Thomas Matt

Kommentar

Thomas Matt

Die andere Sau

Vorarlberg / 07.02.2017 • 18:31 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

In letzter Zeit mal wieder was von Syrien gehört? Nein? Frieden wird ja wohl nicht eingekehrt sein. Man stirbt dort jetzt wieder mehr unter sich. Schließlich rennt, wie der Volksmund so sagt, längst eine andere Sau durchs Dorf. So weit, so ungerecht.

Aus Sicht der Konsumenten freilich durchaus verständlich. Krisen tragen in der öffentlichen Wahrnehmung ein Ablaufdatum. Es verhält sich so wie mit dem Bürgerkrieg im Libanon. Er brach 1975 aus. Beirut war schon zwei Jahre später eine Ruinenlandschaft. In den 1980er-Jahren vermochte längst niemand mehr zu sagen, wie das Morden eigentlich begonnen hatte. Aufwendige Erklärungsversuche lasen nur noch Nachrichtensüchtige. Für all die anderen waren einzelne Fotos – maximal ein, zwei pro Woche – völlig ausreichend, sofern sie spektakulär genug waren. Der Libanon war immer dann gut, wenn noch Platz war in der Außenpolitik. Für Nachrichtenmacher eine „sichere Bank“, freilich nicht für die Bewohner.

Die Welt von heute ist voller solcher Schauplätze. Homs, Kabul, Mossul … Sie füllen sich mit Toten. Aber niemand schaut mehr hin. Nicht, weil sich irgendetwas verbessert hätte. Solche Konflikte lösen sich nie. Aber das internationale Publikum wird ihrer eines Tages überdrüssig. Dann schlägt die Stunde der nächsten, der anderen Sau …

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