Schweizer AKW sorgt im Land für große Empörung

06.02.2017 • 19:02 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Soll trotz massiver Kritik wieder ans Netz gehen: der Atommeiler im schweizerischen Leibstadt. Foto: apa
Soll trotz massiver Kritik wieder ans Netz gehen: der Atommeiler im schweizerischen Leibstadt. Foto: apa

Wiederinbetriebnahme von AKW im schweizerischen Leibstadt wäre „verantwortungslos“.

Bregenz, Leibstadt. (VN-tw) Ins Rollen brachte das Ganze eine Aussage von Andreas Pfeiffer als Direktor des Werks. „Wir gehen davon aus, dass wir den Reaktor Mitte Februar wieder am Netz haben werden“, erklärte Pfeiffer im Schweizer TV und verwies darauf, dass die Leistung des Reaktors um zehn Prozent reduziert werde, um „die Sicherheitsmargen weiter zu erhöhen“. Die Ursachenforschung für die wiederholten Kühlungsversagen würde „bei laufendem Betrieb weiter durchgeführt“, versicherte der Werksleiter des 1984 errichteten Atommeilers. In Vorarlberg stoßen die Pläne auf massive Kritik.

Breiner: „Verantwortungslos“

Für Umweltaktivistin und Russ-Preis-Trägerin Hildegard Breiner (80) ist die Wiederinbetriebnahme mit großem Gefahrenpotenzial verbunden. „Wenn man weiß, dass eine funktionierende Kühlung eine zwingende Voraussetzung für den Betrieb ist, kann man diese verantwortungslose Inbetriebnahme nach einem halben Jahr erfolgloser Ursachenforschung nicht hinnehmen“, warnt Breiner im Gespräch mit den VN. „Das Ganze betrifft auch Vorarlberg. Das AKW ist nur etwa 150 km Luftlinie entfernt und wurde im Herbst 2016 abgeschaltet, weil an 13 Prozent der Brennstäbe die Ummantelungen gefährliche Oxydationen aufwiesen.“

Schwärzler: „Ein klares Nein“

Auch im Landhaus herrscht Empörung. „Solange keine hundertprozentige Sicherheit gewährleistet ist, gibt es von uns ein Nein“, betont LR Erich Schwärzler (63, VP). Das Land werde einen Brief an die Schweizer Regierung schreiben und darin „exakte Informationen einfordern“. Landesrat Johannes Rauch (57, Grüne) sieht dies ähnlich: „Es ist unverantwortlich, dass dieses AKW wieder ans Netz gehen soll. Zuerst sollte die Ursache für das Versagen der Kühlung gefunden werden, bevor darüber nachgedacht wird. Hier geht’s um eine tickende Zeitbombe.“ Leider sei die Initiative der Schweizer Grünen für einen raschen Ausstieg aus der Atomkraft im November 2016 von der Schweizer Bevölkerung abgelehnt worden, bedauert Rauch. „Das lag wohl auch daran, dass die Betreiber der AKW Beznau und Leibstadt im Abstimmungskampf mit hohen Forderungen in Milliardenhöhe drohten.“

In diesem Fall handelt es sich um eine tickende Zeitbombe.

Johannes Rauch, Umweltlandesrat