Aufsichtsbehörde ignoriert Kritik, Leibstadt in Betrieb

Vorarlberg / 17.02.2017 • 18:55 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Trotz massiver Kritik ist der Atommeiler im schweizerischen Leibstadt seit Freitag wieder am Netz. Foto: apa
Trotz massiver Kritik ist der Atommeiler im schweizerischen Leibstadt seit Freitag wieder am Netz. Foto: apa

Umstrittener Atomreaktor Leibstadt in der Schweiz seit Freitag wieder am Netz.

Bregenz, Leibstadt. (VN-tw) In dem seit Anfang August 2016 stillstehenden Atomkraftwerk Leibstadt wird wieder Strom produziert. Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) hat den Betreibern am Donnerstag dieser Woche die Freigabe erteilt. Das ENSI verfügte jedoch eine Leistungsreduktion. Es sollen auch zusätzliche Überwachungs- und Sicherheitsmaßnahmen angeordnet worden sein, teilte die Atomaufsichtsbehörde mit.

Gefahrenpotenzial gebannt?

Weiter heißt es bei ENSI: „Ein sicherer Betrieb ohne Gefährdung von Mensch und Umwelt ist gewährleistet. Um kritische Siedezustände (Dryouts) künftig zu verhindern, wurde eine Absenkung der Leistung angeordnet. Die thermische Leistung des Reaktors in Leibstadt wird zu Beginn des Betriebszyklus bei maximal 95 Prozent liegen und bis zum Zyklusende Mitte September auf rund 88 Prozent sinken.“ Sollte es während des kommenden Betriebszyklus trotz der Maßnahmen zu einem Brennstabschaden und einem Auswaschen radioaktiver Stoffe in das Kühlmittel kommen, würde dies sofort von den Messsystemen registriert werden. Als Auflage für die Freigabe legte das ENSI weiter fest, dass der Atommeiler sofort heruntergefahren werden muss, wenn ein Anstieg von radioaktiven Abgasen festgestellt wird.

Grüne sind schockiert

Im Landhaus zeigt man sich überrascht, zumal das Land in der Vorwoche ein Protestschreiben in die Schweiz gesandt und sich darin gegen eine Wiederaufnahme des Betriebs ausgesprochen hatte. „Wir warten nach wie vor auf eine schriftliche Antwort. Ich habe nochmals bei der Aufsichtsbehörde urgiert und forderte Informationen an“, sagt Sicherheitslandesrat Erich Schwärzler (63, VP). Über die Wiederaufnahme sei man alles andere als erfreut, schloss Schwärzler.

Für die Grünen ist die Wiederinbetriebnahme eine unverantwortliche Entscheidung mit potenziell schweren Folgen für Vorarlbergs Bevölkerung, kritisiert Klubobmann Adi Gross (55). Die Aufsichtsbehörde habe den Appell des Landes bedauerlicherweise ignoriert. Gross verweist auf Schäden der Brennelemente im Atomreaktor Leibstadt, die sowohl 2015 als auch 2016 festgestellt worden seien. Die Behörde ignoriere mit ihrer Entscheidung auch 16.244 Unterschriften einer Petition gegen das AKW Leibstadt.

Das Land wartet immer noch auf eine Erklärung der Atomaufsichtsbehörde in der Schweiz.

Erich Schwärzler, Landesrat

AKW Leibstadt.
PDF zum Download: http://VN.AT/su8WwE

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