Ein Besuch bei Freunden

Vorarlberg / 03.02.2017 • 18:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Kompatscher holte sich Tipps für den Wohnbau. VN/Hofmeister
Kompatscher holte sich Tipps für den Wohnbau. VN/Hofmeister

Südtirols Landeshauptmann Kompatscher holte sich in Vorarlberg Tipps für den öffentlichen Verkehr.

Bregenz. (VN-mip) Der Brenner galt einst als Symbol für Nationalismus, für die Teilung Tirols, als Erinnerung an zwei Weltkriege. “Dann hat sich dieses Symbol gedreht”, erzählt Arno Kompatscher. Vom Zeichen der Grenze zum Zeichen deren Überwindung, zum Symbol des Zusammenwachsens Tirols und Europas. Arno Kompatscher steht als Landeshauptmann an der Spitze des politischen Südtirol. Als die österreichische Bundesregierung im Zuge der großen Flüchtlingsbewegung erstmals die Brennergrenze ins Visier nahm, Container und Zäune vorbereitete, mahnte Kompatscher zur Ruhe. Dabei ist es geblieben, die Barrieren wurden nie aufgezogen. Dennoch war Migration eines jener Themen, die Kompatscher mit seinem Vorarlberger Amtskollegen Markus Wallner (ÖVP) bei seinem Vorarlberg-Besuch besprochen hat, schließlich ist Italien Ziel der Mittelmeerroute und damit im Fokus internationaler Politik.

Südtirol und Vorarlberg sind nicht zuletzt seit der Option unter Hitler und Mussolini eng verbunden. Rund 11.000 Südtiroler zogen damals nach Vorarlberg. Die Länder arbeiten mittlerweile in vielen Bereichen zusammen. Südtirol gilt als Vorreiter in Bildungsfragen, hat die Sonderschule längst abgeschafft, die Kinder besuchen Gesamtschulen. “Ich will niemandem ein System empfehlen, aber wir haben sehr gute Erfahrungen gemacht”, berichtet Kompatscher.

Die Dachmarke Südtirol

Auch in Sachen Markenbildung kann sich Wallner von seinem italienischen Amtskollegen etwas abschauen. Kompatscher erzählt: “Wir haben viele Jahre intensiv an einer Dachmarke gearbeitet, das war manchmal ein schmerzhafter Prozess. Mittlerweile stehen alle Interessensgruppen dahinter. Wir sind gerne bereit, als Benchmark zu dienen.” Ein Angebot, das Wallner annimmt. Er hat bereits einen Gegenbesuch angekündigt.

Grund für Kompatschers Reise ist der öffentliche Verkehr. Südtirol sei stolz auf das eigene System mit Südtiroltakt und Südtirolpass. Das ist eine Karte, die in allen Öffis verwendet werden kann. Bezahlt wird per Kilometer, die Abrechnung und weitere Daten können jederzeit per App abgerufen werden. Und wer mehr fährt, zahlt den geringeren Kilometertarif.

Nahverkehrsverbindungen müssen ab 2018 öffentlich ausgeschrieben werden, was in Vorarlberg zum Teil praktiziert wird. Kompatscher will sich ansehen, wie diese Verfahren so ausgeführt werden, dass nicht plötzlich ausländische Konzerne ein Bussystem betreiben. Auch beim leistbaren Wohnraum holt sich das Südtiroler Landesoberhaupt Tipps: “Wir haben uns bisher auf die Menschen mit den geringsten Einkommen fixiert. Das reicht nicht mehr, da haben wir Aufholbedarf.”

Noch etwas haben die beiden Landeshauptleute gemeinsam: Beide äußern sich gerne zu internationalen Fragen. Jedenfalls an diesem Tag: “Im Mittelmeer sterben täglich Menschen”, erklärt Wallner. Deshalb sei es nötig, die Ursachen der Migrationswelle: Krieg, Armut, Perspektivlosigkeit, zu bekämpfen. “Es braucht einen Marshallplan für Afrika”, fordert Kompatscher.

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