Diese Sonderregelungen sind nach Meinung von Gerald Loacker der Grund, dass so großzügig Homöopathika verordnet werden. „Bei den meisten anderen Kassen halten sich die Beträge in Grenzen.“ Was er auch eingesteht: „Die Verschreibungstendenz zeigt eher nach unten.“ Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser argumentiert, dass aufgrund von Sonderregelungen keineswegs der Umkehrschluss erlaubt wäre, Homöopathika dürften ohne weitere Einschränkungen auf Kassenkosten verordnet werden. Auch die Vertragsärzte seien an das Ökonomiegebot gebunden. Loacker hält dem entgegen: „Genau den Eindruck macht es, wie man am Beispiel Vorarlberg sieht. Hier werden ja deutlich mehr Homöopathika vergütet als bei den Kassen, die diese Vereinbarungen nicht haben.“

Nutzen des Placebo-Effekts

Der Hauptverband der Sozialversicherungsträger wiederum schreibt: „Soweit uns bekannt, gibt es keine wissenschaftliche Grundlage, die einen Effekt von Homöopathika belegt.“ Für Loacker ein weiterer Angriffspunkt: „Meiner Meinung nach handelt es sich damit um einen Verstoß gegen das ASVG, weil nur notwendige und zweckmäßige Mittel bezahlt werden dürfen. Was nicht notwendig und zweckmäßig ist, darf die Kasse nicht zahlen. Das Ministerium als Aufsichtsbehörde müsste das unterbinden.“ Allerdings merkt der Hauptverband ebenfalls noch an: Der Placebo-Effekt, den homoöpathische Mittel bewirken, könne im Einzelfall genützt werden, weil Menschen sehr unterschiedlich auf bestimmte gesundheitliche Situationen reagieren. Dies liege aber in der ärztlichen Verantwortung.

Ausgaben GKK

2010: 26.404 Euro

2011: 30.382 Euro

2012: 41.896 Euro

2013: 49.201 Euro

2014: 51.921 Euro

2016: 43.875 Euro