Scheidungsrate stark gesunken

Vorarlberg / 29.01.2017 • 19:53 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

2001 wurden mehr als die Hälfte der Ehen geschieden, zuletzt weniger als 40 Prozent.

Schwarzach. (joh) Jahrelang hat eine hohe Scheidungsrate daran zweifeln lassen, dass die Ehe ein sicherer Hafen ist. Immer mehr Paare trennten sich. Damit ist es jedoch vorbei, mittlerweile kann von einer echten Trendwende gesprochen werden. Wie die Zahlen von Statistik Austria zeigen, erreichte die Scheidungsrate in Vorarlberg 2001 einen Spitzenwert von 52 Prozent. Das heißt, dass etwas mehr als die Hälfte der vermeintlichen Bünde fürs Leben getrennt wurden. Seit einigen Jahren geht die Rate jedoch zurück. Zuletzt betrug sie 39,72 Prozent. Vergleichbares wird im Übrigen in allen Bundesländern festgestellt.

Kostspielige Angelegenheit

Andreas Prenn, Obmann des Vorarlberger Familienverbandes, sieht einen Zusammenhang mit der Wirtschafts- und Finanzkrise der 2000er-Jahre, die da und dort noch nicht überwunden ist: „In wirtschaftlich unsicheren Zeiten nimmt die Scheidungsrate ab, weil Scheidungen immer teuer sind“, verweist er auf kostspielige Dinge, die damit verbunden sind: Zumindest ein Partner muss einen neuen Haushalt gründen, sind Kinder vorhanden, werden Unterhaltszahlungen fällig und so weiter und so fort. Anders ausgedrückt: All das muss man sich auch leisten können. Johannes Reinprecht, Direktor des katholischen Instituts für Ehe und Familie, stellt darüber hinaus „einen spürbaren Bewusstseinswandel“ fest: „Die Bereitschaft, an der Beziehung zu arbeiten, steigt. Unsere Beratungsangebote werden immer öfter in Anspruch genommen. Man investiert mehr in die Beziehung. Und zwar frühzeitig.“

Wobei auch das Alter der Eheleute eine Rolle spielen mag: Sie sind reifer geworden. In den 1970ern beispielsweise waren Frauen im Schnitt Anfang 20, als sie sich „trauten“. Heute sind sie Anfang 30. Bei den Männern kommen zwar noch jeweils zwei, drei Jahre dazu, bei ihnen verläuft die Entwicklung aber ähnlich.

2261 Eheschließungen im Land

Nichts zu tun hat der Rückgang der Scheidungsrate damit, dass weniger geheiratet wird, wie man vermuten könnte. Dagegen spricht schon allein die Tatsache, dass eher wieder mehr geheiratet wird: 2015 gab es in allen Bundesländern so viele Hochzeiten wie schon lange nicht mehr. In Vorarlberg waren es mit 2261 die meisten seit den 1980ern; sogar gemessen an der Einwohnerzahl handelte es sich dabei um den höchsten Wert seit 1992. Ob sich das zu einem Trend verfestigen wird, bleibt abzuwarten. So wie jedoch die wirtschaftlichen Unwägbarkeiten dazu beitragen, dass Eheleute vermehrt zusammenbleiben, so könnten sie laut Reinprecht auch ein Grund dafür sein, dass Männer und Frauen lieber Ja zueinander sagen.

Gerade angesichts sonstiger Turbulenzen erfüllt die Ehe demnach die Sehnsucht nach Stabilität in besonderer Weise: „Sie kann ein wesentlicher Faktor sein, um Unsicherheiten in anderen Bereichen standhalten zu können.“