„Ich gab mich nie auf“

Vorarlberg / 30.01.2017 • 19:37 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Denis Rupp hat als Holzfäller einen körperlich sehr anstrengenden Beruf. Aber auch als Jagdaufseher muss er fit sein.
Denis Rupp hat als Holzfäller einen körperlich sehr anstrengenden Beruf. Aber auch als Jagdaufseher muss er fit sein.

Man prophezeite ihm, dass er mit 30 im Rollstuhl sitzen werde. Heute ist er Holzfäller.

St. Gallenkirch. Er ist ein Mensch, der viel Energie hat. Bereits als Bub sprühte Denis Rupp (37) vor Energie. Der gebürtige Dornbirner tobte sich im Sport aus. Er fuhr und sprang Ski. Er spielte American Football und boxte. Außerdem betrieb er zwölf Jahre Judo. Als Jugendlicher nahm er auch an Wettkämpfen im Armdrücken und Faustschieben teil. Sein Training für das Kräftemessen mit den Burschen sah so aus: „Ich legte mir einen Gurt um den Nacken und habe mit ihm das Auto meiner Schwester in die Garage gezogen.“

Denis war jung und kräftig. Deshalb spannte ihn auch sein Vater ein, der eine Holzschlägerei betreibt. „Ich musste ihn in den Schulferien bei der Arbeit unterstützen.“ Bereits mit 14 half der Bub beim Holzspalten. „Dazu musste ich 100 Kilo schwere Klötze aufstellen, und das gleich mehrere Tage lang.“ Denis war damals noch nicht ausgewachsen. Die Überbelastung blieb nicht ohne Folgen für seinen Körper.

Mit 21 rebellierte sein Körper

Zunächst aber schloss der junge Mann erfolgreich die Lehre zum Lkw-Mechaniker ab. „Mit 19 stieg ich bei meinem Vater ein.“ Die Rupps bauen Materialseilbahnen. „Da kommst du nur zu Fuß hoch. Ich hab’ schon mancher Gams auf den Rücken geschaut“, macht er klar, dass seine Arbeit ihn oft über unwegsames Gelände hoch hinauf führt. Er erinnert sich noch gut, wie er einmal sechs Seile zu je 20 Kilo auf den Berg getragen hat. Mit 21 rebellierte sein Körper. Ein Bandscheibenvorfall zwang ihn in die Knie. „Ich bin nicht mehr alleine aus dem Auto gekommen.“ Die Ärzte sagten ihm auf den Kopf zu, dass sein Körper am Ende wäre. „Sie prophezeiten mir, dass ich mit 30 im Rollstuhl bin, wenn ich weiter mache wie bisher und mir nicht einen anderen Job suche.“

Riskante Operation

Denis wollte unbedingt wieder auf die Beine kommen. Deshalb unterzog er sich in Innsbruck einer riskanten Operation. „Bevor die Ärzte mich operierten, wiesen sie mich darauf hin, dass ich möglicherweise nach der OP nicht mehr gehen kann.“ Als er aus der Narkose aufwachte, testete er als Erstes, ob er seine Füße spürte. Die Erleichterung war groß, als er seine Zehen bewegen und bald wieder aufrecht gehen konnte.

Die Ärzte rieten ihm aber, sich einen Job zu suchen, bei dem er nicht lange stehen und sitzen muss und dazwischen liegen kann. Denis warf ihnen an den Kopf, dass es diesen Job nicht gebe und er weiter als Holzfäller arbeiten werde. „Dann habe ich beim Papa wieder voll angefangen zu arbeiten. Ich merkte, dass es mir gut tat.“

Der junge Mann fällte wie früher Bäume und hielt mehr oder weniger den ganzen Tag die 18 Kilo schwere Motorsäge in den Händen. „Weil mir nichts wehtat, wurde ich wieder frech und habe Arbeiten gemacht, die mir nicht gut taten.“ Überbelastung verzeiht ihm sein Rücken nicht. „Ich habe bis zu drei Rückfälle im Jahr. Dann bin ich eine Woche außer Gefecht und liege mit Schmerzen im Bett.“ Einmal konsultierte er deswegen einen Arzt. Dieser stellte eine Entzündung fest, meinte aber: „Die Arbeit, die Sie machen, ist das Beste, was Sie für den Rücken tun können. Ihre starken Muskeln halten ihren Körper aufrecht.“

Denis ist froh, dass er sich nie aufgegeben hat bzw. immer an sich geglaubt und nach der OP nicht auf die Ärzte gehört hat. „Sonst wäre ich heute wahrscheinlich in der Rente und würde nicht Bäume fällen und jagen.“ Die Jagd ist seine Leidenschaft. „Schon als Kind hat mich mein Vater zum Jagen mitgenommen.“ Vor fünf Jahren machte er sein Hobby zum Zweitberuf. „Ich bin Jagdaufseher im Montafon.“ Das Jagen ist für ihn ein Ausgleich. Als Waldarbeiter ist er von Motorenlärm umgeben. Als Jäger genießt er die Ruhe in der Natur.

„Gebe immer Vollgas“

Denis arbeitet sieben Tage die Woche. „Ich bräuchte nicht zwei Jobs. Aber es ist meine Leidenschaft“, begründet er sein Engagement. Dem energiegeladenen Mann ist es wichtig, jeden Tag die volle Leistung zu bringen. „Ich versuche immer, mehr als hundert Prozent zu geben.“ Und: „Es gibt nur ein Gas. Und das ist Vollgas.“

Selbst vom Leben hat er sich nicht einbremsen lassen – obwohl dieses ihm schon viel zugemutet hat. 2014 verletzte er sich bei der Arbeit – ein Ast schlug gegen seine Kniekehle. Daraufhin bildete sich eine Thrombose in seinem Bein, welche in der Folge zu einem Herzinfarkt führte. Auch eine nachfolgende Lungenembolie überlebte Denis nur knapp.  

Ich versuche immer, mehr als hundert Prozent zu geben. Es gibt nur ein Gas. Und das ist Vollgas.

Denis Rupp