Eine Nacht wie bei den Eskimos

Vorarlberg / 08.02.2017 • 18:28 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Feuerstelle vor den Iglus spendet Wärme.
Die Feuerstelle vor den Iglus spendet Wärme.

Im Montafon steht seit diesem Winter das erste Schneehotel Vorarlbergs.

St. Gallenkirch. Die Sonne verschwindet allmählich hinter den Bergen. Am Horizont verfärben sich die Wolken in ein zartes Rosarot und leuchten am hellblauen Abendhimmel. Im Skigebiet Silvretta Montafon ist es ruhig geworden. Die Wintersportler sind abgefahren. Nur eine siebenköpfige Gruppe wandert den Hang einer blauen Skipiste nach oben. Der Schnee knirscht unter ihren Schuhen. Das einzige Geräusch am Berg. Die Gruppe ist auf dem Weg zu den Iglus auf über 2000 Metern Höhe. Während der 20-minütigen Wanderung eröffnet sich den Gästen ein abendliches Naturschauspiel am Himmel, inklusive Blick über das Montafoner Bergpanorama, denn dank der klaren Luft können die Gäste über Gargellen, Gampaping, Bartholomäberg, St. Gallenkirch, Gaschurn und das Hochjoch blicken.

An einer abgelegenen Stelle auf dem Schwarzköpfle, hinter Felsen liegt es, das kleine Igludorf. In einem Halbkreis angeordnet, finden die Gäste ihre Schlafstätten für diese Nacht vor. Niedrige Holztüren zeichnen den Eingang zu den insgesamt fünf Iglus. Sie wurden auf zwei Ebenen gebaut und sind durch Treppen aus Schnee verbunden.

Um in die Schneehöhlen einzutreten, müssen die Gäste in die Knie gehen und hineinkrabbeln. Im Inneren steht auf kleinstem Raum ein Bett aus Schnee. Darauf liegen Isomatten, Schaffelle und Schlafsäcke. Neben den vier Schlafiglus gibt es auch ein Hauptiglu für das gemeinsame Abendessen. Kerzen erhellen den Raum. Ein gedeckter Tisch sowie Bänke aus Schnee stehen darin. „Wir wussten vorher nicht, was uns erwartet. Es ist wie ein kleines Dorf, mit viel Liebe zum Detail“, sagt die Mutter der belgischen Urlaubsfamilie, die an diesem Abend gemeinsam in den Iglus übernachtet. Bereits seit drei Jahren verbringt die Gruppe die Ferien im Montafon. Für alle ist es aber die erste Nacht als „Eskimos“.

Aus Schnee und Eis gebaut

Bergführer Manfred Sprung begleitet die Gruppe bei ihrem Abenteuer. Er baute Anfang Jänner gemeinsam mit Pistenbullyfahrern das Igludorf im Montafon. „Es besteht nur aus Schnee und Eis. Für die Iglus haben wir Ballons aus Lkw-Planen mit Schnee überschüttet, einen Eingang gegraben und am Ende den Ballon wieder herausgezogen“, erklärt Sprung. Seit Mitte Jänner übernachtet er einmal pro Woche mit Gästen in den Schneehütten. „Im Inneren hat es zwischen drei und sieben Grad. Das ist zwar kälter als im heimischen Schlafzimmer, aber es lässt sich gut aushalten.“ Mittlerweile ist es dunkel geworden auf dem Berg. Die ersten Sterne funkeln am Firmament. Nur der Mond spendet Licht über dem Igludorf. Mit der einkehrenden Nacht fällt auch das Thermometer auf minus acht Grad. Deshalb zündet der Bergführer ein Feuer an, um das sich die Gruppe versammelt.

Spaziergang durch den Schnee

Jeder Gast bekommt von Sprung eine Fackel, denn bevor es zum Abendessen geht, begibt sich die Truppe auf eine nächtliche Fackelwanderung durch das Skigebiet. Im Schnee zeichnet sich das Rillenmuster der Bistenbullys ab. Der Weg führt bergabwärts, scheinbar in ein schwarzes Nichts. Lediglich die Fackeln spenden gedämpftes Licht, das im Schnee reflektiert wird und die Umgebung heller erscheinen lässt. Bei genauem Hinsehen glitzern die unberührten Eiskristalle.

Als die Gruppe wieder bei den Iglus ankommt, knurren die Mägen. Zeit für das Abendessen. Einer nach dem anderen kriecht in den Hauptiglu und nimmt am Tisch aus Schnee Platz. In geselliger Runde lassen sich die Urlauber das Käsefondue schmecken. Zur Verdauung trinken sie noch ein Gläschen Schnaps, ehe sie sich nach und nach in die Schlafstätten begeben. In Schlafsäcke eingemummelt und auf Schaffellen liegend lassen sie die Eskimo-Nacht kommen.

Bei der nächtlichen Fackelwanderung spaziert die Gruppe auf frisch planierten Pisten durch das Skigebiet.
Bei der nächtlichen Fackelwanderung spaziert die Gruppe auf frisch planierten Pisten durch das Skigebiet.
Bevor es in die Iglus zum Schlafen geht, lassen die Gäste bei Käsefondue und Schnaps den Abend ausklingen.
Bevor es in die Iglus zum Schlafen geht, lassen die Gäste bei Käsefondue und Schnaps den Abend ausklingen.
Das kleine Igludorf im Montafon steht auf über 2000 Metern Höhe und bietet Platz für acht Gäste. Fotos: Sams
Das kleine Igludorf im Montafon steht auf über 2000 Metern Höhe und bietet Platz für acht Gäste. Fotos: Sams
Eine Nacht wie bei den Eskimos
Eine Nacht wie bei den Eskimos
Eine Nacht wie bei den Eskimos
Eine Nacht wie bei den Eskimos
Eine Nacht wie bei den Eskimos
Eine Nacht wie bei den Eskimos
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Link zum Video: http://VN.AT/su89o0

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