Wieder Zwischenfall im AKW Gundremmingen

Vorarlberg / 28.02.2017 • 17:49 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Gundremmingen zählt laut dem Anti Atom Komitee zu den ältesten und gefährlichsten Atomkraftwerken Deutschlands. Foto: reuters
Gundremmingen zählt laut dem Anti Atom Komitee zu den ältesten und gefährlichsten Atomkraftwerken Deutschlands. Foto: reuters

Block B nach Schnellabschaltug vom Netz. Atomgegner fordern Aufklärung.

GUNDREMMINGEN. (VN-hrj) Ein nicht funktionierendes Ventil in einem Sicherheitsbehälter führte am Montag zur Abschaltung des Block B im bayrischen Kernkraftwerk Gundremmingen. Nach Angaben der Betreiber, der Energiekon­zerne RWE und Eon, habe sich der Zwischenfall bei Prüfungen von Sicherheits- und Entlastungsventilen ereignet, die zum Abschluss einer Revision durchgeführt worden seien.

Im nuklearen Bereich habe eines der elf Ventile, die sich innerhalb des geschlossenen Sicherheitsbehälters befinden, zur Prüfung zwar korrekt geöffnet, aber nicht wieder verschlossen werden können. Der ausgetretene radioaktive Dampf sei in dem geschlossenen Sicherheitsbehälter verblieben, teilte ein Sprecher der AKW-Betreiber mit. Block B sei ordnungsgemäß durch eine „von Hand ausgelöste“ Schnellabschaltung vom Netz genommen worden. Der Vorfall werde derzeit untersucht. Nach bisheriger Einschätzung sei das Vorkommnis als meldepflichtiges Ereignis in die Kategorie „Normal“ einzustufen. Personal, die Anlage und ihre Umgebung seien nicht gefährdet gewesen.

Seit 50 Jahren in Betrieb

Manfred Doppler, organisatorischer Leiter des österreichischen Anti-Atom-Komitees, betonte am Dienstag in einer Stellungnahme, dass das AKW Gundremmingen „zu den ältesten und gefährlichsten Atomkraftwerken in Deutschland“ zähle und eine Stilllegung „längst überfällig“ sei. Doppler ersuchte Umweltminister Andrä Rupprechter (55, ÖVP), die vollständige Klärung des Zwischenfalls einzufordern, „denn Gundremmingen liegt in der Hauptwindrichtung zu Österreich“.

Das AKW Gundremmingen wurde am 12. April 1967 – also vor einem halben Jahrhundert – in Betrieb genommen und ist der letzte Standort in Deutschland, der mit Siedewasserreaktoren betrieben wird. Dieses Kernkraftwerk, das in ca. 110 Kilometer Luftlinie von der Grenze zu Österreich entfernt steht, wird immer wieder mit Störfällen konfrontiert.

Nach dem Atomgesetz erlischt die Genehmigung für Block B im Dezember 2017, Block C darf noch bis Ende des Jahres 2021 weiterbetrieben werden. Atomkraftgegner diesseits und jenseits der Grenze fordern eine frühere Stilllegung auch des dritten Blocks. Block A war bereits vor 40 Jahren nach mehreren schweren Störfällen vom Netz gegangen.

Geplanter Rückbau

Die AKW-Betreiber RWE und Eon planen, Block B vom kommenden Jahr an zurückzubauen. Der Rückbau der Atomanlage wird indes bis in die 2030er-Jahre dauern. Der Abriss der restlichen Gebäude wird sich dann noch bis etwa 2040 hinziehen.