Auch Pferde müssen zum Zahnarzt gehen

Vorarlberg / 19.02.2017 • 19:37 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Auch Pferde müssen zum Zahnarzt gehen

Katrin Brunner ist Pferdezahnärztin. In Vorarlberg behandelt sie 600 Patienten.

Möggers. Leon läuft in seiner Box des Gestüts Küzler in Möggers auf und ab. Der achtjährige Hengst wirkt unruhig, als Pferdedentalpraktikerin Katrin Brunner (44) ihre mobile Praxis im Stall aufbaut. Kein Wunder, wer geht schon gerne zum Zahnarzt.

Um Leon die Aufregung zu nehmen, bekommt er von Brunner ein Beruhigungsmittel gespritzt. Noch während sie dem Tier das Maul mit Wasser ausspült, lässt der Hengst den Kopf hängen. Die Sedierung wirkt. Nun kann ihm die Ärztin die Halterung anlegen, damit der Kopf in der richtigen Position für die Behandlung sitzt. „Ich schleife bei Leon heute die Kauflächen ab und ziehe zwei Wolfszähne“, informiert Brunner, während sie sich ihre Stirnlampe aufsetzt und zum Diamantschleifgerät greift. „Die Instrumente sind die gleichen wie in der Humanmedizin, nur größer.“

Körperliche Arbeit

Als Brunner das Schleifgerät an die Schneidezähne von Leon ansetzt, staubt es auf. „Ich kürze zuerst die Schneidezähne, bis sie wieder optimal aufeinander sitzen“, erläutert die Pferdezahnärztin. Weiter hinten im Pferdemaul liegen die vier Hengstzähne von Leon. Auch diese werden von Brunner gekürzt. Anschließend geht es an die Backenzähne.

Brunner ist mit Pferden aufgewachsen und begann mit sechs Jahren zu reiten. Schnell stand fest, dass sie Fachtierärztin für Pferde werden wollte. Sie studierte, promovierte und arbeitete in verschiedenen Kliniken. „Ich habe eine Zusatzausbildung für Zähne absolviert und bin seit 20 Jahren als Pferdezahnärztin tätig“, sagt Brunner. Ihre mobile Praxis betreibt sie seit 2008. Seitdem kümmert sie sich ausschließlich um Pferdegebisse. Im Raum Österreich und Süddeutschland ist sie damit die Einzige. So hat Brunner Kunden bis Stuttgart und Innsbruck. Ein Viertel ihrer Patienten kommt aus Vorarlberg. Dort behandelt sie pro Jahr knapp 600 Pferde. Bis Mai ist sie komplett ausgebucht. „Am Tag kann ich zwölf Pferde versorgen. Ein Eingriff dauert 45 Minuten.“

Karies und Parodontitis

Warum Pferde einen Zahnarzt brauchen? „Die Zähne der Pferde schieben nach vorne und werden ungleichmäßig abgenutzt. Deshalb müssen sie abgeschliffen werden“, erklärt Brunner. „Zudem plagen das Pferdegebiss ähnliche Probleme wie das menschliche Gebiss.“ Die Tiere können Karies mit Zahnwurzelinfektionen bekommen. Zahnlücken, in denen sich Futter festsetzt, können Parodontitis verursachen. Liegt kein akutes Problem vor, besucht Brunner ihre Patienten ein Mal pro Jahr zur Vorsorge. So auch Leon.

Der Hengst bekommt nun ein Maulgatter angelegt, damit Brunner die Kauflächen bearbeiten kann. „Ein Pferd hat eine Tonne Beißkraft, deshalb bekommt es eine Art Maulsperre“, sagt Brunner, die mit einem überdimensional großen Mundspiegel bis ins hinterste Eck von Leons Gebiss schaut. Mit einer Art Schraubenzieher hebelt sie die beiden Wolfszähne aus. Endlich hat es Leon geschafft. Er hat erstmals genug vom Zahnarzt und für ein Jahr Ruhe, bis Brunner wieder nach dem Rechten sieht.

Die Instrumente sind viel größer als in der Humanmedizin.

Katrin Brunner
Auch Pferde müssen zum Zahnarzt gehen
Katrin Brunner hat sich auf die Zahnhygiene von Pferden spezialisiert. Fotos: VN/Hartinger
Katrin Brunner hat sich auf die Zahnhygiene von Pferden spezialisiert. Fotos: VN/Hartinger

Link zum Video: http://VN.AT/su90sZ

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