Die Bühne gehört den Underdogs

Vorarlberg / 27.02.2017 • 20:14 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Für Messebesucher und Journalisten gibt’s viel auszuprobieren.
Für Messebesucher und Journalisten gibt’s viel auszuprobieren.

Weltgrößte Handymesse MWC mit viel Weiterentwicklung statt großer Überraschungen.

barcelona. Bessere Kameras, mehr Leistung, stärkere Akkus – die Smartphone-Neuheiten, die derzeit auf der Elektronikmesse Mobile World Congress (MWC) in Barcelona präsentiert werden, können sich aus dem Blickwinkel der technischen Ausgereiftheit betrachtet durchaus sehen lassen. Allein es fehlt das Neue, etwas, das Emotionen auslöst, im Technik-Jargon: „the next big thing“. Lukas Böhler, App-Entwickler aus Schwarzach, bilanziert: „Es gibt heuer für den Endkunden kein spannendes neues Segment.“ Aber weil Googles neues Flaggschiff, das Galaxy S8, auf sich warten lässt, scheint dafür etwas mehr Licht auf die Geräte der Konkurrenz.

So haben renommierte Hersteller wie LG, HTC oder Huawei bislang ihre neuen Vorzeige-Smartphones vorgestellt. Auch BlackBerry will mit einem neuen Modell, dem „KeyOne“, punkten und hält an seinem Markenzeichen fest: Der Tastatur mit richtigen Knöpfen, die sich die Funktionen mit einem Touchscreen teilt.

Apple und Samsung noch top

Von diesen Herstellern räumt Florian Salomon, Geschäftsführer von VOLmobil, dem chinesischen Produzenten Huawei die besten Chancen ein, auf die Marktführer Apple und Samsung Boden gutzumachen. „Sie haben massiv Werbung betrieben und bauen Geräte in guter Qualität“, erklärt er. Dennoch sieht er keine Umwälzung am Markt kommen. „Apple und Samsung werden weiterhin die High-End-Geräte herstellen, der Rest wird auf ein günstigeres Preis-LeistungsVerhältnis setzen“, prognostiziert Salomon. Dennoch erwartet er von Samsungs Galaxy S8, das erst am 29. März vorgestellt wird, keine bahnbrechende Innovation.

Nokia ist zurück

Für die größte Überraschung sorgte bislang Nokia, die noch vor zwei Jahren niemand mehr auf dem MWC erwartet hätte. Der finnische Elektronikhersteller hatte den Smartphone-Trend verschlafen und vor einigen Jahren seine Handysparte an Microsoft verkauft, die eigene Handys bauen wollten. Beide Firmen machten dann jeweils eine Kehrtwende: Microsoft stampfte die Handyproduktion ein, Nokia lässt von der Firma HMD nun Android-Smartphones fabrizieren. Von den drei Modellen soll das teuerste 299 Euro kosten.

Und es bringt einen Klassiker wieder zurück: Das Nokia 3310 aus dem Jahr 2000 wird neu aufgelegt. Mit überarbeitetem Design und farbigem Bildschirm (jedoch ohne Touch-Screen) kann es wenig mehr als telefonieren, ein bisschen surfen und den Klassiker „Snake“ spielen. Dafür soll der Akku bis zu einen Monat im Standby bleiben. Preis: um die 50 Euro.

Innovation gesucht

„Ein solches Feature-Phone kann natürlich neue Innovationen nicht ersetzen“, sagt VOLmobil-GF Florian Salomon. Wobei App-Programmierer Lukas Böhler die fortschreitende Entwicklung der Handys nicht schlechtreden möchte: „Die doppelte Rechenleistung in ein gleich großes Gehäuse zu packen, ist natürlich auch eine Leistung“, stellt er klar.

Wie müsste das „nächste große Ding“ denn aussehen? „Ein faltbares Gerät wäre toll“, sagt Böhler. Oder auch die lang erwartete Datenbrille, vielleicht sogar der Datenchip zum Einpflanzen unter die Haut. „Aber vielleicht ist das noch zu sehr Science Fiction“, fügt er an.

Ein faltbares Gerät oder eine Datenbrille wären etwas Tolles.

Lukas Böhler
Für Messebesucher und Journalisten gibt’s viel auszuprobieren.
Für Messebesucher und Journalisten gibt’s viel auszuprobieren.
Nokias Retro-Handy 3310 inklusive des Spiels
Nokias Retro-Handy 3310 inklusive des Spiels „Snake“.
Statt eines neuen Spitzenhandys präsentierte Samsung heuer Geräte wie den Tablet-/Notebook-Hybriden „Galaxy Book“. Fotos: AFP
Statt eines neuen Spitzenhandys präsentierte Samsung heuer Geräte wie den Tablet-/Notebook-Hybriden „Galaxy Book“. Fotos: AFP