Heroin ins Land geschmuggelt

Vorarlberg / 28.02.2017 • 22:38 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Laut Anklage transportierte 31-Jähriger ein halbes Kilo der Droge in der Autotüre.

Feldkirch. Mindestens 40 Mal fuhr der 31-jährige Elektriker in den letzten zwei Jahren mit seinem Pkw in die Schweiz, um im Kanton St. Gallen „Fünferle“ zu kaufen. Gemeint sind damit Heroinpäckchen mit einem Gewicht von fünf Gramm. Der Mann hat konsumiert und verkauft, 80 bis 100 Euro pro Gramm kassierte er bei seinen Abnehmern. Er selbst benötigte anfangs 0,3 Gramm, am Ende waren es bis zu zwei Gramm. Er hätte den Stoff zwar auch hier im Land kaufen können, doch in der Schweiz war er billiger. Zwar war er bereits bei den Eidgenossen schon einmal erwischt worden, doch das hinderte den Abhängigen nicht, weiter im Raum Rorschach und Goldach einzukaufen. Der Dornbirner wurde observiert und schlussendlich auf Vorarlberger Seite direkt nach einer Einkaufsfahrt erneut verhaftet, mit 20 Gramm Heroin im Seitenfach des Wagens.

Frage der Menge

„Es geht hier um nicht weniger als 545 Gramm Heroin, die ins Land geschmuggelt wurden“, so Staatsanwalt Simon Mathis. Mathis, der seit einem Monat als öffentlicher Ankläger in Feldkirch tätig ist, weiß, dass nun eine lange Rechnerei das Verfahren bestimmt. Der Staatsanwalt war früher selbst Rechtsanwalt und saß oft als Verteidiger auf der anderen Seite. Im Wesentlichen sind es die Mengen, die neben Geständnis und sonstigen Milderungsgründen strafbestimmend sind. Gelingt es, das Gericht von niedrigeren Mengen zu überzeugen, steht Therapie statt Strafe zur Debatte.

Verwirrt

Und so beginnt auch in diesem Verfahren eine Rekonstruktion, ob die einst vor der Polizei angegebenen Mengen beweisbar sind. Vor der polizeilichen Einvernahme fragte man den Angeklagten, ob er der Vernehmung gewachsen sei. Er antwortete, dass er in der Zelle gut geschlafen habe und bereit sei für die Fragen der Beamten. Im Prozess gibt er an: „Ich war verwirrt. Die Polizei hat geschrieben und ich habe nur Ja oder Nein gesagt“. Nun werden – auch dies ist üblich – die Beamten als Zeugen geladen und befragt, wie die Vernehmung abgelaufen ist. Die Verteidigung wirft ein, dass gewisse „Tatzeiträume“ gar nicht stimmen könnten, weil der Mann in dieser Zeit Substitutionspräparate bekam und es gar nicht nötig hatte, Heroin zu konsumieren und zu verkaufen. Außerdem sei der Beschuldigte in der Türkei auf Urlaub gewesen, auch diese Zeit müsse ausgeblendet werden. Der Prozess wurde vertagt.

Es geht hier um nicht weniger als 545 Gramm Heroin, die ins Land geschmuggelt wurden.

Staatsanwalt Simon Mathis

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