Ökoland-Pflicht gilt auch für Alpen

Vorarlberg / 02.03.2017 • 19:28 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Alpen sind für viele Menschen ein Ort der Sehnsucht geworden, sagt die Expertin Theresa Leitner.     Foto: Berchtold
Alpen sind für viele Menschen ein Ort der Sehnsucht geworden, sagt die Expertin Theresa Leitner.    Foto: Berchtold

Beim Alpwirtschaftstag fordert LR Schwärzler die Verbannung von Soja und Klärschlamm.

Hohenems. (VN-hk) Der Tag der Alpwirtschaft füllte auch am gestrigen Mittwoch den großen Turnsaal des Landwirtschaftlichen Zentrums bis auf den letzten Platz. Dabei war die Brisanz mit jener des Vorjahrs nicht zu vergleichen. Damals wütete der TBC-Erreger in zahlreichen Viehställen im Klostertal und im Silbertal, der Erregungspegel bei den Bauern war am Anschlag.

Damals stellte sich Landesjägermeister Reinhard Metzler (56) in der Höhle des Löwen mutig den Älplern, auch Landesveterinär Norbert Greber gab seine Expertise zur aktuellen Krisensituation ab. Beide waren am vergangenen Mittwoch nicht dabei, auch  Landwirtschaftskammerpräsident Josef Moosbrugger (50) nicht. Er weilte beim Milchwirtschaftsgipfel in Salzburg.

Plädoyer für Natürlichkeit

Für die Älpler und den Obmann des Alpwirtschaftsvereins, Josef Türtscher, war wieder Zukunft angesagt. Zu dieser zählt auch
das, was Landwirtschaftslandesrat Erich Schwärzler (63) in seinen Grußworten und abseits der Bühne zum Ausdruck brachte: „Wir wollen Alpen, auf denen weder Gentechnik, noch Soja oder Klärschlammkompost etwas verloren haben. Darauf wurde schon bisher weitestgehend verzichtet. Aber ich möchte klarstellen: Wer diese Substanzen verwendet, verliert die Förderung durch das Land“, spricht Schwärzler Klartext. Zur Bedeutung der Alpwirtschaft für Vorarlberg meinte der Landesrat: „Nur durch eine vitale und intakte Alpwirtschaft kann die nachhaltige Pflege dieser sensiblen Regionen im Land gewährleistet werden.“

Mehr Vieh auf die Alpen

Eine fast ausschließlich positive Bilanz mit einem optimistischen Ausblick auf die nahe Zukunft brachte Alp­wirtschaftsvereinsobmann Josef Türtscher den Zuhörern nahe. Belege dafür: Die TBC-Ansteckungen seien zurückgegangen, das Problem mit den Weideflächenberechnungen als Grundlage für Fördergelder mehr oder weniger gelöst, die Großabnehmer der auf der Alpe erzeugten Qualitätsprodukte würden den Älplern die Treue halten.

Allerdings bleiben laut Türtscher auch Herausforderungen: „Wir müssen genug Vieh auf die Alpe bringen. Dafür braucht es aber auch Anreize für jene, die auf der Alpe arbeiten.“ Eigenwerbung möchten die Alpen im heurigen Sommer machen.  So wird es Tage der offenen Tür geben. Die Besucher sollen sich vom Nutzen der Alpen für Ernährung, Kulturlandschaft und Tourismus überzeugen.

Bedienung der Sehnsüchte

Den Fachvortrag des diesjährigen Alpwirtschaftstages hielt die Tiroler Tourismus- und Alpenexpertin Theresa Leitner zum Thema „Almwirtschaft für den Tourismus“. Dabei belegte die Bauerstochter anhand mehrerer Beispiele den beiderseitigen Nutzen einer gediegenen Zusammenarbeit von Alpwirtschaft und Tourismus. Die Alpwirtschaft würde mit ihren hochqualitativen Produkten und der Schaffung einer gepflegten Kulturlandschaft jene Sehnsüchte befriedigen, die immer mehr Ruhesuchende spüren.

Kunden seien bereit, für ein nachhaltig hergestelltes Produkte mehr zu bezahlen. „Diese Tendenz nimmt zu“, bekräftigte Leitner.

Es muss genug Vieh auf die Alpe. Dafür braucht‘s Anreize.

Josef Türtscher

Alpen in Vorarlberg

» 512 bewirtschaftete Alpen,
davon 130 Sennalpen

» 60.000 Hektar gepflegte
Alpflächen

» 970 Älplerinnen und Älpler, davon 500 Familienmitglieder und 470 Personen Fremdpersonal

» 26.000 Rinder und 8000 Milchkühe, 3000 Schafe, 1000 Ziegen, 1000 Alpschweine, 1000 Pferde

» Alpprodukterzeugung: 400.000 kg Alpkäse und 75.000 kg „Sura Kees“ pro Jahr