Wie macht man eigentlich Frieden?

Vorarlberg / 03.02.2017 • 17:57 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Foto: Fotolia

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Was braucht man, um Frieden zu machen oder zu bewahren?

Denn eines ist sicher: Es reicht nicht, einfach zu sagen, wir bleiben jetzt friedlich. Frieden braucht eine Grundlage, auf der er gedeihen kann.

Eine hintergründige Geschichte

In der Bibel ist eine sehr hintergründige Geschichte zu unserem Thema, nämlich bei Lukas im 9. Kapitel. Die Geschichte wird insgesamt sechsmal in den Evangelien erzählt. So verwundert es nicht, dass auch der Evangelist Lukas diesen Stoff aufgreift. Lassen wir uns also hineinnehmen in eine Begebenheit, die uns manches lehren könnte: „Jesus nahm die Apostel beiseite und zog sich in die Nähe der Stadt Betsaida zurück, um mit ihnen allein zu sein. Aber die Leute erfuhren davon und folgten ihm.“

Berge, auf denen Gott und Menschen sich begegnen

Die Umgebung von Betsaida ist eine karge Bergwelt. Und das, was folgen wird, geschieht nicht zufällig genau dort. Berge waren von jeher Orte, an denen Gott und Menschen sich begegnen. Wo Menschen Entscheidungen fällen. Wo man besonders empfänglich ist für Gottes Weisungen. Der Plan Jesu, gemeinsam mit seinen Freunden an diesem Ort zur Ruhe zu kommen, geht nicht auf. Eine große Menschenmenge ist ihnen gefolgt und nähert sich nun. Jesus sieht die Vielen kommen und erhebt sich. Was wollen die Menschen? Sind sie einfach nur neugierig? Sind sie voller Erwartungen? Kommen sie vielleicht mit Forderungen? Was hat sie getrieben, ihm in die Einöde zu folgen?

Jesus kennt die Sehnsüchte der Menschen

Jesus wird bei aller Freundlichkeit wie üblich Klartext geredet haben. Er spricht zu den Menschen, über die normalerweise einfach verfügt wird, die hart für ihren Lebensunterhalt arbeiten müssen und die von sozialer Gerechtigkeit in ihrem Leben noch nie etwas gehört haben. Wenn Jesus vom Reich Gottes spricht, dann spricht er von einem Friedensreich. Und dieses Reich folgt anderen Regeln als unsere menschlichen Reiche. Jesus kennt die Wünsche und Sehnsüchte der Menschen, die bei ihm versammelt sind. Und seit damals hat sich nichts verändert durch Hunderte von Jahren. Damals wie heute tragen Menschen die Sehnsucht nach Frieden in sich. Nach einem Frieden, der gut gegründet ist. Ein Friede, der mehr ist als eine bloße Proklamation. Der mehr ist als ein frommer Wunsch. Wir ahnen, wovon Jesus spricht. Er spricht davon, dass es in dem Friedensreich Gottes nicht mehr unsere altbekannte Weltaufteilung geben wird: kein Oben und Unten. Kein Reich und kein Arm. Kein Recht des Stärkeren und kein Leiden der Schwachen. Jesus beschreibt nichts anderes als den Boden, auf dem Frieden gemacht werden kann. Und jeder, der ihm zuhört, ahnt, dass die Weltordnung eine gänzlich neue werden muss. Schöne Worte. Man hört sie gern!

Dr. Herbert Spieler,
Vikar,

Frastanz

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