Zecken lechzen schon jetzt nach Blut

Vorarlberg / 15.02.2017 • 19:21 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Diese Zecke hat auf der Haut eines Menschen im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Vollen geschöpft. Foto: dpa
Diese Zecke hat auf der Haut eines Menschen im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Vollen geschöpft. Foto: dpa

Schnee und Frost können Spinnentieren nichts anhaben. Drei FSME-Fälle im Land.

dornbirn. Wer noch glaubt, Zecken treiben ihr Unwesen nur im Sommer, der sollte schleunigst umdenken. Mittlerweile ist der „Gemeine Holzbock“ nämlich beinahe das ganze Jahr über aktiv. „Die milden Winter der vergangenen Jahre haben die Aktivitätsphase der Zecken verlängert“, bestätigt auch Klaus Zimmermann von der inatura. Die Blutsauger brauchen nämlich lediglich sieben Grad, um munter zu werden. Auch Schnee und Frost können den Parasiten wenig anhaben. Im Gegenteil. „Die dicke Schneedecke im Jänner war ein wunderbarer Schutz“, erklärt der Biologe, der deshalb aber noch nicht auf ein ausgewiesenes Zeckenjahr tippen will. Eine solche Einschätzung sei schwer zu treffen. Sehr wohl redet Klaus Zimmermann der Zeckenschutzimpfung das Wort. Es gebe genug gesundheitlichen Ärger mit der Borreliose, weshalb sich die Leute seiner Ansicht nach wenigstens gegen die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) schützen sollten. Das Grundübel bei einer FSME-infizierten Zecke: Das Virus befindet sich im Speichel und geht ins Blut, sobald das Spinnentier seine Bohrarbeiten aufnimmt.

Alle Bezirke betroffen

Im vergangenen Jahr gab es österreichweit 80 FSME-Erkrankungsfälle. Das waren um 16 mehr als im Jahr davor. In Vorarlberg erkrankten drei Personen an FSME. Ein Fall wurde im Bezirk Bregenz verzeichnet, zwei Infektionen betrafen den Bezirk Dornbirn. Zum Vergleich: 2015 meldete Vorarlberg ebenfalls drei FSME-Erkrankungen. Damals verteilten sich die Fälle auf die Bezirke Bregenz, Feldkirch und Bludenz. Das bedeutet, es muss im ganzen Land mit infizierten Zecken gerechnet werden. Wie hoch der Anteil jener Blutsauger ist, die das Virus tatsächlich haben, lässt sich nicht sagen, weil auch der Gesamtbestand nicht bekannt ist, wie Klaus Zimmermann anmerkt. Mit Sicherheit kann hingegen gesagt werden, dass 30 bis 40 Prozent der infizierten Personen an FSME erkranken. Schwere neurologische Schäden können die Folge sein.

Frühes Erwachen

Österreich gehört zu den am stärksten belasteten Zeckengebieten. Aus diesem Grund wird die FSME-Impfung seit 2010 explizit empfohlen. Noch mehr Bedeutung erhält diese Schutzmaßnahme aufgrund der Ganzjahresaktivitäten der Zecken. “Dieser Aspekt wurde bislang unterschätzt”, sagt Zimmermann und gibt Berichte von Stichereignissen weiter, die im Jänner stattgefunden haben. Inzwischen werde da genauer hingeschaut. Wenn es jetzt wärmer wird, erwachen die Tierchen und machen sich auf die Suche nach Futter. Ihre bevorzugten Angriffsplätze finden sich um diese Jahreszeit übrigens im Gebüsch.

Die Schneedecke im Jänner war ein wunderbarer Schutz.

Klaus Zimmermann

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