Prozess um Missbrauch im Kinderdorf Bregenz

Vorarlberg / 08.02.2017 • 22:24 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
VN-Bericht vom 28. Mai 2016.
VN-Bericht vom 28. Mai 2016.

Angeklagter Jugendlicher soll sich an mehreren, aber mindestens drei Buben vergangen haben.

Feldkirch. (ec) Die Causa machte bereits im vergangenen Jahr Schlagzeilen. Sie wird heute, Donnerstag, am Landesgericht Feldkirch verhandelt. Der jugendliche Angeklagte, ein damals 17-Jähriger, lebte selbst seit einigen Jahren im Vorarlberger Kinderdorf. Er muss sich wegen schwerer sexueller Übergriffe an Minderjährigen, die von der Bregenzer Einrichtung betreut wurden, vor Gericht verantworten. Betroffen sind mehrere Kinder, die lange geschwiegen haben. Schlussendlich vertrauten sich die Betroffenen Kinderdorfmüttern an, die weitere Schritte in die Wege leiteten.

Der Heranwachsende sei bislang nicht auffällig gewesen, hieß es im Mai 2016 seitens der Einrichtung. Wie genau sich der Teenager das Vertrauen der Kinder erschlichen hatte, war bei Auffliegen des Falles nicht bekannt, angeblich waren Geschenke im Spiel. Anfangs war von mindestens drei Fällen die Rede, in der Anklage sind es jedoch weit mehr.

Frage der Öffentlichkeit

Angeklagt ist schwerer sexueller Missbrauch in mehreren Fällen, es geht um intimste Sexualpraktiken. Die betroffenen Kinder waren zum Teil im Volksschulalter. Wie weit der für fünf Stunden anberaumte Schöffenprozess öffentlich sein wird, ist fraglich. Das Gericht kann und wird vermutlich von Amts wegen zum Schutz des jugendlichen Angeklagten und der Opfer die Öffentlichkeit ausschließen, noch bevor die Verhandlung richtig startet. Somit wird nicht einmal die Anklage, in der die Vorwürfe zusammengefasst geschildert werden, vom Staatsanwalt öffentlich vorgetragen.

Auch bei Erwachsenen wird bei Sexualprozessen die Öffentlichkeit vielfach ausgeschlossen, bei Jugendlichen geht der Schutz noch weiter. Lediglich die Urteilsverkündung ist zwingend öffentlich. Doch wie viel dabei von den konkreten Vorfällen zur Sprache kommt, bleibt dem Richter überlassen. Im Falle eines vollumfänglichen Geständnisses und einer zügigen Senatsberatung könnte das Verfahren auch wesentlich kürzer werden.

Gratwanderung

Der Öffentlichkeitsgrundsatz ist eines der wichtigsten Prinzipien im Strafrecht. Nur wenn wichtige Gründe dagegen sprechen, wird davon abgegangen. Es ist eine Interessensabwägung. So können bei Themen, die das Privat- oder Intimleben betreffen, Zuhörer aus dem Saal geschickt werden. Dazu gehört unter Umständen die Erläuterung eines medizinischen Gutachtens. Gibt es Tumulte oder ständige Störungen, ist dies ebenfalls ein Ausschlussgrund. Auch Firmen- oder Geschäftsgeheimnisse bedeuten ein Aus für Zuhörer. Der Ausschluss kann für das ganze Verfahren oder für Teile, besonders spezielle Einvernahmen, erfolgen. Das Urteil wird nie hinter verschlossenen Türen verkündet. Wurde die Öffentlichkeit zu Unrecht ausgeschlossen, ist das Urteil wegen Nichtigkeit aufzuheben und der Prozess muss wiederholt werden.

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