Gefiederte Gäste konzertieren am Rohrspitz

Vorarlberg / 14.02.2017 • 18:34 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Neuankömmlinge setzen mit ausgefahrenen Landeklappen zum Niedergang in der Singschwankolonie am Rohrspitz an.  Foto: G. Grabher
Neuankömmlinge setzen mit ausgefahrenen Landeklappen zum Niedergang in der Singschwankolonie am Rohrspitz an. Foto: G. Grabher

Über 200 Singschwäne verbringen den Winter am Bodensee. Ihre Zahl steigt seit Jahren an.

Höchst. (gg) Auch wenn dicke Nebelschwaden über dem Bodensee liegen, können sich die Vogelfreunde sicher sein, dass Schwärme von Singschwänen im Winterquartier zwischen Altenrhein und dem Rohrspitz anwesend sind. Ihr lauter Gesang, der sich bei Aufregungen etwa infolge der Ankunft von Neuankömmlingen zum Fortissimo steigert, dringt aus dem trüben Grau über dem Wasser bis ans Ufer.

Die Singschwäne tragen ihren Namen zu Recht, ihre Ruffreudigkeit ist bekannt und weithin hörbar, wenn sich auch die Experten mit der Beschreibung ihres Gesanges schwer tun. Vielfach werden die Laute als nasal oder melancholisch gestimmte „Posaunen“ oder „Trompeten“ beschrieben, zu imitieren sind die Laute kaum. Aber schon Tierforscher Alfred Brehm gab dem Singschwan den Namen „Cignus musicus“. Mit dem bei uns heimischen Höckerschwan sind die Gäste aus dem Norden auch stimmlich nicht zu verwechseln. Die Höckerschwäne haben keinen gelben, sondern einen rötlichen Schnabel mit dem charakteristischen Aufsatz an der Wurzel und sind vor allem so gut wie stumm.

Zuzug wegen Kälte

Für die heurige Massierung der Singschwäne am Bodensee haben die Ornithologen eine einfache Erklärung. Die Kälte der vergangenen Wochen über Mitteleuropa trieb die Vögel immer weiter nach Süden. Etwa an anderen deutschen Seen, die ebenfalls als Winterquartiere genutzt werden, fanden die Singschwäne keine Nahrung mehr. Der Bodensee bietet den Tieren aber weiter gute Bedingungen. Wegen des tiefen Pegelstandes finden die Vögel mit ihren langen Hälsen in den Flachwasserzonen immer noch Wasserpflanzen, die sie vom Grund holen. Bisher waren nicht einmal die sonst üblichen Landgänge zu beobachten, bei denen seit Jahren von den Singschwänen Wiesen im Rheindelta abgeweidet werden.

Die winterliche Population der Singschwäne steigt seit den 1980er-Jahren immer weiter an. Waren damals noch einige Dutzend der Gäste aus dem Norden am Bodensee, wuchs die Zahl in den Anfangsjahren des neuen Jahrtausends auf im Schnitt über 100 Exemplare an. Die heuer gezählten über 200 Singschwäne bedeuten einen Rekord.

Noch bis März

Wenn die Witterung normal verläuft, werden die Singschwäne noch bis Ende Februar oder Anfang März am Bodensee bleiben. Dann beginnt die oft lange Rückreise in die angestammten Brutgebiete. Die Wintergäste am Bodensee stammen vielfach aus dem Baltikum, aus Schweden oder aus den russischen Tundren bis hinter dem Ural. Die Sommer in diesen Breiten sind kurz, so dass sich die Schwäne mit der Aufzucht ihrer meist drei bis vier Jungen beeilen müssen. Schon im Oktober muss der Nachwuchs kräftig genug sein, den Flug ins Winterquartier am Bodensee überstehen zu können.

In den letzten Jahren wurden immer mehr Bruten auch in norddeutschen Küstengebieten beobachtet. Die Vogelforscher sind sich aber noch nicht schlüssig, ob diese Verlagerung eine Folge der Klimaverschiebung ist oder ihren Grund in der Landwirtschaft hat, die im Norden Europas auf den Anbau von neuen Winterrapssorten setzt, die wesentlich weniger Bitterstoffe enthalten.

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