Kältester Jänner seit 30 Jahren

Vorarlberg / 30.01.2017 • 20:39 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Auch ein Eisbär kam bei der Seegfrörne auf den See. Foto: Böhler
Auch ein Eisbär kam bei der Seegfrörne auf den See. Foto: Böhler

Trotz eiskalten Temperaturen reicht es nicht für eine Seegfrörne wie im Jahr 1963.

Schwarzach. Mütze, Handschuhe, Schal und eine dicke Jacke waren im Jänner beim Gang vor die Haustüre Pflicht. Denn der erste Monat des Jahres ließ Vorarlberg bibbern. Bei Temperaturen von bis zu minus 23 Grad war es die vergangenen 31 Tage ziemlich kalt im Ländle. „Für die kalten Temperaturen war ein langandauerndes Hochdruckwetter verantwortlich“, informiert Günter Scheibenreif von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) in Bregenz. „Die kalte Luft lagerte sich am Boden ab, da sich in der Atmosphäre wenig bewegte und es keinen Austausch der Luftschichten gab. Als sich dann der Nebel aufgelöst hat, wurde es in den Nächten noch kälter.“

Temperaturen im Vergleich

So herrschte diesen Jänner in Vorarlberg eine Durchschnitts­temperatur von minus 3,7 Grad. Damit war heuer der kälteste Jänner seit 1987. „Damals war es mit minus 3,8 Grad noch etwas eisiger“, sagt der Wetterexperte. Am tiefsten sank das Quecksilber im Thermometer heuer in Lech am Arlberg. Dort gab es am 6. und 7. Jänner minus 23 Grad. Am wärmsten war es am 27. Jänner in Bludenz mit plus 12 Grad. Insgesamt lag der Jänner 2017 4,3 Grad unter dem langjährigen Mittel von 0,6 Grad. Denn in den vorherigen zehn Jänner-Monaten zeigte das Thermometer nur drei Mal unter null Grad an – 2009, 2010 und 2017. „Einen sehr kalten Jänner gab es auch im Jahr 2006 mit einer Durchschnittstemperatur von minus 2,7 Grad“, sagt Scheibenreif.

Zu Jahresbeginn gab es aber nicht nur viele kalte Tage in Vorarlberg, sondern auch reichlich Schnee und Sonnenschein. „In Bregenz fielen 58 Zentimeter Neuschnee. Das liegt im normalen Bereich für einen Winter. Allerdings ist es etwas viel für den Jänner“, liest der Meteorologe aus seinen Wetterkarten ab. Auch die Sonne scheinte in den ersten 31 Tagen des Jahres überdurchschnittlich viel. „Bregenz hatte 72,4 Sonnenstunden, da die Landeshauptstadt öfter mal im Hochnebel versunken ist“, berichtet Scheibenreif und fügt hinzu: „Am häufigsten ließ sich die Sonne in Sulzberg blicken. Dort gab es im Jänner 129,2 Sonnenstunden.“

Das kalte, schneereiche und freundliche Wetter freute besonders die Wintersportler. Denn in den Bergen herrschten traumhafte Bedingungen zum Skifahren. Auch viele Kinder freuten sich über die niedrigen Temperaturen im Jänner. Denn dadurch sind Teile des Bodensees zugefroren, die eine Natureisfläche zum Schlittschuhlaufen boten. So zog es Klein und Groß am letzten Jänner-Wochenende 2017 unter anderem auf den zugefrorenen Bodensee beim Rohrspitz in Fußach.

Keine Seegfrörne wie 1963

Allerdings reichte es heuer, trotz kaltem Jänner, nicht für eine Seegfrörne wie im Jahr 1963. Damals fror der gesamte Bodensee zu, sodass zehntausend Menschen auf dem Bodensee zusammenkamen und den Bodensee sogar mit Motorrädern oder Autos überquerten.

„Für eine Seegfrörne muss es sehr lange sehr kalt sein. 1962/63 zeigte das Thermometer im Dezember minus  3,3 Grad, im Jänner minus 5,7 Grad und im Februar minus 4,6 Grad“, informiert Scheibenreif.  „Heuer war bereits der Dezember mit einer Durchschnittstemperatur von plus 0,6 Grad zu warm. Auch im bevorstehenden Februar wird das Thermometer über null Grad steigen.“

Für eine Seegfrörne muss es sehr lange sehr kalt sein.

Günter Scheibenreif
Mit Schlitten und Fahrrad überquerte diese Familie bei der Seegfrörne 1963 den zugefrorenen Bodensee. Foto: Rickmann
Mit Schlitten und Fahrrad überquerte diese Familie bei der Seegfrörne 1963 den zugefrorenen Bodensee. Foto: Rickmann
Viele nutzten den kalten Jänner, um auf dem Bodensee Schlittschuh zu laufen. Foto: VN/Steurer
Viele nutzten den kalten Jänner, um auf dem Bodensee Schlittschuh zu laufen. Foto: VN/Steurer

Jänner-Durchschnittstemperatur der letzten zehn Jahre in Vorarlberg

2007 5,2 °C

2008 3,4 °C

2009 -1,3 °C

2010 -1,4 °C

2011 0,9 °C

2012 2,2 °C

2013 0,9 °C

2014 3,4 °C

2015 2,3 °C

2016 3,2 °C

2017 -3,7 °C