Angst vor Krebs sitzt immer noch tief

Vorarlberg / 02.02.2017 • 19:18 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Im Ultraschall lassen sich Veränderungen meist gut erkennen.
Im Ultraschall lassen sich Veränderungen meist gut erkennen.

Früherkennung und Vorsorge können Heilungschancen aber deutlich verbessern.

Feldkirch. (VN-mm) Krebs ist die zweithäufigste Todesursache. Deutlich mehr Menschen sterben an
Herz-Kreislauferkrankungen. Doch es ist der Krebs, der am meisten Angst macht. In Vorarlberg treten jährlich rund 1700 Neuerkrankungen auf. Aber es gibt auch eine gute Botschaft. „Krebs ist kein Todesurteil mehr. Die Aussichten auf Heilung sind besser als je zuvor“, bestätigt Primar Holger Rumpold, Leiter der Inneren Medizin II am Landeskrankenhaus Feldkirch. Voraussetzung ist allerdings, dass Früherkennung und Vorsorge ernst genommen werden. „Unser Ziel ist es, einen Beitrag zur Bewusstseinsbildung gegenüber Krebserkrankungen und deren Auswirkungen zu schaffen“, betonten Rumpold und Vertreterinnen bzw. Vertreter der Selbst- und Krebshilfe.

Gesunder Lebensstil hilft

Anlass für den Weckruf war der morgige Weltkrebstag. Immerhin könnte rund ein Drittel der Tumorerkrankungen durch eigenes Zutun gemildert oder gar verhindert werden, zumal sich bei bis zu 70 Prozent aller Krebspatienten die Tumorerkrankung schon lange vor der Diagnosestellung durch Veränderungen am Körper bemerkbar macht. „Betroffene sollten Warnsignale wie ungewollten Gewichtsverlust oder Blut im Stuhl rasch medizinisch abklären lassen“, erläuterte Holger Rumpold. Eine bedeutende Rolle spielt außerdem der Lebensstil. Übermäßiger Alkohol- und Nikotinkonsum begünstigen die Entstehung von Krebs ebenso wie eine ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel. „Es ist davon auszugehen, dass die Kombination aus Überernährung, Übergewicht und Stoffwechselstörungen einer der entscheidenden Krebsrisikofaktoren der Zukunft sein wird“, zitierte der Onkologe aus einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Um das zu verhindern, brauche es Aufklärung und Motivation zur Vorsorge, sagte Helmut Eiter, Vizepräsident der Krebshilfe Vorarlberg und langgedienter Strahlenmediziner. „Wir müssen den Gedanken der Krebsvermeidung in die Köpfe der Leute bringen und ihnen die Angst vor der Früherkennung nehmen.“ Denn je kleiner der Tumor, umso größer die Chance auf Heilung. Das lässt sich auch statistisch untermauern. Überlebten 1989 noch 46 von 100 Patienten fünf Jahre mit Krebs, waren es 2009 bereits 61 von 100. Bis 2035 werden es laut Prognose mehr als 70 von 100 sein.

Aktive Mitarbeit

Auch die Vertreterinnen der Frauenselbsthilfe nach Krebs, Gertraud Burgstaller und Monika Jäger, unterstrichen die Bedeutung der Vorsorge und Früherkennung. „Lieber Krebs vermeiden als hinterher darüber reden müssen“, meinte Jäger. Deshalb bringt sich die Frauenselbsthilfe ebenso wie die Krebshilfe mit Vorträgen, Informationsveranstaltungen und Projekten zur Thematik aktiv ein. Was den Umgang mit Krebspatienten betrifft, besteht allerdings noch enormer Nachholbedarf. „Es gibt noch immer Leute, die die Straßenseite wechseln, wenn sie einen Krebsbetroffenen sehen“, erzählte Gertraud Burgstaller. Ihr Appell: „Behandeln Sie diese Menschen ganz normal, reden Sie mit ihnen ganz normal. Alles andere kann sehr kränkend sein.“

Die häufigsten Krebserkrankungen bei den Frauen sind Brustkrebs, Darm- und Lungenkrebs, bei den Männern sind es der Prostatakrebs, Lungen- und Darmkrebs sowie Blut- und Blasenkrebs.

Krebs ist heutzutage kein Todesurteil mehr. Die Aussichten auf eine Heilung sind besser als je zuvor.

Holger Rumpold
Eine Magenspiegelung gibt Aufschluss über mögliche Tumorherde.  Fotos: VN/Hofmeister
Eine Magenspiegelung gibt Aufschluss über mögliche Tumorherde. Fotos: VN/Hofmeister

Vorsorgeempfehlungen

» Frauen: ab 20 Jahren 1x jährlich Untersuchung bei der Gynäkologin (PAP-Abstrich, Brustuntersuchung); zwischen 45 und 69 Jahren der Einladung zur zweijährlichen Mammografie nachkommen; 1x jährlich Untersuchung des Stuhls auf Blut.

» Männer: ab 45 Jahren 1x jährlich Untersuchung beim Urologen (PSA-Bluttest, Tastuntersuchung); ab 50 Jahren Basisdarmspiegelung.

» Für beide Geschlechter: ab 40 Jahren jährlicher Hämocculttest (Stuhlbriefchentest); ab 50 Jahren Basisdarmspiegelung, Intervall weiterer Untersuchungen vom Ergebnis abhängig.

 

Bei der Vorsorge wird nach Vorstufen von Krebserkrankungen gesucht, beim Screening werden sehr frühe Krankheitsstadien aufgespürt.