Regieren zur Kriegszeit

Vorarlberg / 07.02.2017 • 17:59 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Waibel regierte von 1938 bis 1940 (Originalbild im Rathaus).  abi
Waibel regierte von 1938 bis 1940 (Originalbild im Rathaus). abi

Waibel ging den Weg vom jüngsten unter 14 Geschwistern zur alleinigen Macht.

dornbirn. (abi) In Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv stellen die VN seit Anfang Dezember in regelmäßigen Abständen Dornbirns Bürgermeister seit der Stadterhebung 1901 genauer vor. In den vergangenen 115 Jahren regierten zwölf Bürgermeister die heute größte Stadt Vorarlbergs. In der heutigen Ausgabe geht es um Paul Waibel, der von 1938 bis 1940 regierte.

Studium in Graz

Paul Waibel wurde 1902 als letztes von 14 Kindern des Ehepaars Max und Juliana Waibel in Dornbirn geboren. Nach einer Ausbildung zum Diplom-Kaufmann schloss er das Studium als Jurist ab. Während der Zeit in Graz trat er der Burschenschaft „Vandalia“ bei. 1930 legte er die Rechtsanwaltsprüfung ab, 1933 eröffnete er seine eigene Kanzlei. Später trat er der NSDAP und SS bei und wurde nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten am 13. März 1938 zum kommissarischen Bürgermeister bestellt. Seine Vereidigung sowie die seiner Beigeordneten (Stadträte) und Ratsherren (Gemeinderäte) erfolgte am 28. März 1939. SS-Untersturmführer Paul Waibel verfügte über Sepp Dreher, Toni Thurnher und Pepe Mähr als Beigeordnete sowie zwanzig Ratsherren. Da die Kreisleitung über ein entscheidendes Mitspracherecht bei den Nominierungen verfügte, verwundert es nicht, dass fast alle dieser Männer parallel entweder auf Kreisleitungs- oder Ortsgruppen­ebene mindestens ein Amt in der NSDAP bekleideten. Die Vollzugsgewalt lag nun allein beim Bürgermeister, Beigeordnete und Ratsherren übten lediglich eine beratende Tätigkeit aus; das Gemeindeoberhaupt stand dafür aber unter strenger Kontrolle von Partei und staatlicher Behörde. 

Es ging an die Ostfront

Franz Hofer war einflussreicher Gauleiter in Tirol und wünschte, dass nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich ein gemeinsamer Gau Tirol/Vorarlberg entsteht. Wai­bel und viele Bürger waren massiv dagegen. Wenn er die Zustimmung erteilt hätte, wäre er von Hofer zum Bürgermeister von Innsbruck ernannt worden. Waibel wusste, dass er nur zwei Möglichkeiten hatte: sich dem Wunsche Hofers beugen, oder sich an die Ostfront kommandieren zu lassen. Waibel wählte Letzteres, und überlebte.

Paul Waibel bemühte sich außerdem um den Sportbetrieb seiner Heimatstadt. So entstanden im Jahre 1940 der Sportplatz Birkenwiese und das Waldbad Enz. Paul Waibel starb 1994 im hohen Alter von 91 Jahren.

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