Für Pflege ist kaum vorgesorgt

Vorarlberg / 28.02.2017 • 18:49 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Pflegebedürftigkeit braucht nicht nur liebevoll helfende Hände, sie muss auch finanziert werden. Foto: dpa
Pflegebedürftigkeit braucht nicht nur liebevoll helfende Hände, sie muss auch finanziert werden. Foto: dpa

Dabei glauben viele, dass ihr jetziges Einkommen im Pflegefall nicht ausreichen wird.

Feldkirch. Die Diskrepanz könnte größer nicht sein. Zwar fürchten 86 Prozent der Vorarlberger, dass ihr jetziges Einkommen im Falle einer Pflegebedürftigkeit nicht reicht, um den Aufwand zu decken. Eine private Pflegevorsorge haben bislang aber nur acht Prozent abgeschlossen. Allerdings könnte eine staatliche Förderung immerhin knapp drei Viertel dazu motivieren, in eine Pflegeversicherung zu investieren. Das geht aus einer aktuellen Erhebung der Wiener Städtischen Versicherung hervor. Österreichweit wurden 1700 Personen befragt.

Zweifel am Staat

Gesundheit, Pensionshöhe, Enkelkinder, Reisen und Pflegebedürftigkeit: Das sind die bestimmenden Themen, wenn Vorarlberger über ihr eigenes Älterwerden nachdenken. Die meisten sehen denn auch im Alter bzw. in einer Erkrankung die größten Risiken für eine Pflegebedürftigkeit. Diese Faktoren werden deutlich höher eingeschätzt als beispielsweise ein Unfall. Was das System der Pflegefinanzierung betrifft, so fühlen sich 67 Prozent nur mittelmäßig oder sehr schlecht aufgeklärt. Kaum verwunderlich also, dass 24 Prozent der Befragten im Anlassfall nicht wissen würden, wo sie die erforderlichen Informationen zu Pflegegeld und anderen Notwendigkeiten einholen könnten. Ebenfalls pessimistischer sieht der Blick der Vorarlberger in die Zukunft aus. Drei von vier Befragten waren der Meinung, dass die staatliche Pflegeversicherung nicht genügen wird, wobei diese Einschätzung vor allem bei Frauen und Personen ohne Partner im Haushalt stark ausgeprägt ist. Zum Vergleich: Der österreichische Durchschnitt liegt bei 75 Prozent.

Trotzdem sind private Pflegeversicherungen noch nicht das große Geschäftsfeld. Obwohl deren Existenz bekannt ist, besitzt derzeit nur jeder Fünfte eine solche, 13 Prozent tragen sich zumindest mit dem Gedanken an einen Abschluss. Und dann sind da noch jene, die gerne eine finanzielle Absicherung für eine mögliche Pflegebedürftigkeit hätten, sich eine solche aber nicht leisten können. Dieser Anteil macht immerhin fast die Hälfte aus.

Unterschätztes Thema

Burkhard Berchtel, Landesdirektor der Wiener Städtischen, sieht die Ergebnisse aus dieser Umfrage als Auftrag, noch mehr Bewusstsein für die Pflegevorsorge zu schaffen und die Menschen dabei zu begleiten. „Die Wichtigkeit des Themas wird leider nach wie vor unterschätzt und allzu gerne noch beiseitegeschoben“, sagt Berchtel. Erst wenn Menschen direkt damit konfrontiert seien, etwa durch einen Pflegefall in der Familie oder im unmittelbaren Umfeld, setze ein Umdenken ein.

Das spiegelt sich auch im Altersschnitt der Versicherungsnehmer wider, der sich zwischen 40 und 55 Jahren bewegt. Burkhard Berchtel ist jedoch überzeugt, dass zukünftig allein schon die demografische Entwicklung mit der steigenden Lebenserwartung dazu zwingt, sich vermehrt mit privater Pflegevorsorge zu beschäftigten.

Für das Jahr 2030 sagen Statistiken österreichweit bis zu 800.000 Pflegegeldbezieher voraus. In Vorarlberg erhalten derzeit rund 17.000 Personen ein Pflegegeld.

Die demografische Entwicklung zwingt dazu, sich vermehrt mit diesem Thema zu beschäftigen.

Burkhard Berchtel