Frauen rücken zu Männern auf

Vorarlberg / 20.02.2017 • 19:47 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Rund 70 Prozent der Frauen sind bereits erwerbstätig. Auf die Männer fehlt damit nicht mehr allzu viel.  APA
Rund 70 Prozent der Frauen sind bereits erwerbstätig. Auf die Männer fehlt damit nicht mehr allzu viel. APA

Immer mehr sind erwerbstätig. Gezwungenermaßen oft aber nur in Teilzeit.

Wien. (joh) Wenn vom Arbeitsmarkt die Rede ist, dann geht es meist um die mehr oder weniger steigende Arbeitslosigkeit. Ausgeblendet bleibt dabei jedoch ein anderes Phänomen: nämlich, dass auch immer mehr Menschen erwerbstätig sind. In Vorarlberg sind es bereits drei von vier bzw. 75,1 Prozent, um genau zu sein.

Absoluter Spitzenwert

Das ist deutlich mehr als in Österreich insgesamt (71,1 Prozent), und das ist auch im internationalen Vergleich ein absoluter Spitzenwert: Unter den EU-Staaten kommt nur Schweden mit 75,5 Prozent auf etwas mehr. Alle übrigen Mitgliedsländer liegen darunter. Zum Teil deutlich. Schlusslicht ist Griechenland mit 50,8 Prozent.

In der Statistik berücksichtigt sind alle 15- bis 64-Jährigen. Womit schon eine erste Erklärung für diese Entwicklung angedeutet wäre: Das steigende Pensionsalter sorgt dafür, dass mehr Frauen und Männer länger arbeiten müssen; sich mit 55 oder 60 zur Ruhe zu setzen, ist kaum noch möglich. Auf der anderen Seite aber kommt in den Zahlen, die die Statistik Austria führt, auch eine andere Veränderung zum Ausdruck: Die Zunahme der Erwerbstätigenquote ist vor allem darauf zurückzuführen, dass immer mehr Frauen einen Job haben. Bei ihnen betrug die Quote Mitte der 1970er-Jahre in Vorarlberg gerade einmal 40 Prozent. Damit war die Mehrheit ausschließlich Hausfrau und /oder Mutter. Heute ist es umgekehrt: Der Anteil der erwerbstätigen Frauen ist auf 69,6 Prozent im Jahr 2015 gestiegen. Damit ist er dem Wert der Männer (80,6 Prozent) nähergekommen. Vor allem Ehefrauen und Mütter zwischen 25 und 54 drängen auf den Arbeitsmarkt, berichtet die Leiterin der Frauenabteilung des Landes, Monika Lindermayr: Aufgrund der qualifizierten Ausbildung sei diese Gruppe immer weniger bereit, auf eine eigenständige Existenzsicherung zu verzichten. Das darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass einige Unterschiede zu den Männern groß geblieben sind.

„Unfreiwillig in Teilzeit“

Nicht nur dass Frauen bei gleichwertiger Arbeit weniger verdienen. Lindermayr weist auch darauf hin, dass Frauen viel öfter nur in Teilzeit tätig sind. Und zwar nicht nur freiwillig. Immer wieder tun sie das gezwungenermaßen, weil gewisse Tätigkeiten daheim an ihnen hängen bleiben. So ist die Pflege von Angehörigen genauso nach wie vor eher eine Frauenaufgabe wie das Putzen, Bügeln und Kochen. Oder es fehlt an ganztägigen Kindergartenplätzen, die einen Vollzeitjob ermöglichen würden.

Ungeachtet dessen hat die Entwicklung gesellschaftliche Folgen, wie auch Lindermayr bestätigt: Sie sieht in der Erwerbsarbeit von Frauen „einen der wichtigsten Faktoren“ dafür, dass die Gleichstellung mit den Männern beschleunigt wird. Schließlich kann sie wirtschaftlich unabhängig machen und ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen. Umso wichtiger ist es aus der Sicht von Lindermayr, weiterhin alles zu tun, um noch vorhandene Hindernisse zu beseitigen.

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