Erst eine harte Faust schlug die völlige Gewissheit ins edle Blech

Vorarlberg / 30.01.2017 • 22:24 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Delle in teurer Audi-A-8-Karosserie stellte Gerichtsermittler vor Rätsel.

Dornbirn. Er ist sein ganzer Stolz: Der hochwertige Audi A 8, Preisklasse ab 100.000 Euro. Und sie ist seine Verzweiflung, die ihn um den Schlaf bringt: Jene Delle im seltenen Aluminiumblech de luxe, beigebracht von der frevelnden Hand jenes Auto-Misanthropen, der ihn nach einem dreisten Überholmanöver auf der Straße zur Rede stellen wollte.

Und sich dabei mit einem Schlag mit der flachen Hand auf das Dach seines zweispurigen Auserwählten verging. „Was du ihm angetan hast, hast du mir angetan!“, dachte sich der Geschädigte und erstattete Anzeige bei der Polizei.

Doch der ermittelnde Staatsanwalt und der gerichtliche Kfz-Amtssachverständige Christian Wolf hegten gewisse Zweifel: Reicht ein Schlag mit der flachen Hand überhaupt aus, um eine Delle ins Aluminiumblech zu schlagen?

Auf zu den Schrottplätzen

Diese Frage vermochte nur eine Probe aufs Exempel zu beantworten. Doch ein erster Anlauf von Staatsanwalt und Gutachter bei einem Audi-Autohändler ging schief. „Ja, schlagen Sie auf den Audi A 8 – wenn Sie in nachher kaufen“, lautete die Antwort, an die sich der Amtssachverständige bei der Verhandlung am Bezirksgericht Dornbirn erinnern kann.

Nun sollte eine seltsame Odyssee beginnen. Die Ermittler machten sich auf die Suche nach einem Audi A 8 in Schrottform, und zwar von einem Autowrackbetrieb zum anderen, landauf und landab. Doch nirgendwo in Vorarlberg war ein adäquates „Testschlagauto“ der begehrten Marke zu finden.

Erst über dem Arlberg – im tirolerischen Zirl – wurden der Staatsanwalt und Gutachter Wolf endlich fündig. Denn tatsächlich fand sich auf dem dortigen Schrottplatz das verzweifelt gesuchte Objekt der Begierde – ein Audi A 8 kurz vorm Abwracken. Doch da stellte sich schon die nächste Frage: Wer sollte denn nun aufs Blech schlagen? „Ich bat einen zwei Meter großen Mann vor Ort darum. Ich selbst hatte Angst, mir beim Schlagen die Finger zu zerbröseln“, gibt Wolf zu. Doch als stärkster Mann am Schrottplatz stellte sich nicht der großgewachsene Mitarbeiter heraus.

Mann mit Stiernacken

Der Kräftigste war gerade mal 1,65 cm groß, aber: „Der hatte gar keinen Hals. Nur einen Kopf und einen Stiernacken. Er sah kampferprobt aus“, so Wolf. Der Kampfzwerg schlug mit der flachen Hand aufs Dach. Doch könnte Blech kichern, hätte es das wohl getan: Es verbog sich keinen Millimeter.

Aber dann. Diesmal holte die menschliche Eiche mit der Faust aus. Und ließ sie mit aller Gewalt aufs Blech donnern. Und siehe da: Eine tiefe Delle war durch den martialischen Akt entstanden.

Dies reichte als Beweis. Denn da der Beschuldigte nachweislich nicht mit der Faust geschlagen hatte, fällt Richter Plasinger den Freispruch. Der Geschädigte bleibt also auf den Reparaturkosten sitzen. Und die aufwendige Arbeit des Sachverständigen? Die berappt der Staat und damit jeder Steuerzahler.